Wie Beziehungen das Gehirn verändern

Erkenntnisse der Neurobiologie machen deutlich, dass zwischenmenschliche Beziehungen Einfluss auf unseren Organismus haben. Prof. Dr. med. Joachim Bauer erklärt warum psychische und physische Leistungsfähigkeit von Mitarbeitern durch eine gute Beziehungs- und Kommunikationskultur beeinflusst werden können und zeigt auf, welche Schlüsse Führungsverantwortliche aus diesen Forschungsergebnissen ziehen können.

1. Wer?, Wann?, Wo?

>>Wie Beziehungen das Gehirn verändern<<, erschienen in: GDI_Impuls, 3.03, S. 32-38.

Der Autor: Prof. Dr. med. Joachim Bauer, lehrt an der Universität Freiburg und ist Arzt für Innere Medizin, Psychosomatische Medizin sowie für Psychiatrie und Psychotherapie.

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2. Woher?, Wohin?, Warum?

Die moderne Hirnforschung zeigt, dass die Qualität zwischenmenschlicher Beziehungen einen gesundheitsrelevanten Faktor darstellt. Joachim Bauer adressiert vor dem Hintergrund dieser Erkenntnis Personen in Führungsverantwortung und macht in seinem Artikel die Relevanz des Einklangs von Führung und Beziehungskultur deutlich.

3. Was?, Wie?, Welche Ergebnisse?

Ausgangsfeststellung ist die Widerlegung des genetischen Determinismus, d.h. die ursprüngliche Annahme, dass genetische Faktoren nicht nur die Leistungsfähigkeit und Gesundheit des Körpers sondern auch die seelische Gesundheit und das Verhalten bestimmen, ist nicht mehr haltbar. Stattdessen zeigen neurobiologische Erkenntnisse, dass das, was wir in unserer Umgebung erleben, biologische Folgen hat. So werden einzelne Gene durch von außen kommende Signalstoffe aktiviert oder ausgeschaltet bzw. in ihrer Aktivität reguliert. Bauer verdeutlicht die Relevanz dieser Entdeckung und sagt, dass es u.a. die großen Volkskrankheiten seien, die durch eine Genregulation und nicht durch Erbinformationen maßgeblich beeinflusst werden – kurz: Gene sind keine Autisten. Studien haben so z.B. ergeben, dass soziale Unterstützung und  wohlwollende Beratung die Aktivierung von Stressgenen in Stress auslösenden Situationen maßgeblich dämpfen können. Konsequenz war eine geringere Anfälligkeit für Panikreaktionen und eine höhere Problemlösungsfähigkeit. Für Unternehmen bedeuten diese Erkenntnisse der Neurobiologie, dass eine gute Beziehungs- und Kommunikationskultur Einfluss auf die psychische und physische Leistungsfähigkeit von Mitarbeitern hat. In seinem Artikel fordert Bauer Führungskräfte auf, hierfür geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen und nennt explizit:- die Formulierung klarer und verlässlicher Vorgaben, die keinen willkürlichen oder nicht nachzuvollziehenden Veränderungen unterliegen- die gleichzeitig das Leistungsvermögen der Mitarbeiter nicht überfordern- und einen gewissen individuellen Gestaltungsspielraum zulassen. Zusätzlich fordert Joachim Bauer aus neurobiologischer Sicht das unverzügliche Klären von Konflikten im persönlichen Gespräch und das Vermeiden von Kränkungen und Beschämungen.

4. Für wen?, Unter welchen Bedingungen?

Der Artikel empfiehlt sich für jeden, der an einer Betrachtung neurobiologischer Erkenntnisse im Kontext von Führung und Management interessiert ist. Insbesondere für Organisationsgestalter und Personen in Führungsverantwortung liefert Joachim Bauer spannende Impulse.

5. Wie einzuschätzen?

Die noch jungen Erkenntnisse der Neurobiologie eröffnen eine spannende Perspektive auf die Gestaltung von organisationalen Arbeitsbedingungen und dem Autor Joachim Bauer gelingt eine klare und verständliche Verortung der komplexen Thematik in den Kontext von Führung und Management. Zum ganzheitlichen Verständnis empfiehlt sich aber über den Artikel hinaus weiterführende Literatur wie u.a.:

Bauer, Joachim: Das Gedächtnis des Körpers. Wie Beziehungen und Lebensstile unsere Gene steuern; 11. Auflage; Piper Verlag GmbH, München 2007.

Bauer, Joachim: Prinzip Menschlichkeit. Warum wir von Natur aus kooperieren, 4., aktualisierte Auflage; Heyne Verlag, München 2008.