Entwicklungstendenzen im Ideenmanagement

Anja Piening setzte sich in ihrer Masterarbeit mit den aktuellen Entwicklungen des Ideenmanagements (IM) in der Literatur und der Praxis auseinander. Anhand einer Literaturanalyse zeigte die Autorin aktuelle Entwicklungstendenzen und die theoretischen Grundlagen des IM auf. Durch das Auswerten von Interviews und Fragebögen überprüfte sie diese schliesslich an der Realität. Als besonders wichtige Faktoren für ein erfolgreiches IM identifizierte sie dabei u. a. motivierende Teams und unterstützende Vorgesetzte.

1. Wer, Wann, Wo ?Anja Piening, MSc BA hat den Arbeitsbericht Nr. 89 des Instituts für Organisation und Personal der Universität Bern verfasst: Piening, Anja (2008): Entwicklungstendenzen im

Ideenmanagement. Untersuchungen zu einem Managementkonzept der Qualitätsverbesserung und Personalförderung, Bern 2008, ISBN: 978-3-905766-23-3 2. Woher, Wohin, Warum ?Laut der Autorin ist es

insbesondere für den Standort Schweiz sehr wichtig, durch Neuerungen die Entwicklung der Wirtschaft voranzutreiben. Diese Neuerungen sollen mit Hilfe des IM erfolgreich generiert und bewertet sowie

schliesslich umgesetzt werden können. Dabei umfasst das IM nebst dem Betrieblichen Vorschlagswesen ebenso das KVP, Qualitätszirkel, Projektteams etc. Anhand der Literaturanalyse zeigt die Verfasserin

Trends und Quasitrends im IM auf. An einer breit angelegten Befragung von Schweizer Unternehmen, die über ein funktionierendes IM verfügen, überprüft sie diese Trends in der Praxis. Total konnte

Piening 57 umfangreiche Fragebögen auswerten. In Form von Fallstudien betrachtete sie schliesslich 3 Unternehmen qualitativ näher (Die Schweizerische Post, die Perlen Papier AG sowie die

Bischoffszell Nahrugsmittel AG), welche durch ihre "best practice" auffielen.3. Was, Wie, Welche Ergebnisse ?Die Arbeit besteht im Wesentlichen aus 3 Teilen.Teil I: Konzeptionelle GrundlagenTeil II:

Empirische UntersuchungenTeil III: SchlussfolgerungenIm ersten Teil stellt die Verfasserin das Ideenmanagement, bestehend aus den verschiedenen Konzepten wie BVW, KVP etc. grundlegend vor. Dabei

vertieft sie insbesondere ausgewählte Gestaltungsbereiche eines modernen IM (organisatorische Aspekte, Anreizsysteme und Werbung für das Ideenmanagement). Zudem greift die Autorin Trendaussagen aus

früheren Masterarbeiten der Universität Bern auf und betrachtet diese aus dem Blickwinkel der heutigen Literatur. Ebenso zeigt sie generelle aktuelle Entwicklungstendenzen auf. Abschliessend stellt

sie den für die Arbeit relevanten konzeptionellen Bezugsrahmen dar.Der zweite Teil widmet sich dem Vorstellen und Auswerten der Interviews und Fallstudien. Zuerst folgen allgemeine Angaben über das

Vorgehen bei der Auswertung. Daran knüpft sich das Vorstellen der Untersuchungsergebnisse und deren Interpretation an. Die meisten der 57 teilnehmenden Unternehmen zählten zu den kleinen bis

mittleren Unternehmen (499 Beschäftigte). 56.2% der befragten Personen sehen das IM in ihrer Unternehmung als wichtig bzw. sehr wichtig an. Als die wichtigsten internen Unternehmensgrössen nannten

sie bspw. die bestehende Unternehmenskultur, den Führungsstil und das Betriebsklima sowie die Einstellung des Managements gegenüber dem IM. Die wichtigsten Aktionsparameter für ein funktionierendes

IM seien die schnelle und transparente Bewertung der Ideen und die Werbung für das Ideenmanagement. 87.7% der Unternehmen bevorzugen den schriftlichen Weg zum Einreichen einer Idee, wobei das Ziel

des IM v. a. in der Qualitäts- und Wirtschaftlichkeitsverbesserung liegt. Anschliessend folgen aus der Befragung absehbare Entwicklungstendenzen, wie etwa Weiterentwicklung zum KVP, zum

Vorgesetztenmodell oder Integration ins Qualitätsmanagement. Schliesslich vergleicht die Autorin die Schweizer Spitzengruppe mit einer Kontrollgruppe aus Deutschland und den anderen 51 Schweizer

Unternehmen. Im Abschnitt zur qualitativen Umfrage stellt Piening die Schweizerische Post, die Perlen Papier AG sowie die Bischoffszell Nahrungsmittel AG vor. Alle drei Fallstudien untersucht die

Verfasserin nach den Kriterien Unternehmensporträt, unternehmensspezifische Entwicklung, Erfolgsfaktoren, Schwächen und Verbesserungspotenziale sowie Entwicklungstendenzen. Im Fazit aus den drei

Studien bemerkt Piening, dass es kein generell anwendbares Erfolgsrezept für die erfolgreiche Implementierung des Ideenmanagements gibt, streicht aber Gemeinsamkeiten der Unternehmen, wie etwa

motivierte Teams und unterstützende Vorgesetzte heraus. Im dritten Teil der Arbeit entwickelt Piening den Bezugsrahmen aus dem ersten Teil weiter und es folgt ein Gesamt-Fazit sowie einen Ausblick.

Darin vergleicht sie insbesondere nochmals die Literatur mit der Praxis und zeigt Abweichungen auf. In der Literatur wurde bspw. vermehrt auf die Möglichkeit des Einbezugs von externen Stakeholdern

(Kunden und Lieferanten) aufmerksam gemacht, was sich in der Praxis bis anhin jedoch kaum durchsetzte. Die Verfasserin erachtet es abschliessend als besonders wichtig, dass das vorhandene Potenzial

der Mitarbeitenden mit Hilfe des IM aktiviert wird und damit eine solide Basis für die Zukunft bilden kann, wobei die Personalförderung in den Mittelpunkt rücken muss. 4. Für wen, unter welchen

Bedingungen ?Der Artikel eignet sich für alle Personen, die sich für das IM interessieren. Praktiker können anhand dieser Arbeit über das Ideenmanagement in ihrem Unternehmen nachdenken und

sicherlich auch aus den "best practice" Beispielen einige hilfreiche Informationen schöpfen. Für wissenschaftlich interessierte Personen ist insbesondere der Vergleich zwischen der Literatur und der

Praxis sowie die häufige Übereinstimmung bemerkenswert. Ebenso spannend ist es anhand der Auswertung der Fragebogen und Interviews zu sehen, wie die Umsetzung des IM in der Praxis ausge-staltet wird.

Im Bildungsbereich auf Mittel- und Hochschulstufe könnte es zudem lohnenswert erscheinen, eine der drei Fallstudien als Praxisbeispiel eingehend zu betrachten und didaktisch aufzubereiten. 5. Wie

einzuschätzen ?Die Arbeit fasst die aktuellen Entwicklungen des IM ansprechend zusammen und stellt die Theorie der Praxis gegenüber. Insbesondere der Rückgriff auf frühere theoretische Ansätze bzw.

Postulate der Fachliteratur und deren Bestätigung oder Widerlegung in der aktuellen Wirtschaftspraxis ist der Autorin besonders gut gelungen.