Mehr Freiheit für Festangestellte - Arbeitswelt im Wandel

Arbeiten Sie ab sofort wann und wo Sie wollen! Ganz egal ob im Stadtpark mit Ihrem Notebook, zu Hause und nachts oder vielleicht doch im Büro während der klassischen Arbeitszeit. Ihr Arbeitgeber hat alle seine Arbeitszeitmodelle abgeschafft und setzt ab sofort auf reine Ergebnis- und Eigenverantwortung. Wie gestalten Sie Ihren heutigen Arbeitstag? – es liegt an Ihnen!

1. Wer?, Wann?, Wo?

>>Mehr Freiheit für Festangestellte - Arbeitswelt im Wandel<<, erschienen in: managerSeminare – Das Weiterbildungsmagazin, Februar 2009, Heft 131, S. 36-42.

Der Autor:

Markus Albers arbeitet als Buchautor und freier Journalist. Er schreibt für Magazine wie den Spiegel, den Stern, das SZ-Magazin oder die Welt am Sonntag. Zuletzt war er geschäftsführender Redakteur der deutschen Vanity Fair.

2. Woher?, Wohin?, Warum?

Die Personalerinnen Cali Ressler und Jody Thompson der amerikanischen Elektronikkette Best Buy haben es vorgemacht: Jeder Angestellte darf arbeiten wann und wo er will. Es gibt keine Vorschriften mehr für räumliche oder zeitliche Anwesenheit. Der einzige harte Pol ist die Ergebnisverantwortung wofür auch das Kürzel des Konzepts steht: ROWE - Results Only Work Environment. Auslöser für das Experiment der Einführung von ROWE war eine Best Buy interne Umfrage aus dem Jahr 2001. Die Kernbotschaft: nahezu alle Mitarbeiter haben das Gefühl, dass ihnen ihre Führungskräfte nicht vertrauen und sie ständig kontrollieren.

3. Was?, Wie?, Welche Ergebnisse?

Der Autor sieht in dem im Unternehmen Best Buy angewendeten Verfahren die Arbeitsform der Zukunft. Zum ersten Mal in der Arbeitsgeschichte bekommen Festangestellte Freiheitsgrade wie sie vorher nur Selbständigen oder Freiberuflern bekannt waren – von Freiangestellten ist die Rede. Auch die Ergebnisse sprechen für diese neue Form der Arbeitsgestaltung. Bei Best Buy stieg die Produktivität um 35 Prozent und die freiwillige Kündigungsrate fiel deutlich um 52 Prozent in der Logistik- und um 90 Prozent in der Onlineabteilung. Die Kehrseite des Konzepts stellt ein Anstieg der unfreiwilligen Kündigungen dar: diese erhöhten sich um 60 Prozent. Zurückzuführen ist dieser Anstieg auf die leicht mögliche Enttarnung unproduktiver Mitarbeiter in einem Umfeld der flexiblen Freianstellung. Doch die Vorteile scheinen zu überwiegen. Bereits erste Unternehmen interessieren sich für eine Implementierung von ROWE und auch in Deutschland wird das Konzept geprüft. U.a. arbeitet die Deutsche Bank an einer Mobilisierung ihrer Büros. Der Autor geht davon aus, dass in wenigen Jahren nur noch 40 Prozent als so genannte Resident People täglich an einen festen Arbeitsplatz gehen. Neben der Motivation durch den signalisierten Vertrauensvorschuss birgt das den zusätzlichen Vorteil von kleineren benötigten Büroflächen.

4. Für wen?, Unter welchen Bedingungen?

Der Artikel von Albers empfiehlt sich für jede Führungskraft und jeden Organisationsgestalter. Das erstmals von Ressler und Thompson eingeführte Arbeitsgestaltungsmodell ROWE appelliert konsequent an die Eigen- und Ergebnisverantwortlichkeit eines jeden Angestellten ohne dessen Inanspruchnahme ein zukünftiges Bestehen im Wettbewerb – sowohl auf dem Absatz- als auch Personalmarkt – nicht mehr möglich sein wird.

5. Wie einzuschätzen?

Markus Albers greift die Idee einer rein ergebnisorientierten Arbeitsumwelt auf und skizziert Möglichkeiten der zukünftigen Organisationsgestaltung. Dabei gelingt es ihm die Kernaussagen von Ressler und Thompson komprimiert darzustellen. Er kommuniziert unmissverständlich, dass es für Unternehmen höchste Zeit ist ihre Arbeitszeitmodelle zu überdenken oder besser – vollständig abzuschaffen.

Weiterführende Literatur:

Albers, Markus: Morgen komm ich später rein – Für mehr Freiheit in der Festanstellung; Campus Verlag; Frankfurt am Main 2008.

Ressler, Cali; Thompson, Jodi: Why Work Sucks and How to Fix It. No Schedules, No Meetings, No Joke - The Simple Change That Can Make Your Job Terrific; Penguin USA; New York 2008.