Work-Life-Balance: Weniger arbeiten - mehr leisten

Immer mehr Menschen, vor allem Berater, Banker, Wirtschaftsprüfer und Manager haben zunehmend das Gefühl ständig erreichbar sein zu müssen und im Dienst zu sein. Ein groß angelegtes Experiment bei der Boston Consulting Group zeigt, wie kluges Zeitmanagement die Zufriedenheit und auch die Produktivität erhöhen kann.

07.01.2010
Management

1. Wer, Wann, Wo ? 

erschienen in Harvard Business Manager. 32. Jahrgang, Januar 2010, S. 24-35,Autoren: Leslie A. Perlow, Jessica L. PorterLeslie A. Perlow ist Professorin für Leadership und Organisationsverhalten an der Harvard Business School in Boston. In ihren Forschungen befasst sich die Ethnografin überwiegend mit der Mikrodynamik der Arbeit – womit sich Menschen beschäftigen, wie sie ihre Zeit einteilen und mit wem sie in Kontakt treten.Jessica L. Porter ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Harvard Business School.

 

2. Woher, Wohin, Warum ?

In vielen Branchen, aber vor allem in denen wo Unternehmensberater, Wirtschaftsprüfer oder Investmentbanker oder andere Wissens-Dienstleister tätig sind, ist das vorherrschende Arbeitsethos der

einen ständigen Verfügbarkeit. Damit einher geht viel negativer Stress, der sich auf die Leistungsfähigkeit und langfristige Motivation der Mitarbeiter auswirkt und damit auch auf die Ergebnisse

und Kundenbeziehungen. In einem anschaulichen Experiment von Arbeitszeitverzicht zeigen die Autorinnen welche positiven Effekte eine reduzierte Arbeitszeit haben kann.

 

3. Was, Wie, Welche Ergebnisse ? 

In den vergangenen vier Jahren führten die Autorinnen eine Studie in den nordamerikanischen Büros der Boston Consulting Group durch. In diesem wurden die Berater angehalten regelmäßig vorher

festgelegte Auszeiten zu nehmen, bspw. einen Tag unter der Woche oder einen Abend ab 18:00 Uhr. Es war Ihnen in dieser Zeit nicht gestattet irgendwelche arbeitsbezogenen Tätigkeiten, auch E-Mail

lesen oder Mailbox abhören, durchzuführen. Die anfängliche Skepsis diesem Experiment gegenüber war wie erwartet sehr hoch, glaubt man doch sein Arbeitspensum in einer reduzierten Zeit nicht leisten

zu können und auch nicht den Erwartungen die gestellt werden, gerecht werden zu können. Die grundlegende Problematik dieser Denkweise sind die eingefahrenen Arbeitsmuster die nicht mehr hinterfragt

werden.Das Experiment der Autorinnen brach diese Arbeitsmuster bewusst und sehr radikal auf und zwang die Teilnehmer und ihre Projektgruppen-Kollegen dazu, eine neue Art der Arbeitsorganisation und

Ablaufgestaltung zu finden.Die Ergebnisse des Experiments sind erstaunlich: So erhöhte sich die allgemeine Zufriedenheit mit der Arbeit, die Loyalität zum Arbeitgeber sowie die gefühlte

Work-Life-Balance. Außerdem verbesserte sich die Kommunikation unter den Kollegen spürbar und auch positive Effekte für die Kunden ließen sich messen.Das Experiment zeigt auf anschauliche und

prägnante Art und Weise, dass es sich durchaus lohnt alte Überzeugungen von der "richtigen" Art und Weise zu arbeiten zu überdenken und neue Arbeitsweisen auszuprobieren. Es wird mittlerweile von

der BCG intern selbständig weitergeführt und auch auf andere Arbeitsgebiete, wie z.B. bei der Gestaltung des Vergütungssystems ausgeweitet.

 

4. Für wen, unter welchen Bedingungen ?

Der vorliegende Artikel ist grundsätzlich für jeden aus den wissensbasierten Dienstleistungs-Branchen interessant, da das Experiment in einem solchen Unternehmen durchgeführt worden ist.

 

5. Wie einzuschätzen ?

Das Experiment der beiden Autorinnen zeigt sehr prägnant, wie lohnenswert es sein kann überkommene Denk- und Handlungsweisen neu zu denken. Es ist ein interessanter Anstoß für alle Führungskräfte neue Potentiale zu heben.