Die militärische Kaderausbildung. Vermittlung relevanter Kompetenzen für Führungskräfte in der Wirtschaft

Hat die militärische Kaderausbildung für die Schweizer Wirtschaft noch einen Nutzen in der heutigen Zeit? Mit dieser Frage befasst sich eine Studie der Universität Bern und der Swiss Transnational Executive Association. Die befragten Personalverantwortlichen von verschiedenen Schweizer Unternehmen sind der Meinung, dass die Armee eine gute Gelegenheit zum Erwerb früher Führungserfahrungen darstellt und speziell Kompetenzen wie Durchhaltevermögen oder die Fähigkeit zur raschen Lagebeurteilung geschult werden. Die Autoren stellten aber auch fest, dass z. T. bei nicht wenigen Personalchefs falsche Vorstellungen über die militärische Kaderausbildung existieren, welche durch zielgruppenspezifische Kommunikation seitens der Armee verändert werden könnten.

1. Wer, Wann, Wo ?

Adrian Röthlisberger, Absolvent der Wirtschaftswissenschaften der Universität Bern, und Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Norbert Thom, Gründer und Direktor des Instituts für Organisation und Personal der Universität Bern, haben folgenden Artikel verfasst:

  • Röthlisberger, Adrian/Thom, Norbert (2007): Die militärische Kaderausbildung. Vermittlung relevanter Kompetenzen für Führungskräfte in der Wirtschaft. In: Allgemeine Schweizerische Militärzeitschrift (ASMZ), 173. Jg. 2007, Nr. 11 (November), S. 30-32

2. Woher, Wohin, Warum ?

Der wirtschaftliche Nutzen der militärischen Kaderausbildung wird in der Schweizer Wirtschaftswelt sehr unterschiedlich beurteilt.

Das Institut für Organisation und Personal der Universität Bern führte im Jahr 2007 im Auftrag der Swiss Transnational Executive Association (STEA) eine wissenschaftliche Standortbestimmung zu dieser Thematik durch.

Die Ergebnisse sollen auch der Armee aufzeigen, wie sie die militärische Führungsausbildung in der Schweizer Wirtschaft besser darstellen kann.

3. Was, Wie, Welche Ergebnisse ?

Der Fokus der Studie liegt auf der Nutzenwahrnehmung der Wirtschaft in Bezug auf die militärische Führungsausbildung bei angehenden Führungskräften. Angefragt wurden rund tausend Personalverantwortliche aus diversen Deutschschweizer Unternehmen über 20 Prozent antworteten.

Nachfolgend werden die zentralen Ergebnisse der Befragung des Instituts für Organisation und Personal der Universität Bern erläutert:

  • Geförderte Kompetenzen in der militärischen Kaderausbildung:Die mit Abstand am häufigsten genannten Kompetenzen sind Durchhaltevermögen/ Belastbarkeit, Lagebeurteilung/Problemerfassung sowie Durchsetzungsvermögen. Überraschenderweise nannten nur sehr wenige Personen soziale Kompetenzen wie z.B. Teamfähigkeit oder Kommunikationsfähigkeit.
  • Hintergrund der Personalverantwortlichen:HR-Leute mit eigenen militärischen Erfahrungen beurteilten den Nutzen der militärischen Kaderausbildung eindeutig höher als Personen ohne Militärerfahrung. Zudem hat das Geschlecht einen Einfluss. Frauen beurteilen den Nutzen der Militärausbildung für die Wirtschaft markant tiefer als Männer.
  • Militärfeindlichkeit in der Wirtschaft:Diese weit verbreitete Auffassung konnte in dieser Untersuchung nicht bestätigt werden.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die militärische Kaderausbildung in der Wirtschaft auch heute noch ein gewisses Ansehen hat. Speziell die frühen praktischen Führungserfahrungen und Fähigkeiten wie Durchhaltevermögen werden positiv bewertet. Durch zielgruppenspezifische Kommunikation sollte die Armee den Mehrwert der militärischen Kaderausbildung, speziell ihrer neuen Inhalte und Methoden, besser bekannt machen. Hier gilt es gerade weibliche Personalverantwortliche und junge Wirtschaftskader ohne Militärerfahrung anzusprechen.

4. Für wen, unter welchen Bedingungen ?

Der Artikel ist für Personalverantwortliche und Armeeinteressierte geeignet, welche sich mit dem Nutzen der militärischen Kaderausbildung in der Wirtschaft befassen.

5. Wie einzuschätzen ?

Die aktuelle Studie des IOP und der STEA geht einem immer wieder kontrovers diskutierten Thema auf den Grund. Dieser gut fundierte Artikel leistet einen Beitrag zur Versachlichung der Debatte.