Querdenken mit System - wie Sie Brainstorming effektiv machen

Die meisten Menschen glauben, revolutionäre Ideen entstehen, wenn eine Gruppe völlig frei fantasieren darf - dies ist allerdings ein Irrtum, wie der Artikel von Coyne, Gorman Clifford und Dye zeigt. Es sind gerade die Vorgaben, die ein Brainstorming effektiv machen. Lernen Sie, die richtigen Fragen zu stellen, um bessere Antworten zu bekommen.

1. Wer, Wann, Wo ?

Erschienen in Harvard Business Manager, 30. Jahrgang, Juli 2008, S. 28 – 39.

Autoren:

Kevin P. Coyne ist Gründer der Managementberatung Kevin Coye Partners in Atlanta. Davor war er Mitglied des Führungsteams von McKinsey & Company.

Patricia Gorman Clifford ist leitende Strategieexpertin bei McKinsey in Stamford, Conneticut.

Renée Dye ist leitende Strategieberaterin bei McKinsey inAtlanta.

2. Woher, Wohin, Warum ?

Brainstorming ist eine Art von Kreativität die in vielen Unternehmen bekannt und gängig ist. Die Vorstellung von völlig freiem Entwickeln von Ideen in einer Gruppe ist schön, doch oftmals zeigt die Erfahrung, dass sie nicht besonders erfolgreich ist.

3. Was, Wie, Welche Ergebnisse ?

Die Autoren beschreiben in ihrem Artikel einen Ansatz von strukturiertem und organisiertem Brainstorming der auf Basis umfangreicher praktischer Erfahrung entwickelt wurde.

Ausgangspunkt war die genannte Erfahrung, dass klassisches Brainstorming oft nicht zielführend ist. Entweder rufen Manager ihre Mitarbeiter dazu auf besonders unkonventionell zu sein oder lediglich innerhalb der Leitplanken der bisherigen Rahmenbedingungen zu denken.Das Problem beim ersten Ansatz besteht darin, dass Menschen sich schwertun unstrukturiert und abstrakt zu brainstormen. Das Motto "es gibt keine schlechten Ideen" macht die Aufgabe undurchsichtig und verwirrend. Leitlinien hingegen können helfen eine Richtung zu finden.Das Problem beim zweiten Ansatz ist der meist nur mittelmäßige Erkenntnisgewinn. Die alten Rahmenbedingungen fußen bereits auf bekannten Erkenntnissen und grenzen damit radikale Neuerungen aus.

Der Ansatz der Autoren hingegen stellt einen Kompromiss dar zwischen völlig freien Annahmen und der Analyse von bestehendem Datenmaterial. In ihrem Beitrag zeigen die Autoren auf, wie es gelingen kann, die richtigen Fragen zu stellen, um einen angeleiteten kreativen Prozess anzustoßen.

Dabei kommt es Coyne, Gorman Clifford und Dye auch auf die richtige Organisation des Prozesses an, denn ihrer Meinung nach widerspricht klassisches Brainstorming den grundlegenden Regeln nach denen Menschen denken und zusammenarbeiten: Die Zusammensetzung der Teilnehmer ist oft politisch bestimmt und nicht lösungsorientiert. Zudem jeder weiß, dass man gute Lösungen nicht erzwingen kann findet es auch niemand schlimm, wenn die Sitzung kein Ergebnis hervorbringt – oder die Ergebnisse nicht weiterverfolgt werden. Um dies zu vermeiden gilt es die Grundsätze effektiver Gruppenarbeit zu berücksichtigen:

Abstecken des Rahmens akzeptabler Ideen und stellen entsprechender FragenMachen Sie klar wieviel Kapital, wie viele Mitarbeiter usw. zur Umsetzung zur Verfügung stehen können. Stellen Sie dann Fragen die die Thematik aus einer ganz anderen Perspektive als sonst beleuchtet.

Auswahl der richtigen, nicht vermeintlich wichtigen, TeilnehmerWählen Sie Teilnehmer aus, von denen wertvolle Beiträge zu erwarten sind, auch wenn diese nicht in Ihrem Team angesiedelt sind.

Motivation der TeilnehmerIncentives können die Leistung der Teilnehmer in Brainstorming-Sitzungen maßgeblich erhöhen.

Ausnutzung der sozialen NormIn kleineren Arbeitsgruppen gilt die soziale Norm, dass jeder etwas beitragen muss, um nicht als unkooperativ zu gelten.

Brainstorming als mehrstufiger ProzessGute Ideen werden oftmals im Laufe der Zeit verbessert oder brauchen einfach mehr Zeit um gefunden zu werden.

Eine weitere Eigenheit der Menschen sollte außerdem beim Verfolgen dieses Brainstorming-Ansatzes beachtet werden: Die meisten Menschen scheuen Veränderungen. Die bisher gewohnten Abläufe in Brainstorming-Sitzungen müssen erst durchbrochen und akzeptiert werden. Doch zeigt die Erfahrung der Autoren, dass innerhalb der beschriebenen Leitplanken Ideenfindung eine neue Qualität erreichen kann.

4. Für wen, unter welchen Bedingungen ?

Der Beitrag gibt interessante Anregungen für alle Manager die in ihrem Arbeitsalltag mit Brainstorming in Berührung kommen und das kreative Potential dieses Instruments endlich ausschöpfen wollen.

5. Wie einzuschätzen ?

Der Artikel zeigt eingängig und anschaulich das brachliegende Potential von Brainstorming auf. Die beschriebenen Regeln dürften leicht übertragbar sein. Es gelingt den Autoren den Leser über das Instrument erfolgreich nachdenken zu lassen und ihre Anregungen ernst zu nehmen.