Kühlmann, Torsten M. (2008): Mitarbeiterführung in internationalen Unternehmen.

Ein Buch über Führungsansätze wäre wahrlich wenig innovativ. Das Ziel des Verfassers ist es jedoch nicht, eine (weitere) Darstellung hinlänglich bekannter Theorien der Motivation und Führung vorzulegen. Vielmehr knüpft er an die Tatsache an, dass Führungshandeln heute verbreitet bedeutet, (auch) ausländische Mitarbeiter zu führen. Nach Auffassung von Prof. Kühlmann bleibt die Führung insoweit oft erfolglos, wofür inadäquate Theorien der Motivation und Führung einen wesentlichen Grund darstellen könnten.

1. Wer, Wann, Wo ?Torsten Kühlmann ist Professor für Personalwesen und Führungslehre an der Universität Bayreuth. Das 234 Seiten umfassende Lehrbuch ist 2008 im Kohlhammer Verlag (Stuttgart)

erschienen.2. Woher, Wohin, Warum ?Führung ist ein allgegenwärtiges Phänomen. Die meisten Menschen führen zeitweise andere Menschen oder werden zumindest von anderen geführt. Dabei interessiert hier

jedoch nur die Führung in Arbeitsorganisationen. Allein für diesen Bereich dürften unterdessen tausende von Studien über effektives Führungsverhalten vorliegen. Der Autor setzt dennoch einen

kritischen und damit interessanten Akzent als Ausgangspunkt seines Buches: Die uns bekannten Motivations- und Führungstheorien sind ganz überwiegend in den USA entstanden und spiegeln wesentlich die

dort vorherrschenden Arbeitsverhältnisse und Werte wider. Die hier getroffene Auswahl stellt Ansätze in den Mittelpunkt, die auch außerhalb dieses Herkunftsbereichs wissenschaftlich überprüft worden

sind.3. Was, Wie, Welche Ergebnisse ?Das Buch ist in acht Kapitel gegliedert. Das recht umfassende Inhaltsverzeichnis wirkt dabei wegen fehlender Einrückungen sehr unübersichtlich. Kapitel 1 beginnt

mit einer betont knappen, 'klassischen' Einordnung von Führung in den Managementkontext. Darauf folgt im zweiten Kapitel eine genauere Definition von Führung einschließlich einer kurzen Betrachtung

von Führungserfolg. Kapitel 3 behandelt – auf lediglich etwas mehr als einer Seite – die zunehmende Internationalisierung von der Unternehmenstätigkeit. Daran schließen sich Ausführungen zum Begriff

der Kultur auf Unternehmens- und Landesebene an. Demnach scheinen sich Führungsverhaltensweisen in der Tat an landeskulturellen Eigenheiten zu orientieren, was auch zu höherem Führungserfolg

beiträgt. Im ebenfalls kurzen fünften Kapitel wird ein Schlaglicht auf das Handeln von Führungskräften in der Praxis geworfen. Dabei wird auf typische Rollen von Führungskräften ebenso eingegangen

wie auf Ergebnisse der Work Activity-Forschung sensu Mintzberg.Die beiden folgenden Kapitel 6 und 7 machen den eigentlichen Schwerpunkt des Buches aus und untersuchen Theorien der Arbeitsmotivation

und der Mitarbeiterführung. Das herausragende Merkmal beider Kapitel ist dabei darin zu sehen, dass der letzte Abschnitt im Rahmen der Darstellung eines Ansatzes jeweils der Frage der Nutzbarkeit der

Theorie für die Führung in internationalen Unternehmen gewidmet ist. Die Auswahl der behandelten Motivationstheorien orientiert sich an der gängigen Unterscheidung von Inhalts- und Prozesstheorien

der Motivation, wobei je zwei Ansätze erläutert werden. Warum der Verfasser zuvor noch das sog. Rubikon-Modell von Heckhausen darstellt (S. 64 ff.), wird nicht ganz klar. Das Modell ist nämlich

prinzipiell gut geeignet, mehrere (Prozess-)Theorien der Motivation integrativ zu behandeln und hätte sich somit als Rahmenmodell angeboten. Im Übrigen kann die Darstellung der Ansätze und

insbesondere die Fokussierung auf Kritik, praktische Anwendung und Anwendungsmöglichkeit im internationalen Kontext überzeugen.Besonders ausführlich widmet sich der Verfasser naturgemäß den Theorien

der Mitarbeiterführung. Diese werden in die vier Kategorien der führendenzentrierten, der handlungszentrierten, der geführtenzentrierten und der situationszentrierten Ansätze eingeteilt.Das achte und

letzte Kapitel bietet noch einmal eine kurze Zusammenfassung der Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen dem Führungsgeschehen in verschiedenen Ländern bzw. Kulturen.4. Für Wen, unter Welchen

Bedingungen ?Das Buch richtet sich in erster Linie an Studierende in den Bachelor- und Masterstudiengängen der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, darüber hinaus aber auch an reflektierende

Führungs(nachwuchs)kräfte aus der Praxis.5. Wie einzuschätzen ?Die einführenden Kapitel sind betont knapp ausgefallen und hätten wohl problemlos in eine etwas umfassendere Grundlegung zusammengefasst

werden können. Sie wirken bis einschließlich des fünften Kapitels etwas beliebig und lieblos aneinandergereiht. Themen wie die Definition von Führungserfolg und die Implikationen der

Internationalisierung für die Unternehmenstätigkeit hätten mit Blick auf die Zielsetzung des Buches zudem durchaus etwas ausführlicher behandelt werden können, vielleicht sogar müssen.Der

Zusatznutzen des Buches ergibt sich vor allem aus der konsequenten Betrachtung der Nutzbarkeit der Motivations- und Führungsansätze für die Praxis des Führens im Allgemeinen und die

Anwendungsmöglichkeiten in international operierenden Unternehmen im Besonderen. Diese Ausführungen sind gelungen und stellen einen echten Mehrwert gegenüber herkömmlichen Abhandlungen der Führung

dar.87 zweifarbige Abbildungen unterstützen den Leser. Dabei ist anzumerken, dass das vom Verlag eingesetzte Blau eher der Auflockerung dient und regelmäßig den Informationswert nicht erhöht. Im

Literaturverzeichnis sind die Autorennamen ebenfalls in einem recht blassen Blauton gedruckt, der die Lesbarkeit eher behindert als fördert.