Evidenzbasiertes (Veränderungs-)Management

Managemententscheidungen sollten von bestmöglicher wissenschaftlicher Evidenz getragen werden. Davon geht der Ansatz des Evidenzbasierten Managements (EbM) aus, welcher in den USA an Bedeutung gewonnen hat. Durch das EbM soll die Informationsgrundlage für schwierige Managemententscheidungen verbessert werden. Hinsichtlich der aktuellen Hypothekenkrise ein sehr relevantes Thema. In diesem Artikel wird das EbM-Prinzip auf Organisationsentwicklungs-Massnahmen angewendet. Vor dem Start eines Change-Projektes sollten fundierte Informationen über die Ausgangslage erhoben und ausgewertet werden.

1. Wer, Wann, Wo ?

Felix C. Brodbeck, Professor für Organisations- und Sozialpsychologie an der Universität Aston (UK) und Mitglied des GLOBE-Projektkoordinationsteams (Global Leadership and Organisational Behaviour Effectiveness), hat folgenden Artikel verfasst:

  • Brodbeck, Felix C. (2008): Evidenzbasiertes (Veränderungs-) Management. In: OrganisationsEntwicklung, Zeitschrift für Unternehmensentwicklung und Change Management, 27. Jg. 2008, Nr. 1, S. 4-9

2. Woher, Wohin, Warum ?

Die junge Bewegung des evidenzbasierten Managements (EbM) hat sich in Amerika analog zu den Ansätzen der evidenzbasierten Medizin entwickelt.

Das EbM hat zum Ziel, die Informationsgrundlage für Managemententscheidungen zu verbessern und damit die vor ca. 25 Jahren initiierte Qualitätsbewegung weiterzuführen.

Autoren wie Rousseau (2006) kritisieren, dass an Business Schools oft Fallstudien aus nicht-wissenschaftlichen Magazinen wie dem Harvard Business Review behandelt und Studierende selten in der Nutzung wissenschaftlicher Evidenz geschult werden.

3. Was, Wie, Welche Ergebnisse ?

EbM wird von Rousseau (2006) wie folgt definiert: "Die Umsetzung von Gesetzmässigkeiten, die auf bestmöglicher Evidenz basieren, in organisationalen Verfahren und Entscheidungen. Manager, die EbM praktizieren, entwickeln sich zu Experten, die fundierte organisationale Entscheidungen auf sozial- und organisationswissenschaftlicher Basis treffen. Dies entspricht dem Zeitgeist, wonach professionelle Entscheidungen zunehmend weniger von persönlichen Präferenzen und unsystematischer Erfahrung, sondern von bestmöglicher wissenschaftlicher Evidenz getragen werden."

Nachfolgend werden vier Prinzipien vorgestellt, welche ein schnelles und effektives Change Management ermöglichen sollen und auf dem evidenzbasierten Veränderungsmanagement beruhen:

  1. Unzufriedenheit:Menschen sind eher bereit für Veränderungen, wenn sie mit dem gegenwärtigen Zustand unzufrieden sind. Deshalb sollte auf missliche Umstände aufmerksam gemacht werden.. Richtung:Immer wieder kommunizieren, worin der Wandel besteht. Dieselbe "Message" sollte laufend wiederholt werden.
  2. Zuversicht durch die Phase der Reflexion unterbrechen:Eine hohe Zuversicht über den Erfolg des Wandels ist sehr wichtig. Es sind jedoch auch Phasen der offenen Diskussion einzuschalten, damit Zweifel geäussert werden können und gegebenenfalls evidenzbasierte Aktualisierungen helfen können.
  3. Durcheinander akzeptieren:Bei jedem Veränderungsprozess treten Fehler, Rückschläge, Fehlkommunikation und beängstigende Gerüchte auf. Deshalb sollten Pannen und Störungen als normaler Teil der Veränderung angesehen werden.

4. Für wen, unter welchen Bedingungen ?

Der Artikel ist für Manager und Wissenschaftler geeignet, welche sich mit dem Thema "Auf welchen Informationen sollen Managemententscheide basieren" auseinander setzen.

5. Wie einzuschätzen ?

Der Artikel stellt das Konzept des Evidenzbasierten Managements vor und geht auf die Vor- und Nachteile dieses Ansatzes ein. Das Thema Managemententscheide ist mit der Hypothekenkrise aktueller denn je. Fazit: Eine empfehlenswerte Lektüre für weitsichtige Denker.