Desinvestitionsmanagement großer deutscher Konzerne

Der Informationsstand über das Desinvestitionsverhalten deutscher Konzerne ist immer noch gering. Die nachfolgende Analyse untersucht den Entscheidungsprozess als auch dessen konkrete Umsetzung in der Praxis. Ergänzt werden die Ergebnisse durch die Analyse möglicher externer Einflussfaktoren, die Unterschiede im Desinvestitionsmanagement der einzelnen Konzerne erklären können.

1. Wer, Wann, Wo ?Prof. Dr. Dirk Schiereck ist Inhaber des Lehrstuhls für Unternehmensfinanzierung an der Technischen Universität Darmstadt.Dr. Marc Stienemann ist Senior Manager im Group Controlling

bei der RWE AG.Der Originalartikel "Desinvestitionsmanagement großer deutscher Konzerne" ist in der Ausgabe 01/2004 der zfo erschienen und wurde exklusiv für das org-portal bereitgestellt.

Registrierte Nutzer und registrierte Mitglieder der gfo und der SGO können die Langfassung zu diesem Kurzformat auf dem org-portal einsehen.2. Woher, Wohin, Warum ?Desinvestitionen ganzer

Unternehmensteile finden bislang in der wissenschaftlichen Analyse eine vergleichsweise geringe Beachtung. Folgt man der Sichtweise von Dieckhaus zur Existenz von Beteiligungslebenszyklen und einem

Verständnis des Gesamtkonzerns als Portfolio an Teilunternehmen, dann durchläuft jedes Konzernunternehmen aus Sicht der Konzernspitze eine Entwicklung von der Akquisition über die Integration bis zur

Desinvestition. Dabei ist der Informationsstand über die Auslösung von Desinvestitionen und den Umsetzungsprozess in Deutschland noch gering.3. Was, Wie, Welche Ergebnisse ?Die Analyse versucht,

sowohl den Entscheidungsprozess zur Desinvestition wie auch die konkrete Umsetzung in der Praxis zu erfassen. Dabei wird neben der prozessualen Vorgehensweise auch die aufbauorganisatorische Existenz

und Eingliederung des Desinvestitionsmanagements untersucht. Diese werden ergänzt durch die Analyse externer Einflussfaktoren (Unternehmensgröße etc.), die Unterschiede im Desinvestitionsmanagement

der einzelnen Konzerne erklären können.Als Ergebnis zeigt sich u.a., dass die Anzahl an Desinvestitionen und deren professionelle Durchführung durch die Umstrukturierungen der großen Mischkonzerne

geprägt ist. Die häufig desinvestierenden Konzerne weisen – neben ihrer überdurchschnittlichen Größe und Diversifizierung – auch einen höheren Free Float, d.h. Streubesitz, auf, wodurch sie einem

stärkeren Druck des Kapitalmarktes ausgesetzt sind. Die großen Konzerne verfügen zur Durchführung ihrer Desinvestitionen meist über spezialisierte M&A-Abteilungen. Die Konzerne, die keine oder

wenige Desinvestitionen durchgeführt haben, sind im Schnitt kleiner und fokussierter, sodass auch die Notwendigkeit zu Desinvestitionen geringer ist. Außerdem ist ihr Free Float niedriger, was das

Druckpotenzial des Kapitalmarktes verringert. Die in der Folge eher seltenen Desinvestitionen werden auch von weniger spezialisierten Abteilungen durchgeführt.4. Für Wen, unter Welchen Bedingungen

?Der Beitrag eignet sich insbesondere für Leser, die sich mit Desinvestitionsmanagement befassen. Wissenschaftlich ausgerichtete sowie in der Praxis verankerte Leser erhalten einen fundierten und

empirisch unterlegten Einblick in das Desinvestitionsverhalten deutscher Konzerne.5. Wie einzuschätzen ?Die Autoren erörtern auf strukturierte Weise die wesentlichen Fragestellungen in Bezug auf das

Desinvestitionsverhalten deutscher Konzerne. Dabei stehen vor allem die Analyse der Zuständigkeiten bei der Entscheidungsfindung und die Bestimmung der Erfolgsmaßstäbe im Fokus der Untersuchung. Eine

überaus gelungene Untersuchung, die praxisnah das Desinvestitionsverhalten deutscher Konzerne belegt und nach wie vor aktuell ist.

Dirk Schiereck_Marc Stienemann_Desinvestitionsmanagement.pdf