Vom Wert der Wut - Antriebskraft Ärger

Ärger ist erstmal eine Emotion die als negativ wahrgenommen wird. Der vorliegende Beitrag von Dipl.-Psychologen Christoph Burger wirft ein neues Licht auf die Wut und deren nutzenstiftendes Potenzial in Organisationen. Unter Berufung auf unterschiedliche Studien und Forschungsberichte zu dieser Thematik ist ein interessanter Beitrag entstanden der die bislang vorherrschende Sichtweise auf Ärger und auch andere Emotionen in Frage stellt und damit wertvolle Hinweise für den Umgang miteinander gibt.

1. Wer, Wann, Wo ? erschienen in managerSeminare. Das Weiterbildungsmagazin, Heft 127, Oktober 2008, S. 31-34 Der Autor: Dipl.-Psychologe Christoph Burger arbeitet seit elf Jahren als Trainer und

Coach. An der Universität Mannheim ist er als Dozent tätig. Seit 2006 beschäftigt er sich mit der Frage wie sich Ärger nutzen lässt. Kontakt: cb@burger-training.de 2. Woher, Wohin, Warum ? Ärger ist

eine Emotion die eigentlich ausschließlich negativ besetzt ist und auch so wahrgenommen wird. Der vorliegende Artikel beschreibt auf eingängige Art und Weise, dass Ärger eng mit Motivation

zusammenhängt, denn nur Dinge die uns bewegen sind emotional besetzt, und wenn die Emotion Ärger ist. Sich Luft zu machen tut nicht nur gut, sondern kann sogar viele positive Auswirkungen haben, wenn

man weiß wie damit umzugehen ist. 3. Was, Wie, Welche Ergebnisse ? Der Beitrag von Christoph Burger fasst die Erkenntnisse über Wut und Ärger im Arbeitsalltag verschiedener Studien zusammen. Diese

zeigen, dass diese so negativ bewerteten Emotionen durchaus nützlich und wertvoll für Unternehmen sein können. Zum Einen ist Ärger ein Zeichen für Motivation. Nur wenn Mitarbeitern etwas wichtig ist

und das nicht gut läuft werden sie verärgert. Dies zeigt, dass sie grundsätzlich engagiert bei der Sache sind. Damit lässt sich Ärger als Hinweisgeber darauf, wo und wie Leistung in der Organisation

erhöht werden kann, verstehen. Aber nicht nur Entwicklungspotenzial von Prozessen oder Inhalten kann so erkannt werden. Auch Entwicklungspotenzial im persönlichen Bereich lässt sich per Wut

entdecken. Denn Ärger entsteht oftmals, laut dem Autor, aus Unsicherheit. Führungskräfte die in immer gleichen Situationen verärgert reagieren, können vielleicht mit der jeweiligenThematik nur schwer

umgehen. So betrachtet lässt sich an der erkannten Schwäche arbeiten. Über die Funktion als Hinweisgeber von Ärger hinaus beschreibt der Artikel auch die Funktion dieser Emotion als direktes Signal

im Umgang mit anderen. Das Wissen um diese Wirkung kann vorteilhaft sein. So schützt beispielsweise gelebter Ärger vor unkollegialen Attacken. Wer bei derartigen Provokationen einem die Stirn bietet

wird nicht als williges Opfer wahrgenommen und künftig davor eher verschont. Auch signalisiert Wut Kompetenz: Burger zitiert eine Studie die mittels Experiment gezeigt hat, dass Führungskräfte die ab

und an die Contenance verlieren als führungsstärker wahrgenommen werden als zurückhaltende Vorgesetzte. Das mag auch damit zusammenhängen, dass ausgedrückter Ärger, also eine gelebte Emotion,

sympathischer, ja menschlicher macht. Auch auf der operativen Ebene kann Wut förderlich sein. So beschreibt der Beitrag das Kreativitätspotenzial dieser Emotion: Die durch den Ärger freigesetzte

Energie kann in kreative Schaffensprozesse umgeleitet werden. Die Psychologie kennt dieses Phänomen schon länger unter dem Begriff der Triebsublimierung. Eine neue Erkenntnis ist hingegen, dass Ärger

die analytische Kompetenz steigern kann. Verärgerte Personen urteilen gründlicher und rationaler.Neben der Beschreibung dieser vielen positiven Aspekte die Wut mit sich bringen kann verweist der

Autor allerdings auch auf die Schattenseite von blinder Wut: Sie führt dazu, dass Dinge nicht verändert werden, sondern stattdessen sich nur weiter aufgeregt wird. Und dies nur neben den

gesundheitlichen Risiken die das mit sich bringen kann. Um vom Nutzen des Ärgers profitieren zu können ist es notwendig sich von der Prämisse "Ärger vermeiden" abzuwenden. "Ärger nutzen" ist die neue

Devise. Das dies Entschlossenheit fordert und Anstrengung kostet muss akzeptiert werden, aber langfristig wird der Mehrwert dies übersteigen. 4. Für wen, unter welchen Bedingungen ? Der Beitrag ist

wertvoll für sowohl Teams als auch Organisationen die oft verärgert sind als auch für solche bei denen es grundsätzlich gut läuft und es nur selten Grund zur Klage gibt. Denn gerade dann, wenn es an

sich rund läuft können mittels Wut weitere Potenziale erkannt und geweckt werden. 5. Wie einzuschätzen ? Der Beitrag gibt einen interessanten und kurzweiligen Überblick über die Forschung im Bereich

Ärger und dessen positive Aspekte. Sicherlich ist es erstmal eine ungewohnte Thematik, allerdings leuchtet schnell die Argumentation ein und stellt die bisherig vorherrschende Sichtweise auf Ärger

und auch andere Emotionen in Frage. Eine wertvolle Anregung für den Umgang mit Menschen! Literaturtipps: Christoph Burger: Der Zornkönig. Wie Sie Ärger positiv nutzen. Mvg, Heidelberg 2007 Kate

Ludemann und Eddie Erlandson: Alpha-Tiere. Der schmale Grat zwischen Erfolg und Absturz im Management. Redline Wirtschaft, Heidelberg 2007 Irene Becker: Everbody's Darling, Everybody's Depp. Tappen

Sie nicht in die Harmoniefalle. Campus, Frankfurt/M. 2006