Becker, F.G. (2007): Organisation der Unternehmungsleitung. Stellgrößen der Leitungsorganisation.

Fred G. Becker legt eine konzise Monographie zur Organisation von Leitungsorganen vor. Das Werk gibt einen guten Überblick über die relevante Literatur. Gestaltungsalternativen werden dargestellt und bewertet.

1. Wer, Wann, Wo ?

Fred G. Becker ist Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Organisation, Personal und Unternehmungsführung an der Universität Bielefeld. Die von ihm vorgelegte, rund 200 Seiten umfassende Monographie zur "Organisation der Unternehmungsleitung" ist 2007 im Kohlhammer-Verlag erschienen.

2. Woher, Wohin, Warum ?

Nachdem das Thema Organisationsgestaltung gerade in der Praxis einen enormen Stellenwert als Instrument der Unternehmensleitung erlangt hat, hat die Organisation der Unternehmensleitung selbst stets vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit erfahren. Becker konstatiert im Vorwort seines Werkes, dass die aktuelle Corporate Governance-Diskussion die Organisation der Unternehmensleitung in den Hintergrund gedrängt hätte. Man könnte indes auch zu der Wahrnehmung gelangen, dass Interesse und Sensibilität für Fragen der Leitungsorganisation – als Teilgebiet der umfassenderen Corporate Governance – gerade durch die intensive Auseinandersetzung mit Governancemodalitäten gestärkt wurden. In jedem Fall ist Becker darin zu folgen, dass das – wiederum für die Unternehmensentwicklung zentrale – Verhalten der Top-Manager durch die Organisation des Leitungsorgans mitgeprägt wird und deshalb einer systematischen Untersuchung bedarf. Ziel des Buches ist es, die verschiedenen Stellgrößen der Leitungsorganisation herauszuarbeiten und die von ihnen ausgehenden verhaltensbezogenen Stimuli sowie ihre Effizienzwirkungen aufzuzeigen.

3. Was, Wie, Welche Ergebnisse ?

Das Buch ist in sieben Kapitel gegliedert. Die Feingliederung – obwohl nicht ausschweifend – verschwimmt leider, da der Verlag im Inhaltsverzeichnis keine unterstützenden Einrückungen vornimmt. Nach einer kurzen Einleitung nimmt sich Becker sehr viel Zeit, um auf immerhin rund 35 Seiten begriffliche Klärungen vorzunehmen. Der dabei gewährte Überblick über die einschlägige Literatur ist, jedenfalls für den interessierten Wissenschaftler, durchaus interessant. Becker fasst unter den Begriff der Leitungsorganisation letztlich die (interne) Organisation der Spitzengremien (namentlich Vorstand bzw. Geschäftsführung, Aufsichtsrat und ggf. Beirat) sowie deren strukturelle und prozessuale Anbindung an die nächste hierarchische Ebene.

Im dritten Kapitel geht der Verfasser auf theoretische Ansätze zur Leitungsorganisation ein. Becker spricht sich dabei dezidiert für die Verwendung eines institutionellen Organisationsbegriffs aus, wenn auch bislang eher der Eindruck eines instrumentellen Begriffsverständnisses entstanden war. Es werden dementsprechend bekannte allgemeine organisationstheoretische Ansätze skizziert, angefangen von Klassikern über die verhaltenswissenschaftliche Entscheidungstheorie, neo-institutionalistische Ansätze bis hin zu den institutionenökonomischen Ansätzen, um nur einige zu nennen. Dabei geht es laut Becker weit mehr um Erklärungs- als um Gestaltungsansätze – ein bekanntes Problem der Organisationstheorie, das sich auch in der knappen Darstellung widerspiegelt. Immerhin wird aber jeweils eine (kleine) Brücke zum Buchthema geschlagen. Im Weiteren bezieht sich Becker in erster Linie auf verhaltenswissenschaftliche Erkenntnisse.

Im folgenden, längsten Kapitel wird die "Organisation des Leitungsorgans" als zentraler Buchgegenstand behandelt. Aufbauend auf dem organisatorischen Kongruenzprinzip werden hierfür wird zunächst auf der Grundlage der einschlägigen Literatur ein Katalog von Aufgaben, die typischerweise die Zuständigkeit des Leitungsorgans markieren, Kompetenzarten sowie Formen der Verantwortung ausgearbeitet. Sodann geht der Verfasser näher auf die eigentlichen Gestaltungsparameter der Leitungsorganisation ein. Hierzu zählen vor allem die Anzahl der Spitzeninstanzmitglieder, die horizontale und vertikale Arbeitsteilung im Leitungsorgan sowie einige ergänzende Gestaltungsmöglichkeiten. Die Gestaltungsformen werden jeweils eingehend erläutert und einer Einschätzung unterzogen, ohne dabei jedoch einen systematischen Bewertungsansatz zugrunde zu legen.

Mit Blick auf die Anzahl der Mitglieder geht es um die Entscheidung zwischen einer Singular- und einer Pluralinstanz. Es folgen Ausführungen zu den rechtlichen Rahmenbedingungen in der AG und der GmbH. Dies erscheint angesichts der erheblichen Bedeutung des rechtlichen Rahmens für die hier verhandelte Thematik mehr als gerechtfertigt. Im Anschluss werden Möglichkeiten der Arbeitsteilung im Leitungsorgan erörtert. Dabei geht es zunächst um die (horizontale) Ressortierung, sodann um die Entscheidung zwischen Kollegial- und Direktorialprinzip mit Blick auf die vertikale Arbeitsteilung. Beide Gestaltungsdimensionen werden in Anlehnung an v. Werder zu Basismodellen der Leitungsorganisation zusammengefasst. Schließlich geht Becker noch auf das Amt des Vorsitzenden bzw. Sprechers des Leitungsorgans ein. Die Thematik ist von großer Aktualität, bedenkt man, dass nicht selten der Vorstandsvorsitzende einer deutschen AG faktisch eine weitaus stärkere Rolle einnimmt als rechtlich vorgesehen.

Die beiden nachfolgenden und deutlich kürzeren Kapitel sind der Organisation von Aufsichtsrat und Beirat sowie der Teilbereichsleitung gewidmet. Während die Ausführungen zu Aufsichtsrat und Beirat betont knapp bemessen sind, fällt die Darstellung der Teilbereichsanbindung ausführlicher und anschaulicher aus, zumal abschließend auf ein interessantes Praxisbeispiel eingegangen wird.

Literatur- und Stichwortverzeichnis runden das Werk ab.

4. Für Wen, unter Welchen Bedingungen ?

Zielgruppe des Buches sind Studenten im Hauptstudium bzw. in einem Master-Programm sowie einschlägige Personenkreise der Unternehmenspraxis.

5. Wie einzuschätzen ?

Insgesamt ein prägnanter Überblick zu einem ebenso aktuellen wie spannenden Thema. Dabei handelt es sich im Kern um eine konzise und gut lesbare Übersicht über die Literatur, ohne substantiell Neues hinzuzufügen. Mehr Praxisbeispiele wären für beide Zielgruppen wünschenswert.