Andere motivieren zu wollen, ist hirntechnischer Unsinn

Der Neurobiologe Prof. Gerald Hüther thematisiert im Interview mit Dr. Dirk Osmetz den aktuellen Stand der Hirnforschung und zeigt auf, welche weitreichenden Implikationen sich daraus für Führung und Organisationsentwicklung, insbesondere aber auch für die Managementausbildung und die universitäre Lehre, ergeben.

04.12.2009
Prof. Gerald Hüther, Dr. Dirk Osmetz
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Management

1. Wer?, Wann?, Wo?

«Andere motivieren zu wollen, ist hirntechnischer Unsinn»; erschienen in: zfo – Zeitschrift Führung + Organisation; 03/2009 (78 Jg.), Seite 159-161.

 

Der Autor: Professor Gerald Hüther ist promovierter Mediziner und Biologe. Er arbeitet auf dem Gebiet der experimentellen Hirnforschung und beschäftigt sich insbesondere mit den Auswirkungen von Angst und Stress auf Gehirn und Verhalten sowie mit der Beeinflussbarkeit der kindlichen Hirnentwicklung durch psychosoziale Faktoren und psychopharmakologische Behandlungen. Das Interview führte Dr. Dirk Osmetz, Lehrbeauftragter an der Universität der Bundeswehr München und Mitautor des Buches «Musterbrecher – Führung neu leben».

 

2. Woher?, Wohin?, Warum?

Gerald Hüther werden Fragen zum aktuellen Stand der heutigen Hirnforschung und deren Forschungsfeldern gestellt. Im Zentrum des Artikels steht dabei die Reflexion der Möglichkeit einer aktiven Veränderung von individuellen Persönlichkeiten und deren Entscheidungsverhalten. Darüber hinaus werden Implikationen für die Managementausbildung und die universitäre Lehre abgeleitet und thematisiert.

 

3. Was?, Wie?, Welche Ergebnisse?

Ausgehend von der neurobiologischen Feststellung, dass das menschliche Gehirn zeitlebens weitaus plastischer und formbar ist als bisher angenommen, lässt Gerald Hüther unseren tagtäglich subjektiv erlebten Erfahrungen eine revolutionäre Rolle zukommen: Die Herausbildung unserer inneren Einstellungen, Überzeugungen und Haltungen, auf deren Grundlage wir unsere Entscheidungen treffen und Bewertungen vornehmen, lässt sich nicht durch Unterricht, Belehrungen oder Ratschläge beeinflussen. Stattdessen basieren diese auf unseren am eigenen Leib gemachten Erfahrungen. Zentrale Implikation daraus ist die Feststellung, dass extrinsisches Motivieren hirntechnischer Unsinn ist. Prof. Gerald Hüther zeigt auf, dass dieses Vorgehen statt Selbstverantwortung und Selbstgestaltung bestenfalls Dressur- und Abrichtungsverhalten hervorruft.

 

4. Für wen?, Unter welchen Bedingungen?

Neueste neurobiologische Erkenntnisse rütteln unübersehbar an unserem tradierten aber immer noch dominanten Menschenbild einer auf maximale Ressourcenausnutzung ausgerichteten Gesellschaft. Als anregender Impuls empfiehlt sich das Interview mit Prof. Gerald Hüther insbesondere für jeden, der an einer nachhaltigen Organisationsgestaltung interessiert ist.

 

5. Wie einzuschätzen?

Neben der Notwendigkeit, dass Führung und Management permanent das eigene Menschenbild reflektieren und das daraus abgeleitete Verhalten im Umgang mit anderen Menschen hinterfragen müssen, machen aktuelle neurobiologische Erkenntnisse deutlich, dass wir weitaus mehr Einfluss auf die Ausgestaltung und Prägung unserer inneren Einstellungen, Überzeugungen und Haltungen haben als bisher angenommen. Das Interview lässt erahnen, wie viel Potential noch in den Bereichen Aus- und Weiterbildung ungenutzt bleibt und empfiehlt sich insbesondere für jede Führungskraft, jeden Manager und jeden Organisationsentwickler. 

 

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