Wie sich Manager täuschen - Wahrnehmungsfallen

Selbst umsichtigste Manager handeln konsequent irrational und fallen immer wieder auf die gleichen Wahrnehmungstäuschungen herein. Prof. Dr. Hanno Beck arbeitet im vorliegenden Artikel die wichtigsten Stolperfallen heraus und ist davon überzeugt, dass die Quelle für fehlerhafte Entscheidungsprozesse in uns selbst liegt. Präventive Maßnahmen sind nicht zuletzt aufgrund der tiefen Verwurzlung von bestimmten Mustern im menschlichen Gehirn rar doch wer die wenigen erfolgsversprechenden Strategien zur Fehlervermeidung kennt, kann den Gesetzen des Irrtums erfolgreich begegnen.

Wer?, Wann?, Wo?>>Wie sich Manager täuschen – Wahrnehmungsfallen>>, erschienen in: managerSeminare – Das Weiterbildungsmagazin, Heft 126, September 2008, S. 26-30.Der Autor:

831beck2.jpgProf. Dr. Hanno Beck, langjähriger Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Professor für Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftspolitik an der Hochschule Pforzheim.

Woher?, Wohin?, Warum?Eine der wenigen Konstanten im Management ist Versagen. Pleiten wie Enron, Worldcom oder das Daimler-Chrysler-Debakel sind dabei nur die Spitze des Eisberges. Angesichts dieser

und unzählig vielen anderen Fehlentwicklungen drängt sich für Beck die existentielle Frage auf, wie vernunftbegabt wir wirklich sind. Wir ist in diesem Fall sehr weit gefasst. Auf der einen Seite

stehen natürlich Manager und Führungskräfte im Fokus, nicht zuletzt aufgrund der Tragweite ihrer Entscheidungen, auf der anderen Seite aber auch jeder, der im privaten Bereich Entscheidungen trifft

und bei Fehlentwicklungen an seiner Vernunft zweifelt. Vor diesem Hintergrund und ausgehend vom Forschungsfeld der Behavioral Economics macht der Autor deutlich, dass auch der umsichtigste Manager

konsequent irrational handelt und bietet aber gleichzeitig Strategien an, wie dem begegnet werden kann. Was?, Wie?, Welche Ergebnisse? Prof. Dr. Hanno Beck sieht die Wurzeln des Scheiterns in uns

selbst, in Stolperfallen, die unser Gehirn bereithält. Folgende Fehler führt er als die tückischsten an: 1. Der Rückschaufehler: Im Nachhinein neigt der Mensch dazu, seine Leistungen zu verklären und

mental zu verbessern. Es wird im Nachhinein geglaubt, es gewusst zu haben, d.h. wir glauben, es vorausgesehen zu haben. Konsequenz ist, dass wir uns der eigenen Rückkopplung des Lernens berauben und

so dazu geneigt sind, die gleichen Fehler wieder und wieder zu machen.2. Confirmation Bias: Neue Fakten werden nur wahrgenommen, wenn sie in unser Weltbild passen. Tendenz ist, dass einmal gefasste

Meinungen und Urteile verfestigt werden. So wächst die Gefahr, bei mangelnder Adaption von alten, durchaus auch bewährten Strategien, in neuen Situationen zu scheitern. 3. Ego-Überoptimismus:

Untersuchungen haben gezeigt, das die meisten Menschen überzeugt sind, dass das Glück sie häufiger trifft als andere, d.h. gute Ereignisse werden eher erwartet und von schlechten Geschehnissen fühlt

man sich unterdurchschnittlich bedroht. So werden Chancen eher überbewertet und Risiken schwächer wahrgenommen.4. Falsche Verantwortungszuschiebung: Der Mensch neigt dazu, den Zufall zu unterschätzen

und sucht gleichzeitig für alles einen Verantwortlichen. So geraten Manager beispielsweise bei nicht beeinflussbaren konjunkturellen Veränderungen (und negativen Auswirkungen für das Unternehmen)

unter Rechtfertigungsdruck. Umgekehrt (bei positiven Auswirkungen) wird sich der Erfolg ans Revers geheftet. Ausgehend von der Annahme, dass obige Mechanismen in unseren Gehirnen verankert sind,

bietet Beck folgende Strategien für eine Umgehung der mentalen Stolperfallen an:1. Unterschätze nie den Zufall: Allzu schnell wird zufälligen Ereignissen Sinn zugesprochen. Dies ist darauf

zurückzuführen, dass in unserer Vorstellung Zufall als eine gleichmäßige Verteilung von Ereignissen wahrgenommen wird. Aber nach Beck ist das Gegenteil der Fall. Zufall ist weder gleichmäßig noch

berechenbar und es gilt, dessen Mächtigkeit nicht zu unterschätzen.2. Lass Dich in Deiner Meinung beirren: Die Herausforderung liegt im bewussten Hinterfragen unserer vorgefertigten und gefestigten

Urteile. Es gilt, eine Bereitschaft zu entwickeln eigene Hypothesen zu falsifizieren und nicht dem Versuch zu erliegen, diese nur zu bestätigen.3. Führe Tagebuch: Gegen den Mechanismus, eigene

Fehleinschätzungen ex post mental zu relativieren, hilft das Führen eines Tagebuches. Das klassische Festhalten eigener Einschätzungen und Entscheidungen verhilft zu mehr Realismus bezüglich der

eigenen Prognosefähigkeit.4. Akzeptiere Verluste: Je mehr gelernt wird, Verluste zu akzeptieren, desto weniger Verluste werden eingefahren. Die Herausforderung liegt in der Unterbrechung der Logik,

an zum Scheitern verurteilten Projekten und Vorhaben festzuhalten. Langwierige Rettungsversuche gehen einher mit zusätzlichen Investitionen vielfältiger Art und erhöhen so den Schaden. Für wen?,

Unter welchen Bedingungen?Prof. Dr. Beck veranschaulicht in klarer Weise gängige Denkweisen und –muster, die unsere täglichen Entscheidungen beeinflussen und prägen. Der Artikel empfiehlt sich so für

jeden Entscheidungsträger der daran interessiert ist, Reflexionsimpulse für sein eigenes Verhalten zu bekommen. Wie eingangs erwähnt ist es dabei eher nebensächlich, wie die jeweilige Tragweite der

einzelnen Entscheidungen im Kontext bewertet wird. Wie einzuschätzen?In erster Linie stellt der Artikel ein Angebot dar, eigene Muster des täglichen Bewertens und Entscheidens zu reflektieren und so

möglicherweise Fehlentwicklungen vorzubeugen. Wahrnehmungsfallen lauern im alltäglichen Berufs- und Privatleben und dem Autor gelingt es, wichtige Stolperfallen zu identifizieren und für den Leser

anschlussfähig zu kommunizieren. Folgende Literatur wird für eine tiefergehende Betrachtung empfohlen:Beck, Hanno: Die Logik des Irrtums – Wie uns das Gehirn täglich ein Schnippchen schlägt;

Frankfurter Allgemeine Buch, Frankfurt am Main 2008.Brafman, Ori; Brafman, Rom: Kopflos. Wie unser Bauchgefühl uns in die Irre führt – und was wir dagegen tun können; Campus, Frankfurt am Main 2008.