Dynamic Facilitation

Dr. Matthias zur Bonsen beschäftigt sich in seinem Artikel mit der Moderationsmethode Dynamic Facilitation. Vor dem Hintergrund linear strukturierter Abläufe tradierter Moderationsmethoden und deren Limitierungen zeigt er eindrücklich auf, welchen Mehrwert die Anwendung dieser kontraintuitiven Vorgehensweise haben kann und lädt dabei zum Experimentieren ein.

1. Wer?, Wann?, Wo?>>Dynamic Facilitation<<, erschienen in: ZOE - Zeitschrift für Organisationsentwicklung, Nr. 3/2007, S. 91 bis 95Autor: Dr. Matthias zur Bonsen; langjähriger Berater

und Buchautor. Als Partner des all-in-one-spirit Beraternetzwerks liegen seine Schwerpunkte im Bereich der Großgruppeninterventionen. 2. Woher?, Wohin?, Warum?Seit über 30 Jahren werden

Moderationsmethoden entwickelt, variiert und verfeinert. Eigen ist nahezu allen eine klare innere Struktur mit systematisch aufeinander folgenden Schritten – einem roten Faden. Zur Bonsen bricht mit

der Tradition und beschreibt in seinem Artikel die Moderationstechnik der Dynamic Facilitation, eine erstmals in den 80er Jahren vom Amerikaner Jim Rough entwickelte und angewendete Methode. 3. Was?,

Wie?, Welche Ergebnisse?Mitarbeiter von Unternehmen sind an diszipliniertes Arbeiten und das Aussitzen von Meetings gewöhnt und lassen sich in der Regel problemlos anhand einer klaren Struktur durch

eine Veranstaltung führen. Zur Bonsen macht jedoch deutlich, dass das lineare Vorgehen tradierter Moderationsmethoden nicht der Natur des menschlichen Geistes entspricht und es so hin und wieder

vorkommt, dass eine Gruppe in ihrer Dynamik gebremst wird. Grund hierfür ist die Erkenntnis, dass menschliche Gedanken nicht einem vorab angelegten Fahrplan folgen und so beispielsweise bereits zur

Problemlösung beitragen möchten, wenn der Moderator erst die Problemdefinition thematisiert haben möchte. Zur Bonsen verdeutlicht in seinen Ausführungen, dass oftmals der am dringendsten benötigte

schöpferische Durchbruch durch zwangsweise vorgegebene Strukturen unmöglich wird. Vor diesem Hintergrund verspricht das Konzept der Dynamic Facilitation kontraintuitiven Mehrwert. Hier existiert

keinerlei sequentielle Struktur, keine chronologischen Schritte und der Moderator ist lediglich darauf bedacht, den kreativen Fluss der Gruppe zu unterstützen und, so zur Bonsen, mit der Energie der

Gruppe zu gehen. Seine Hauptaufgabe ist es dabei, alle Beitrage der Teilnehmer im Dynamic-Facilitation-Prozess auf vier Listen zu schreiben:1. Herausforderungen/Fragen: Alle Probleme werden als

Fragen formuliert notiert, spezifisch oder unspezifisch und ohne den Versuch des Moderators, die Gruppe auf einem linearen Weg zu halten.2. Lösungen/Ideen: Eine als chaotischer Mix erscheinende

Ansammlung aller Lösungen, ohne Zuordnung zu expliziten Problemen.3. Bedenken/Einwände: Jegliche Befürchtungen bezüglich einzelner Lösungsvorschläge; Schwerpunkt liegt hier auf dem emotionalen Anteil

wobei darauf geachtet wird, dass Bedenken nicht als Werturteile formuliert werden.4. Informationen/Sichtweisen: Alle anderen Informationen, gleich ob harte Fakten oder Vermutungen.Schwerpunkt liegt

bei diesen Schritten auf einem sogenannten Prozess der "Reinigung". Die Teilnehmer sind eingeladen, ihre mitgebrachten Gedanken und Gefühle zu kommunizieren und divergierende Meinungen werden

offenbar. Nach zur Bonsen kommt es so zur einer Lösung aus der Verhaftung der einzelnen Gedanken und Gefühle und neuer Raum für neue Lösungen – open space – entsteht. Im besten Fall ist das die

Atmosphäre, in der einander wirklich zugehört werden kann, voneinander gelernt wird und schöpferische Gedanken sich entfalten können. 4. Für wen?, Unter welchen Bedingungen?Zielgruppe dieser Methode

sind Personen aus dem Tätigkeitsfeld des Change Management und der Organisationsgestaltung. Um Fallstricke bei der Anwendung der Methode zu vermeiden empfiehlt zur Bonsen folgende Rahmenbedingungen

einzuhalten: - Ein echtes Interesse der Teilnehmer an einer Problembehandlung- Die selben Teilnehmer über den gesamten Arbeitsprozess- Genügend zur Verfügung stehende Zeit- Möglichkeit einer

Optionenvielfalt und keine vorgefertigten Lösungen- Vorhandensein einer emotionalen Komponente des Themas 5. Wie einzuschätzen?Das Konzept der Dynamic Facilitation trägt der Tatsache Rechnung, dass

die Veränderungen von lebendigen Systemen nicht antizipierbar sind und eine Beherrschbarkeit selbiger folglich unmöglich macht. Dahingegen schafft die vorgestellte Methode Freiraum für

Selbstorganisation und Transformation und der dabei zugrunde liegende Ansatz, komplexen Herausforderungen mit einer "Komplexitätserhöhung" zu begegnen, erscheint mehrwertschaffend.