Warum gute Manager schlecht entscheiden

Immer wieder fällen auch erfolgreiche Führungskräfte Entscheidungen die zu negativen Folgen für ihr Unternehmen führen. Neurowissenschaftler haben nun herausgefunden welche Faktoren unser Urteilsvermögen beeinflussen und beeinträchtigen können. Die Kenntnis hiervon kann vor Fehlentscheidungen schützen.

1. Wer, Wann, Wo ?

erschienen in Harvard Business Manager. 31. Jahrgang, Mai 2009, S. 23-31, Autoren: Andrew Campell, Jo Whitehead, Sydney Finkelstein Andrew Campell und Jo Whitehead sind Leiter des Ashridge Strategic Management Centre in London. Sydney Finkelstein ist Professor für Management an der Tuck School of Business am Dartmouth College in Hanover (New Hampshire).

2. Woher, Wohin, Warum ?

Gute Entscheidungen bilden die Existenzgrundlage und Daseinsberechtigung von Managern. Ihr Erfolg wird dementsprechend an der Güte ihrer Entscheidungen gemessen. Allerdings laufen auch gute Manager immer wieder Gefahr schlecht zu entscheiden. Warum dies so ist, welche Faktoren unsere Entscheidungen beeinflussen und wie sich Fehlentscheidungen vermeiden lassen haben die Autoren in dem nachfolgenden Beitrag erläutert.

3. Was, Wie, Welche Ergebnisse ?

Auf der Grundlage von neurowissenschaftlichen Erkenntnissen beschreiben die Autoren die Funktionsweise unseres Gehirns bei Entscheidungsprozessen. Damit wird auch deutlich welche Situationen Fehlurteile begünstigen können. Zwei Prozesse wurden hierbei als wesentlich ausgemacht: die Mustererkennung und die emotionale Etikettierung.

Mustererkennung: Dieser Prozess verknüpft in einem komplexen Vorgang Informationen aus 30 Hirnarealen, aufgrund derer unser Gehirn aus früheren Erfahrungen und Urteilen bestimmte Vermutungen über eine aktuelle Situation anstellt. Das Hirn greift also auf Muster zurück,die es von früher her kennt. Dieser Prozess birgt allerdings das Potential uns in die Irre zu führen. Scheinbar bekannte Situationen meinen wir daraufhin durchblicken zu können, obwohl dies nicht der Fall ist.

Emotionale Etikettierung: Dieser Vorgang verbindet gespeicherte Gedanken und Erfahrungen mit emotionalen Informationen. Diese Informationen beeinflussen, ob gewisse Tatsachen unsere Beachtung finden oder nicht und welche Art von Reaktion in Frage kommt. Im Normalfall hilft die emotionale Etikettierung vernünftige Entscheidungen treffen zu können, allerdings kann auch sie uns in die Irre führen. Dies ist z.B. der Fall, wenn persönliche Präferenzen, Eigeninteresse oder Abneigungen zu viel Gewicht bei einer Entscheidung beigemessen wird. Die Autoren identifizieren in Ihrem Beitrag verschiedene Alarmsignale, welche auf das Risiko von Fehlentscheidungen hinweisen können. Die drei wichtigsten sind: unangebrachte Eigeninteressen, das Vorhandensein persönlicher Bindungen sowie irreführende Erinnerungen.

Um das Problem von zu subjektiven Entscheidungen und damit möglichen Fehlurteilen gering zu halten ist es notwendig diese Problematik systematisch anzugehen und sich der Alarmsignalfaktoren bewusst zusein. In einem Beispiel beschreibt der Artikel eine mögliche Vorgehensweise hierzu, indem drei Vorsichtsmaßnahmen vorgestellt werden:

Neue Erfahrungen oder Analysen in den Prozess einbringen

Intensiver über die Situation diskutieren und bestehende Prämissen infrage stellen

Stärkere Steuerungssysteme einführen

4. Für wen, unter welchen Bedingungen ?

Der Beitrag gibt einen guten Einblick in die Funktionsweise unseres Gehirns bei Entscheidungsprozessen. Da Entscheidungen immer und auf sämtlichen Ebenen getroffen werden ist Kenntnis hiervon für nahezu jedermann hilfreich. Vor allem aber für Führungskräfte deren Entscheidungen oftmals weitreichende Konsequenzen haben.

5. Wie einzuschätzen ?

Anhand der vielen plastischen Beispiele wird der beschriebene Ansatz der Autoren deutlich. Zwar ist die Thematik der guten Entscheidungsfindung nicht neu, allerdings ist eine Auffrischung, und auch weiterführenden Behandlung des Themas für Manager sicherlich empfehlenswert.