Atmosphärische Intelligenz - Anmerkungen eines Management-Coaches

Zunehmend setzt sich in im Wirtschaftsalltag die Erkenntnis durch, dass Emotionen und Stimmungen im Unternehmen durchaus eine Rolle spielen. Rein rationales Handeln wird vor diesem Hintergrund verstärkt kritisch hinterfragt. Der folgende Beitrag stellt neben das indivualpsychologische Phänomen der emotionalen Intelligenz den überindividuellen Bereich der atmosphärischen Intelligenz dar und zeigt dessen Relevanz und Möglichkeiten des Managements auf.

1. Wer, Wann, Wo ? erschienen in der ZFO (Zeitschrift für Führung und Organisation), 6/2007, 76. Jahrgang, S. 324 - 330 Der Autor: Dipl.-Soz. Raimund Schöll, Management-Coach (ECA), Systemisches

Coaching, Managementberatung, Führungs- und Konfliktberatung, Selbst- und Persönlichkeitscoaching sowie die Nachfolge-Veränderungsberatung in mittelständischen Unternehmen. Kontakt:

schoell@schoell-consulting.de 2. Woher, Wohin, Warum ? Grundsätzlich zeigt der Blick in die heutige Wirtschaftswelt immer noch überwiegend rationale Denk- und Handlungsparadigma, obwohl Schlagworte

wie Gefühle oder emotionale Intelligenz immer mehr Beachtung finden. Allerdings gilt es im Auge zu behalten, dass emotionale Intelligenz ein individualpsychologisch geprägter Begriff ist –Unternehmen

als solche aber überindividuelle Organisationen darstellen. Raimund Schöll führt an dieser Stelle den Begriff der atmosphärischen Intelligenz ein und beschreibt damit auf der Ebene des Gesamtsystems

Unternehmen Stimmungen und Atmosphären und deren Einfluss und Beeinflussbarkeit. 3. Was, Wie, Welche Ergebnisse ? Die langjährige Erfahrung des Autors als externer Coach zeigte ihm, dass oftmals

Atmosphären das Erste sind, was man in einem Unternehmen wahrnimmt – noch bevor man mit jemandem gesprochen hat. Ihr, oft unbewusster Einfluss kann immens sein, von der Evozierung innerer Bilder bis

hin zum körperlichen Erleben (z.B. wird einem warm oder kalt) und Beeinflussung unseres eigenen Befindens. Raimund Schöll nennt sie "ein kollektives Werk, das keiner so beabsichtigt hat, aber dennoch

zustande kommt." Atmosphären existieren in jeden Unternehmen und mit der Akzeptanz der Bedeutung von Emotionen und Stimmungen auf der individuellen Ebene sollte diesem Phänomen auch auf der

überindividuellen Ebene Beachtung geschenkt werden, um es differenziert beobachten zu können und damit managen zu können. Raimund Schöll identifiziert in dem vorliegenden Beitrag fünf erlebbare

Atmosphären: Die aufgekratzt-hektische Atmosphäre Die kämpferisch-hitzige Atmosphäre Die niedergeschlagen-ohnmächtige Atmosphäre Die freundlich-gelassene Atmosphäre Die kühl-distanzierte Atmosphäre

und beschreibt diese anhand von fünf Kriterien (Habitus/Hexis, Sprachstil, Beziehungsgestaltung, Klima, Personen-Metaphorik). Darüber hinaus macht Raimund Schöll Vorschläge wie mit diesem Phänomen im

Management umgegangen werden könnte. Dabei nennt er Folgendes: Die atmosphärische Unterschiedsbildung, welche eine differenzierte Wahrnehmung von unterschiedlichen Atmosphären meint.Die

atmosphärische Selbstsorge, welche Manager und Mitarbeiter dazu auffordert sich über erlebte Atmosphären auszutauschen.Die atmosphärische Akzeptanz, die dafür plädiert bestimmte Gefühlsnormen

zunächst zu erkennen, sie zu akzeptieren und es zu unterlassen diese sofort ändern zu wollen. Das atmosphärische Charisma, welches die Fähigkeit kennzeichnet eine Atmosphäre schnell zu erfassen und

eine atmosphärische Wendung herbeizuführen. Es wird deutlich, dass Atmosphären einen eigenen Phänomenbereich in Unternehmen darstellen. Es ist damit eine herausfordernde Aufgabe für das Management

sie zu erkennen, mit ihnen umzugehen und sie gegebenenfalls zu beeinflussen. 4. Für wen, unter welchen Bedingungen ? Der vorliegende Beitrag ist im Wesentlichen für alle Führungskräfte von Bedeutung,

genauso wie für ihre Mitarbeiter. Er zeigt anschaulich auf, welche Bedeutung das überindividuelle Phänomen der Atmosphäre haben kann und welchen Einfluss man darauf nehmen kann. 5. Wie einzuschätzen

? Raimund Schöll wagt die Skizze einer Weiterführung der emotionalen Intelligenz und grenzt allgemein verständlich die Begrifflichkeiten voneinander ab. Die Relevanz des neuen Begriffs der

atmosphärischen Intelligenz wird deutlich und fügt sich in die Reihe um Gefühle, Stimmungen und Unternehmenskultur ein. Ein Beitrag der abermals die notwendige Abkehr von Maschinenmetaphern im

Zusammenhang mit Organisationen deutlich macht. Weiterführende Informationen: Im aktuellen Heft der managerSeminare, das Weiterbildungsmagazin, Januar 2009, Heft 130 ist ein aktualisierter Beitrag

von Raimund Schöll zum Thema zu finden. Dort finden sich die fünf bisherigen Atmosphären um eine sechste - die abwertend- dämonisierende -ergänzt.

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