Nutzung kollektiver Intelligenz in Organisationen

Ausgehend von immer komplexeren Problemen, die zunehmend durch die Fachexpertise einzelner Menschen nicht mehr bewerkstelligt werden könne, scheint die Nutzung kollektiver Intelligenz Abhilfe zu versprechen. Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich die vorliegende Arbeit mit dem aktuellen Stand der organisationalen Nutzung kollektiver Intelligenz und möglichen Perspektiven. Kurzweilig illustriert wird dabei an Unternehmensbeispielen wie der LEGO Gruppe und SAP.

Wer?, Wann?, Wo?

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Tim Blechschmidt, studierender Offizier an der Universität der Bundeswehr in München, beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Internationalem Management, Statistik und Controlling. Vorliegende Arbeit entstand, im Rahmen eines Fallstudienprojektes zum Stand und zur Nutzung kollektiver Intelligenz in Organisationen, am Lehrstuhl für Internationales Management an der Universität der Bundeswehr München.

Woher?, Wohin?, Warum?

Wir befinden uns mitten im Wandel von Industrie- zum Informationszeitalter. Die durch die Globalisierung stark angestiegene Komplexität beeinflusst täglich unser Handeln und unsere Entscheidungen, egal ob im gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Kontext. Individuen und wirtschaftliche Organisationen stehen vor großen Herausforderungen deren Bewältigung überlebensnotwendig sind. Voraussetzung dafür ist der effiziente Aufbau von neuem Wissen durch kontinuierliche Innovationen. Dabei gehen wir, geprägt durch das verinnerlichte tayloristische Denken, davon aus fachspezifische Problemstellungen ausschließlich anhand der entsprechenden Experten lösen zu können. Die Komplexität gegenwärtiger Problemstellungen jedoch verlangt nach Fachexpertisen die einzelne Menschen meist nicht vorweisen können. Ein Ansatz der Systemtheorie besagt, dass Komplexität sich nur durch Komplexität vereinfachen lasse. Die z.B. in Open Source Projekten, wie Wikipedia genutzte kollektive Intelligenz schafft es die aus den Realitäten des 21. Jahrhunderts resultierende Komplexität zu reduzieren und zu nutzen. Ob dieses Phänomen in (traditionellen) Organisationen Verwendung findet, in welchem Umfang und mit welchem Nutzen dies geschieht ist Gegenstand dieser Arbeit.

Was?, Wie?, Welche Ergebnisse?

Aufgrund der steigenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedeutung von Online-Communities konzentriert sich diese Arbeit auf die Nutzung kollektiver Intelligenz in Organisationen durch Online-Communities, dargestellt anhand von Fallbeispielen. Dabei wird der Stand der Nutzung, anhand der Fallbeispiele LEGO Group und SAP AG, dargestellt und die Perspektive induktiv daraus abgeleitet.

Im ersten Abschnitt werden auf Grundlage der Zielsetzung die Ergebnisse der Arbeit kurz zusammengefasst und abschließend resümiert. Für den interessierten Leser werden dann in zwei weiteren Abschnitten die dem Ergebnis zu Grunde liegenden Informationen dargeboten. Dazu erfolgt im zweiten Abschnitt eine ausführlichere Einleitung in das Thema, die Schaffung der begrifflichen Grundlage, u.a. durch eine Definition des Begriffes der kollektiven Intelligenz und dessen Verortung im heutigen Zeitalter des World Wide Web. Hier sollen ein einheitliches Begriffsverständnis geschaffen, der Leser für das Thema sensibilisiert, Bezugspunkte in der Literatur aufgezeigt und eine systematischere Betrachtung des Themas gewährleistet werden. Im dritten Abschnitt wird der Stand der Nutzung anhand der Fallbeispiele dargestellt und die Perspektive erläutert. Ziel ist es dabei die detaillierte praktische Umsetzung in zwei Organisationen, sowie die erzielten Ergebnisse darzustellen.

Die Arbeit zeigt anhand der Fallbeispiele das Potential der Nutzung kollektiver Intelligenz, F&E-Kosten zu senken, Kundenorientierung zu leben und somit das operative Geschäft und die unternehmerische Wettbewerbsposition nachhaltig zu stärken. Desweiteren wird aufgezeigt, dass kollektive Intelligenz komplexe Problemstellungen der Unternehmen zeit- und kosteneffizienter lösen konnte, als die Unternehmen selbst. Die Arbeit deutet an, dass zwar viele herstellerbezogene Communities existieren, dass aber die dort vorhandene kollektive Intelligenz, zumindest anfangs, meist nicht aktiv und wenn dann nur in geringem Umfang von den Organisationen genutzt wird. Paradoxerweise jedoch scheint das Bewusstsein, dass die Fähigkeit eines Unternehmens externes Wissen (z.B. generiert durch in Communities emergierte kollektive Intelligenz) aufzunehmen und zu nutzen unter Umständen wettbewerbskritischer sein kann, als die unternehmerische Innovationsfähigkeit, vorhanden zu sein.

Für wen?, Unter welchen Bedingungen?

Diese Arbeit richtet sich sowohl an Wissenschaftler als auch an den interessierten Manager, der auf Basis einer begrifflichen Definition anhand von Praxisbeispielen die Umsetzung, Ergebnisse und Perspektive dieses Ansatzes kritisch beurteilen möchte. Durch die Schaffung eines Bezugsrahmens sind dabei keinerlei tiefgreifende Kenntnisse über die Thematik erforderlich. Vielmehr werden vielfältige Anknüpfungspunkte zur Vertiefung der Thematik geboten.

Wie einzuschätzen?

Dieser Beitrag dient der praxisorientierten Profilierung des Begriffes der kollektiven Intelligenz und seiner betriebswirtschaftlichen Nutzung in und durch Organisationen. Dabei wird der Wissenschaftler zur weitergehenden Forschung und der Manager zur kritischen Reflektion der Nutzung und des Nutzens kollektiver Intelligenz angeregt.

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