Aktuelle Trends im Organisationsmanagement in Deutschland

Organisatoren bzw. organisationsnahe Funktionen sind heutzutage sowohl in strategie- und vorstandsnahen Ebenen als auch nach wie vor in traditionellen Bereichen anzutreffen. In Abhängigkeit ihrer aufbauorganisatorischen Verankerung unterscheiden sich auch die jeweiligen Aufgaben-, Qualifikations- und Rollenprofile der Stelleninhaber. Der folgende Beitrag fasst die aktuellen Trends im Organisationsmanagement zusammen und unterfüttert diese mit konkreten Fallbeispielen aus der Praxis.

1. Wer, Wann, Wo ?

Die vorliegende Langfassung stellt Erkenntnisse zu den aktuellen Entwicklungen des Organisationsmanagements in Deutschland vor, die im Rahmen des gfo-Projektes zum Thema Organisationsmanagement unter Federführung von Prof. Rainhart Lang von der TU Chemnitz und Prof. Peter Wald von der HTW Dresden erhoben wurden.

2. Woher, Wohin, Warum ?

Organisationsmanagement war bereits mehrfach Thema empirischer Studien. Im Mittelpunkt standen dabei vor allem Untersuchungen zum Aufgaben- und Rollenprofil von Organisatoren. Aber auch die intra- und interorganisationale Vernetzung des Organisators wurde diskutiert. Grundlage der vorliegenden Untersuchung bilden die in 2005 von Wenger & Thom entwickelten Rollenprofile, die einer aktuellen Überprüfung unterzogen werden sollen, um auf dieser Basis tiefergehende und weiterführende Erkenntnisse und Aussagen u.a. in Bezug auf die Einordnung, das Selbstverständnis sowie das Aufgaben-, Rollen- und Qualifikationsprofil des Organisators in Deutschland ableiten zu können.

3. Was, Wie, Welche Ergebnisse ?

Die Ergebnisse deuten auf drei dominierende Institutionalisierungsmuster hin. Zum einen existiert nach wie vor ein traditionelles Organisationsverständnis, welches enge Parallelen zum Organisator als klassischen "Organisations- und Ressourcenausstatter" aufweist. Aber auch die Rolle des vorstandsnahen "Unternehmensentwicklers" und Organisation verstanden als Managementfunktion mit dezentraler Ausrichtung treten vermehrt auf und setzen sich immer mehr durch. Damit einher geht der Trend hin zu gestaltungs- und wandlungsnahen Themen und Tätigkeiten, verbunden mit der engen Anbindung an die Unternehmensspitze und eigener Budgetverantwortung. Die konkrete aufbauorganisatorische Verankerung der Organisationsfunktion innerhalb des Unternehmens scheint vor diesem Hintergrund eher zweitrangig. Wichtigen Einfluss auf die Ausgestaltung der Organisationsfunktion nimmt hingegen der jeweilige Branchenhintergrund. So dominieren Management- und Führungsprofile vor allem in prozess- und technologiegeprägten Branchen der IT und der Automobilindustrie. Ein Nebeneinander verschiedener Organisationsaufgaben ist bspw. im Energiesektor vorherrschend und traditionelle Formen des Organisators lassen sich nach wie vor im Non-profit-Bereich bei Behörden und Verwaltungen finden.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die klare Trennung der Qualifikationsprofile in Abhängigkeit des jeweiligen Organisationsverständnisses. Organisationales Spezialwissen ist vor allem in traditionell ausgerichteten Organisationsabteilungen vorzufinden, während ein breites betriebswirtschaftliches Profil in strategienahen Struktureinheiten allenfalls um spezifische organisationale Qualifikationen ergänzt wird.

Die zunehmende Etablierung gestaltungs- und entwicklungsnaher Organisationsaufgaben in vorstandsnahen Bereichen und die Verankerung klassischer Organisationsaufgaben in dienstleistungsnahen Shared Service Centern bestätigen den Trend hin zu einer Neuausrichtung der Organisationsarbeit und Professionalisierung der Rollen- und Qualifikationsprofile und untermauern die bereits 2005 von Wenger & Thom identifizierten Trends im Organisationsmanagement. Beachtlich ist darüber hinaus der enge Bezug zum Change-Management, wobei dieser vorrangig auf betriebswirtschaftlichen Motiven und Gründen aufbaut.

4. Für Wen, unter Welchen Bedingungen ?

Der Beitrag eignet sich hervorragend für interessierte Leser als auch konkret für Organisationsspezialisten, die einen Überblick über den aktuellen Stand des Organisationsmanagements in Deutschland gewinnen wollen. Ebenso eignet er sich besonders für angehende Betriebswirte und Kaufleute mit den Schwerpunkten Management und Organisation.

5. Wie einzuschätzen ?

Die Ergebnisse zum Organisationsmanagement in Deutschland stellen eine überaus interessante Bestandsaufnahme der aktuellen Trends und Sichtweisen zur Funktion und organisationalen Verankerung in Unternehmen dar. Insbesondere die enge Verzahnung der Ergebnisse mit exemplarischen und unmittelbar eingängigen Beispielen aus der Praxis zu den verschiedenen Rollen- und Qualifikationsprofilen überzeugen und geben den Aussagen das nötige Gewicht. Die Nutzung der sowohl mit wissenschaftlichem als auch praktischem Wissen ausgestatteten Expertenkreise unterschiedlicher Branchen verleihen der Untersuchung zusätzliche Kraft.

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