Die neue Erfolgsformel. Interview über Spitzenleistung

Für Erfolg gibt es (k)ein Rezept – diametral stehen sich Aussagen zur Möglichkeit der gezielten Steuerung und Gestaltung von Karriereverläufen gegenüber. Im Interview vertritt Peter Wollsching-Strobel die Meinung, dass Erfolg machbar ist und auch die Erfolgsfaktoren, die den Top-Performer vom Standard differenzieren, sind scheinbar eindeutig identifiziert.

1. Wer?, Wann?, Wo?

«Die neue Erfolgsformel. Interview über Spitzenleistung», erschienen in: managerSeminare, Juli 2009, Heft 136, S. 52-56.Der Autor: Peter Wollsching-Strobel ist Managementberater,Organisationsentwickler und Coach. Er berät mit seiner Firma PWS Wollsching-Strobel Managementberatung GmbH in erster Linie Persönlichkeiten der höchsten Leistungsklasse in Sport und Management. Peter Wollsching-Strobel wurde interviewt von Heike Littger.

 

2. Woher?, Wohin?, Warum?

Viele Managementberater und auch Wissenschaftler sind der Meinung, dass Zufälle und günstige Umweltfaktoren ausschlaggebend dafür sind, ob es jemand in die höchsten Hierarchieebenen schafft – also ganz nach oben kommt. Peter Wollsching-Strobel ist vom Gegenteil überzeugt: Erfolg ist machbar und die notwendigen Erfolgsfaktoren wurden im Rahmen einer dreijährigen Befragung von 50 Spitzenleistungsträgern, in Kooperation mit der TU Darmstadt, identifiziert. Vorab: Talent alleine ist nicht genug.


3. Was?, Wie?, Welche Ergebnisse?

Wollsching-Strobel stellt heraus, dass es in erster Linie ein Zusammenspiel von Talent, Motivation und Willenskraft, Selbstmanagement und Networking ist, das den Spitzenleistungsträger vom Standard unterscheidet.Talent: Die große Herausforderung besteht hierbei, seine Stärken zu erkennen und sich auf diese zu konzentrieren. Viele Menschen besitzen Begabungen in den unterschiedlichsten Bereichen und gerade weil nicht eine Begabung zielstrebig verfolgt und ausgebaut wird, bleibt man in mehreren Tätigkeitsbereichen eben nur Mittelmaß. Zusätzlich weißt der Autor auf die Notwendigkeit von Feedback und Beratung für Begabte hin – nur so kann unterstützend dafür gesorgt werden, dass Potentialträger ihre Begabungen erkennen und zur Geltung bringen können.Motivation und Wille: Elementar scheint Wollsching-Strobel die Erkenntnis, dass Leistung für Spitzenleister positiv besetzt ist. Sie gehören zu den Menschen, die Widrigkeiten und Schwierigkeiten etwas Positives abgewinnen können. Trotzdem haben viele Top-Performer längst keine geradlinigen Lebens- oder Karriereverläufe sondern nahezu alle mussten mit großen Leistungseinbußen und echten Krisen umgehen lernen. Nur: Sie können sich regelmäßig wieder besser auf die Spur bringen. Doch auch bis man auf den höchsten Ebenen ankommt braucht man einen langen Atem. Die meisten Spitzenkräfte brauchen dafür zwischen acht und 15 Jahren.Networking: Top-Manager halten das Knüpfen von Beziehungen für einen Kern ihrer Tätigkeit. Dementgegen sehen zwei von drei Führungskräften diese Art von Beziehungspflege als vertane Zeit an. Doch Beziehungsforscher positionieren sich eindeutig: Der Mensch als soziales Wesen kann seine Identität nur in Wechselwirkung mit seiner Umwelt entwickeln – zwischenmenschliche Beziehungen sind demnach für eine persönliche Weiterentwicklung und Ausbildung unabdinglich. Doch auch ganz pragmatisch sind Beziehungen, insbesondere in den ersten Jahren einer Unternehmenszugehörigkeit, ein erfolgskritischer Faktor. Denn ohne einen Meinungsaustausch mit den entscheidenden Persönlichkeiten bleibt man in einem Unternehmen oftmals anonym und unentdeckt.

 

4. Für wen?, Unter welchen Bedingungen?

Das Interview mit Peter Wollsching-Strobel bietet einen kurzweiligen Überblick über die aktuell diskutierten Erfolgsfaktoren individueller Karrieren. Die Besonderheit ist dabei, dass sich der Autor mit Spitzenleistungsträgern beschäftigt. Der Artikel empfiehlt sich für jeden Leser, der an Impulsen für eine Reflexion und Standortbestimmung seines persönlichen Werdeganges oder seiner Karriereentwicklung interessiert ist.

 

5. Wie einzuschätzen?

Trotz der mitschwingenden Überlegung Erfolg in eine Formel zu pressen, bleibt der Artikel doch erstaunlich rezeptfrei. Dafür bekommt jeder Leser die Möglichkeit, sich ganz individuell in den genannten Erfolgsfaktoren und deren Ausprägungen zu verorten. Spannend ist dabei die Feststellung des Autors, dass trotz einer obligatorischen 60-70 Stunden Woche die Familie als Ort des persönlichen Auftankens für Spitzenleister unersetzbar ist – na dann.

 

Literaturtipps:

Gladwell, Malcolm (2009): Überflieger. Warum manche Menschen erfolgreich sind – und andere nicht; Campus Verlag, Frankfurt/Main 2009.

Wollsching-Strobel, Peter und Ulrike (2009): Die Leistungsformel. Spitzenleistung gestalten und erhalten; Gabler Verlag, Wiesbaden 2009.