Arbeitsfähigkeit und Integration älterer Arbeitskräfte in der Schweiz - Datenlage und Implikationen

Das Thema der Integration älterer Arbeitskräfte wird im Zuge der demografischen Entwicklung immer wichtiger. Deshalb plant das Eidg. Volkswirtschaftsdepartement ein mehrjähriges Programm zur Erhöhung der Erwerbsquote. Im Rahmen dieser Zielsetzung wurden in einem Forschungsprojekt sechs Datenbanken ausgewertet. Die Untersuchung stellte unter anderem fest, dass nur noch 10 Prozent der erwerbslosen 50- bis 65-Jährigen aktiv eine neue Stelle suchen. Die Chance einer erfolgreichen Reintegration in den ersten Arbeitsmarkt ist folglich sehr gering. Ein Ansatz zur erfolgreichen Nutzung der spezifischen Fähigkeiten älterer Arbeitskräfte ist der Aufbau eines systematischen Altersmanagements mit entsprechenden Instrumenten.

1. Wer, Wann, Wo ?

Regine Moser, wissenschaftliche Assistentin am Institut für Organisation und Personal (IOP), Marcel Egger, Geschäftsführer der Egger, Dreher & Partner AG (EDP), und Norbert Thom, Gründer und Direktor des IOP, haben folgenden Artikel verfasst:

  • Moser, Regine/Egger, Marcel/Thom, Norbert (2007): Arbeitsfähigkeit und Integration älterer Arbeitskräfte in der Schweiz – Datenlage und Implikationen. In: Die Volkswirtschaft, Das Magazin für Wirtschaftspolitik, 78. Jg. 2008, Nr. 2, S. 63-66

2. Woher, Wohin, Warum ?

Die Partizipation älterer Menschen am Erwerbsleben ist für eine Volkswirtschaft sehr wichtig.

Die demografische Entwicklung wird in absehbarer Zukunft zu einem Mangel an erfahrenen Arbeitskräften führen.

Aus diesem Grund plant das Eidgenössische Volkswirtschaftsdepartement zusammen mit anderen Departementen der Wirtschaft und den Sozialpartnern ein mehrjähriges Programm zur Förderung der Arbeitsfähigkeit und der Integration älterer Arbeitskräfte in der Schweiz.

3. Was, Wie, Welche Ergebnisse ?

Der Artikel basiert auf dem Forschungsprojekt "Arbeitsfähigkeit und Integration älterer Arbeitskräfte in der Schweiz". Dabei galt es die zentrale Frage zu beantworten, warum Arbeitnehmende in der Schweiz nicht am Erwerbsleben teilnehmen und wie sie, einmal erwerbslos, wieder reintegriert werden können.

Nach dem Erarbeiten des konzeptionellen Untersuchungsrahmens wurden sechs Datenbanken ausgewertet. Die Ergebnisse wurden gemäss dem neusten betriebswirtschaftlichen Wissensstandes interpretiert und anschliessend Handlungsempfehlungen abgeleitet.

Nachfolgend werden drei der wichtigsten Erkenntnisse aus der Studie erläutert:

  • Gesundheitsbedingtes frühzeitiges Ausscheiden:Nur knapp 2,5 Prozent aller Personen erachten ihren Gesundheitszustand als schlecht oder sehr schlecht. Überraschenderweise schätzen sich ältere Erwerbstätige im Vergleich zu den jüngeren gesundheitlich nicht schlechter ein. Schweren nervlichen Belastungen sind rund 40 Prozent der 25- bis 54- jährigen Erwerbstätigen ausgesetzt.
  • Frühzeitiges Ausscheiden aufgrund von Entlassungen:Die ausgewerteten Daten bestätigen die Vermutung, dass sich ältere Erwerbstätige schwerer tun mit veränderten Rahmenbedingungen. Eine systematische Altersstigmatisierung kann nicht festgestellt werden. Ihre Arbeitsmarktchancen sind jedoch oft reduziert.
  • Frühzeitiges Ausscheiden aufgrund freiwilliger Austritte:Frühpensionieren .assen sich rund 6 Prozent der über 60-Jährigen aus freiwilligen Motiven. Hier wird vermutet, dass dieser Entscheid bereits in frühen Lebensjahren heranreife und nicht das Ergebnis einer zunehmenden Unzufriedenheit sei.
  • Erschwerte Reintegration:Nur gerade 10 Prozent der 50- bis 65-Jährigen Erwerbslosen suchen aktiv eine neue Stelle. Die Suche gestaltet sich oft schwieriger als für jüngere Arbeitskräfte. Je besser qualifiziert eine Person ist, desto schneller findet sie eine neue Stelle.

Obschon die älteren Arbeitskräfte für ihre Qualitäten wie Erfahrungsschatz, Gelassenheit, Weisheit und einer höheren Firmentreue geschätzt werden, ist in der Praxis eine Benachteiligung zu beobachten. Sie werden überdurchschnittlich oft entlassen oder zwangspensioniert. Ein Grund dafür kann das Fehlen von Instrumenten eines systematischen Altersmanagements darstellen. Diese helfen die Fähigkeiten älterer Erwerbstätigen zur Erreichung der Unternehmensziele einzusetzen.

4. Für wen, unter welchen Bedingungen ?

Dieser Artikel ist besonders für Personalverantwortliche mit strategischen Aufgaben geeignet, da er Denkanstösse bezüglich der Integration älterer Arbeitskräfte liefert. Weiter ist der Artikel auch Forschenden und anderen Interessierten zu empfehlen.

5. Wie einzuschätzen ?

Die Erkenntnisse basieren auf einer soliden Datenbasis und sind von hoher Aktualität. Behandelt wird ein zukunftsträchtiges Thema, welches für die Schweiz an Wichtigkeit gewinnen wird.