Die Biene. Ein Vorbild.

In vielen Bereichen können wir vom erfolgreichsten Unternehmen aller Zeiten – der Natur – lernen. Dominat ist dabei bis dato der junge Forschungsbereich der Bionik mit seinem Transfer von natürlicher Perfektion in die Ingenieurswissenschaften. Doch auch für Management, Führung und Organisationsgestalter bieten sich viele Lernmöglichkeiten an. Nachfolgend zeigen die Autoren auf, welche spannenden Impulse die Biene mit ihren Organisationsprinzipien liefern kann.

1. Wer, Wann, Wo ?Die Biene. Ein Vorbild. Erschienen in "brand eins". 10. Jahrgang Heft 10 Oktober 2008 Autoren: Christof Rissbacher, Heinz K. Stahl 2. Woher, Wohin, Warum ?Netzwerke werden immer

wichtiger. Sie sollen nach dem Prinzip der Wechselseitigkeit funktionieren. Die Wirklichkeit sieht meist anders aus. Organisationsforscher haben dieses Problem erkannt und sind bei der Suche nach

funktionierenden Systemen auf den Bienenschwarm gestoßen. Dieser konstituiert sich permanent neu und jedes Mitglied wandelt zwischen Individualismus und der Notwendigkeit sich in der Gruppe zu

organisieren. Jeder Schwarm enthält sämtliche Dynamiken, die unseren Alltag erschweren. Durch effektive Kommunikation ist die Organisation nahezu optimal. 3. Was, Wie, Welche Ergebnisse?Fleiß,

Ordnung, Wirtschaftlichkeit Bis zu 10.000 Blüten müssen Bienen für ein Gramm Honig besuchen. Dies setzt eine intensive Reisetätigkeit voraus. Strenge Ordnung und genetische Programmierung haben einen

hohen Anteil an der Organisation eines ca. 50.000 starken Bienenvolkes. Das Vitellogenin-Gen bestimmt viele Verhaltensweisen. Vor allem führen intensive Lernprozesse Bienen zu Höchstleistungen. Sie

besitzen nur eine geringe Gen-Ausstattung, doch diese setzen sie effektiv ein. Sie speichern Erfahrungen ab und wenden diese zur Effektivitätssteigerung an. Auf veränderte Umstände reagieren Bienen

umgehend und verteilen Aufgaben neu. Sammelbienen markieren besuchte Blüten und signalisieren anderen Bienen, dass diese nicht mehr angeflogen werden müssen. Des Weiteren geben sie direkt nach dem

Heimkehren Nektarproben ab und die Empfangsbienen erkennen sofort, welche Nahrungsbestandteile knapp werden könnten. Bei Bedarf werden zusätzliche Sammelbienen aktiviert. Dies hat einen Jobwechsel

für zahlreiche Bienen zur Folge und ist ein Muster für Flexibilität. Meisterhafte Kommunikation Ein Bienenvolk kann eine Fläche bis zu 400 Quadratkilometern abdecken. Pfadfinder- und Suchbienen legen

dabei ein dichtes Informationsnetz mit allen relevanten Details an. Ein perfektes Kommunikationssystem stellt sicher, dass aus einigen Hundert Sammelbienen innerhalb kürzester Zeit mehrere Tausend

Sammelbienen werden können. Auf dem Tanzboden, direkt beim Stockeingang, werden parallel unterschiedliche Informationen ausgetauscht. Dadurch wird Zeit und Energie gespart. Bienen entscheiden

flexibel Über die nächsten Flugziele entscheidet nicht die Chefin oder eine Abstimmung. Kundschafterbienen prüfen im Vorfeld mögliche Vorteile von kommunizierten Alternativen, die durch kleinere

Teams überprüft werden. Schrittweise werden Ziele ausgeschlossen. Bienen haben eine Lebenserwartung von knapp sieben Wochen und durchlaufen in dieser Zeit verschiedene Jobs. Sie beginnen als

Putzbiene und verlassen erst gegen Ende ihres Lebens als Sammelbiene das Nest. Ein flexibles soziales System und schnelle Reaktionsfähigkeit auf veränderte Umstände stellen dies sicher.

Opportunistisches Verhalten und ein Abducken ist nicht möglich, weil nur eine Beteiligung aller Bienen am System das Überleben sicherstellt. Selbst die Bienenkönigin bleibt nicht außen vor. Kann sie

ihre Rolle nicht mehr ausfüllen, wird sie ausgetauscht. Pragmatismus und das Zusammenwirken von Spezialisten zeichnen den Bieneschwarm aus. Systemisches Handeln Ein Bienenstock hält durch negative

Rückkopplungen eine bestimmte Temperatur im Gleichgewicht. 36 Grad ist die optimale Temperatur zur Entwicklung der leistungsstärksten Bienen, die durch Heizerbienen aufrecht erhalten werden muss. Ein

einzigartiges System lässt die Bienen selbst bei extremen Temperaturen für eine begrenzte Zeit überleben. Bienen überleben nur im Kollektiv. Sie unterdrücken instinktiv ihr individuelles Verhalten,

um das Gemeinwohl zu stärken. Das System ist die Summe der Einzelorganismen. Schnelles Lernen In Krisen reagieren Bienen rasch, um das Überleben sicherzustellen. Der Ausfall von Sammelbienen wird

durch die Erhöhung des Aktivitätsniveaus anderer Bienen kompensiert. Eine hohe Anpassungsfähigkeit und Improvisationstalent hilft den Bienen auf veränderte Rahmenbedingungen zu reagieren. Sie werden

nicht als Bedrohung von lieb gewonnen Gewohnheiten empfunden. Beziehungsmanagement Hierarchien und Funktionen stehen nicht im Vordergrund eines Bienenschwarms. Wechselseitiges Unterstützen in

verschiedensten Funktionen zur Gewährleistung des eigenen Überlebens bestimmt das Handeln. Im Mittelpunkt steht die Königin, aber sie ist nicht die Wichtigste. Klein- und Kleinstentscheidungen

sichern die Funktion des Systems. Nutzen für den Menschen Menschen handeln variabel, vielfältig und unvorhergesehen. Dies kann Überraschungen und Enttäuschungen zur Folge haben. Dadurch können

Organisationen bei steigender Komplexität inflexibel und störungsanfällig werden. Starre Regeln, Muster und Kontrolle sind die Folge. Offenheit und die Fähigkeit schnelle Entscheidungen zu treffen

wären besser. Bloße Kommunikation reicht oft nicht aus. Der Manager muss Geschichten erzählen und sie sogar inszenieren können, weil Menschen Geschichten lieben und sich merken können. Die

Darstellung von Gut und Böse kann einen besseren Zusammenhalt, ähnlich eines Bienenschwarms, erzeugen. 4. Für wen, unter welchen Bedingungen ?Der vorliegende Beitrag ist im Wesentlichen für Manager

und deren Mitarbeiter relevant. Er zeigt anschaulich auf, welche Bedeutung ein gut funktionierendes Netzwerk in einer Organisation haben kann und welchen Einfluss man darauf nehmen kann. 5. Wie

einzuschätzen ?Die Autoren stellen in ihrem Beitrag das Zusammenwirken eines Schwarms am Beispiel der Bienen dar. Im Schwerpunkt stehen Flexibilität, Pragmatismus und der Nutzen für den Menschen. Ein

Beitrag, der zum Nachdenken über bestehende Strukturen anregt und mögliche Ansatzpunkte für Veränderungen, aufzeigt. Weiterführende Literatur:Stephan A. Jansen: Schwärmen für Schwärme. "brand eins",

Dezember 2008.Rolf Wunderer: Der gestiefelte Kater als Unternehmer – Lehren aus Management und Märchen. Esslinger Verlag, 2008. Karl von Frisch: Aus dem Leben der Bienen. Springer Verlag, 1977.