Nach Firmenkäufen Topleute halten – Due Diligence

Bei Zusammenschluß zweier Unternehmen hängt der Erfolg meist nicht allein von strategischen und finanziellen Fragen ab. Mindestens genauso wichtig ist es die Mitarbeiter der Unternehmen für das Vorhaben zu gewinnen und die Topleute der Firmen zu integrieren. Eine Human Due Diligence - die sorgfältige Beurteilung des Personals und der Firmenkultur - hilft, dieses Ziel zu erreichen.

1. Wer, Wann, Wo ?

erschienen in Harvard Business Manager, 30. Jahrgang, März 2008, S. 54-74,Autoren: David Harding und Ted Rouse

David Harding ist Berater bei Bain &Company und Leiter des Bereichs Fusionen und Übernahmen in Boston.

Ted Rouse ist ebenfalls Berater bei Bain und leitet dort den Bereich Post-Merger-Integration.

2. Woher, Wohin, Warum ?

Der Verlust der wichtigsten Mitarbeiter und Talente ist ein Phänomen welches immer wieder nach Firmenübernahmen zu beobachten ist. Die Ursache hierfür liegt oft in einer unfundierten Integration des übernommenen Unternehmens. Zur Vermeidung dessen haben die Autoren Harding und Rouse ein Verfahren entwickelt, welches eine sorgfältige Beurteilung des Personals und der Unternehmenskultur beinhaltet, um die Beschäftigten für das Vorhaben zu gewinnen und die Spitzenkräfte erfolgreich in das neue Unternehmen zu integrieren.

3. Was, Wie, Welche Ergebnisse ?

Annähernd zwei Drittel aller übernehmenden Unternehmen verlieren im ersten Quartal nach einer Fusion Marktanteile, im dritten Quartal liegt die Quote bereits bei 90 Prozent.

Diese Tatsache führte die Bain-Berater Hardingund Rouse dazu dieses Phänomen zu untersuchen. Sie führten Interviews mit an Fusionen beteiligten Managern und verglichen die personalbezogenen Maßnahmen bei erfolgreichen und gescheiterten Transaktionen.Ihre daraus hervorgegangene These: Human Due Diligence (die sorgfältige Beurteilung des Personals und der Unternehmenskultur) legt das Fundament für eine reibungslose Integration.

Die erste Frage die sich in diesem Kontext stellt, ist die nach dem Transaktionsmotiv: Was soll mit der Übernahme bezweckt werden? Die Antwort hierauf führt zu weiteren Fragen die im Prozess der Human Due Diligence zu beantworten sind: Wessen Kultur soll das neue Unternehmen übernehmen, und wie soll die neue Organisation gestaltet werden?

Es ist nicht zwingend das finanzstärkere Unternehmen welches die Unternehmenskultur der neuen Organisation sinnvollerweise prägt. Ausschlaggebend ist hierbei das Kaufmotiv. Geht es beispielsweise primär um das Know-how der Mitarbeiter, so ist es sinnvoller die Kultur nach dem des übernommenen Unternehmens auszurichten. Durch eine Due Diligence im Personalbereich sollen die Verantwortlichen vor allem feststellen, ob die Kultur des Ziel- und des Käuferunternehmens sich soweit vereinbaren lassen, dass sich die erforderlichen Brücken schlagen lassen.

Die Gestaltung der neuen Organisation ist ein schwieriger Prozess dem einige Fragen vorausgehen. Im Rahmen einer Due Diligence muß geklärt werden, ob die Organisation des Zielunternehmens funktionsfähig und stimmig ist, wie und wo die Geschäftsbereiche aufgestellt sind und wie die Berichtswege im Unternehmen verlaufen. An dieser Stelle gilt es sowohl die Organigramme, also die offiziellen Wege zu betrachten, aber wesentlicher sind hier die tatsächlichen Entscheidungswege.

Um hierin einen Einblick gewinnen zu können, ist es notwendig, neben der Faktenanalyse, sich mit den Mitarbeitern selbst diesbezüglich zu befassen, um echte Entscheidungswege sowie Stärken und Schwächen der einzelnen Unternehmensbereiche erkennen zu können. Es sind nämlich nicht nur die Topmanager die die Fähigkeiten eines Unternehmens ausmachen, sondern oftmals sind diejenigen der Belegschaft mindestens genauso wichtig.

Due Diligence erfordert ein hohes Maß an Engagement der Geschäftsleitung und die Bereitstellung der notwendigen Mittel. Diese ist nicht immer vorhanden, vor allem wenn der Käufer unter Zeitdruck steht. Nichtsdestotrotz hat sich Due Diligence, nach Aussage der Autoren, bei Fusionen bewährt und ist eine Überlegung wert.

4. Für wen, unter welchen Bedingungen ?

Der Beitrag von Harding und Rouse wirft für Führungskräfte die im Rahmen von Fusionen tätig sind, interessante Ansätze auf. Er lenkt den Fokus auf die Langfristigkeit von Transaktionen und die integrierte Übernahme eines Unternehmens. Für Transaktionen feindlicher Art und Weise hält er spezielle Tipps bereit, nachdem die beschriebene Informationsbeschaffung bei diesem Typ Transaktion nahezu unmöglich ist. Manager aus dem Bereich M & A finden hier Denkanstöße und Anregungen für erfolgreiche Übernahmen.

5. Wie einzuschätzen ?

Mit vielen interessanten Beispielen verdeutlichen die Autoren die Anwendbarkeit ihres Ansatzes und zeigen dessen Vorteile auf. Die Lektüre des Artikels empfiehlt sich, um Transaktionen in einer ganzheitlichen und langfristigen Perspektive zu betrachten.

Literatur:

Harding, D.; Rovit, S.: Building Deals on Bedrock, in Harvard Business Review, September 2004, Seite 121

Berens, W.; Brauner, H.; Strauch, J. (Hrsg.): Due Diligence bei Unternehmensakquisitionen, Schäffer-Poeschel 2005