Umgang mit Misserfolgen - Gescheiter Scheitern

Kündigung, Insolvenz, Arbeitslosigkeit, Misserfolge in Projekten....in unserem heutigen Arbeitsalltag sind wir von solchen Niederlagen nicht gefeit, sie sind vielmehr allgegenwärtig. Trotzdem haftet dem Scheitern in der Erfolgsgesellschaft ausschließlich Negatives an. Der Beitrag zeigt auf, wie man Misserfolge neu bewerten und gestärkt aus Ihnen hervorgehen kann.

1. Wer, Wann, Wo ?

Erschienen in ManagerSeminare, Das Weiterbildungsmagazin, Heft 122, Mai 2008, Seite 24- 29, Autor: Petra Walther

2. Woher, Wohin, Warum ?

Niederlagen und Scheitern sind in der heutigen Arbeitswelt allgegenwärtig: Arbeitslosigkeit trotz Qualifikation, Kündigung, Insolvenzen, Praktika statt fester Anstellung…Trotz dieser Präsenz wird es nicht als Normalität betrachtet – es ist zu sehr negativ behaftet. Dieser Beitrag zeigt auf, dass Scheitern durchaus hilfreich sein kann, indem man es als Chance wahrnimmt und Lehren daraus zieht.

3. Was, Wie, Welche Ergebnisse ?

Anhand von plakativen Beispielen von Personen die gescheitert sind zeigt der Artikel, dass auch gestandene Unternehmerpersönlichkeiten nicht vor dem Scheitern gefeit sind, es kann vielmehr immer und jedem von uns passieren. Es ist eine Tatsache, dass Qualifikation, Engagement und Erfolg einer Person eine Pleite nicht verhindern können. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig zu lernen mit dem Scheitern richtig umzugehen, um daraus gestärkt hervorgehen zu können.

Irmtraud Tarr, Psychotherapeutin, Ulrike Ley, systemische Beraterin und Coach, Hans–Jürgen Stöhr, Leiter der Agentur für gescheites Scheitern sowie einige gescheiterte Unternehmer zeigen auf wie wichtig es ist, das Scheitern bewusst wahrzunehmen, der Trauer über den Verlust, finanzieller oder persönlicher Art, Raum zu geben und sich klarzumachen, dass die Pleite kein persönlicher Fehler ist.

Hans-Jürgen Stöhr bezeichnet solches Scheitern als "gutes Scheitern": Der Gescheiterte nimmt die Niederlage für sein zukünftiges Handeln bewusst in sich auf und integriert sie in einen neuen Anfang. Es ist ein entwicklungsfähiges Scheitern, wenn man offen für einen neuen Weg ist und fähig ist sich von dem ursprünglichen Ziel zu lösen.

Die Merkmale klugen Scheiterns sind demmach:

Das Scheitern einkalkulieren:

Ein mögliches Scheitern muss bei allen Projekten genauso einkalkuliert werden wie ein möglicher Erfolg. Die Einstellung, Misserfolge vermeiden zu müssen ist für einen konstruktiven Umgang mit einer Niederlage nicht von Vorteil.

Die Niederlage akzeptieren und das ursprüngliche Ziel loslassen:

Scheitert man tatsächlich muss der Gescheiterte akzeptieren, dass er eine Pleite erlitten hat. Er muss erkennen, dass ein weiteres Verfolgen seines Zieles aussichtslos ist und somit keinen Sinn macht.

Unterscheiden zwischen Sache und Person:

Sehr wichtig ist es, dass Scheitern nicht persönlich zu nehmen. Man muss differenzieren zwischen der Sache die suboptimal gelaufen ist, und sich als Person. Ansonsten fühlt man sich als Versager auf ganzer Linie und ist nicht mehr fähig an die eigenen Fähigkeiten zu glauben.

Mit sich selbst versöhnlich sein:

Man muss sich sein Scheitern verzeihen können. Langer Ärger über die Pleite frisst nur unnötige Energien.

Das Geschehene reflektieren:Es ist wichtig innezuhalten und darüber nachzudenken was eigentlich passiert ist. Wie wurde dies erlebt? Wie wird das Geschehene gedeutet? Und was kann in Zukunft anders gemacht werden?

Das Scheitern als Lernprozess begreifen:Scheitern muss als Herausforderung angenommen und der Lernprozesssowie die Chancen darin erkannt werden. Dadurch werden Selbstvertrauen undSelbstwertgefühl gesteigert.

Neue Wege gehen:

Es ist wesentlich nach dem Scheitern nach Alternativen zu suchen, um eine Kurskorrektur vornehmen zu können und einen neuen Weg zu beschreiten.

Das positive Umdeuten von Scheitern in kluges und gutes Scheitern sollte, laut Hans-Jürgen Stöhr, allerdings nicht überstrapaziert werden. Es muss klar sein, dass das positive Hervorgehen aus einer Krise ein langwieriger Prozess ist und nicht als Regel angenommen werden darf. Es gibt schließlich auch die Möglichkeit am Scheitern zu scheitern.

4. Für wen, unter welchen Bedingungen ?

Der Beitrag ist grundsätzlich für jeden interessant, da das Scheitern an sich keine Grenzen in Bezug auf Profession oder Stellung hat. Im Speziellen jedoch kann der Artikel Führungskräften, die stark unter Erfolgsdruck stehen, eine psychologische Hilfestellung sein, um mit kritischen Situationen und verfehlten Ergebnissen umzugehen.

5. Wie einzuschätzen ?

Die etwas ungewöhnliche, stark psychologische Thematik des Beitrags lässt zu Beginn ein paar Zweifel an der Relevanz. Allerdings stellt sich mit der Lektüre auch das Verständnis für die Brisanz des Themas in unserer heutigen Arbeitswelt ein und macht klar, dass Führungskräfte, Manager und Unternehmer auch nur Menschen sind – und vor allem diese Personen sich dessen bewusst werden sollten.