Fraud durch eigene Mitarbeiter

Wirtschaftskriminelle Handlungen verursachen gemäss einer neuen Studie Einzelschäden von bis zu 85 Mio. Euro. Davon sind viele Unternehmen aller Branchen betroffen. Dieses Thema gewinnt in der aktuellen Forschung an Bedeutung, weil die Kosten Milliarden von Euro betragen. Dieser Artikel zeigt auf, welche Umstände begünstigend wirken, was für Präventionsmöglichkeiten zur Verfügung stehen und wie durch ein systematisches Vorgehen Fraud aufgedeckt werden kann.

1. Wer, Wann, Wo ?

Dr. rer. pol. Jan-Ulrich Lange, Revisionsleiter eines Industrieunternehmens mit Umsätzen im einstelligen Milliarden-Euro-Bereich, war im Bereich Revision und Controlling auch schon mit der Investigation verschiedenster Fälle von Mitarbeiterkriminalität beauftragt. Er hat folgenden Artikel verfasst:

  • Lange, Jan-Ulrich (2007): Fraud durch eigene Mitarbeiter. Praktische Aspekte der Prävention, Detektion und Verfolgung. In: Zfo, 76. Jg. 2007, Nr. 1, S. 41-48

2. Woher, Wohin, Warum ?

Wirtschaftskriminelle Handlungen (fraud) ist gemäss einer repräsentativen Umfrage, die bei Wirtschaftsprüfungsgesellschaften um Auskunft bat, in Unternehmen aller Branchen ein Problem.

Das Ziel der Forschung ist es, nachhaltige Präventionsstrategien zu entwickeln, um die Deliktzahl zu senken.

Die Kosten von Fraud sind enorm hoch. Eine Umfrage von KPMG bei 1000 Grossunternehmen ergab, dass die Einzelschäden bis zu 85 Mio. Euro betragen.

3. Was, Wie, Welche Ergebnisse ?

Als Einstieg geht der Autor auf den Täterkreis, die Deliktarten und die Ursachen für Fraud ein. Hier nennt er begünstigende Umstände und psychosoziale und demographische Merkmale der Täter. Anschliessend werden Möglichkeiten zur Prävention aufgezeigt.

In einem zweiten Teil wird auf die Detektion (Aufdeckung) von wirtschaftskriminellen Handlungen und die Fraud-Verfolgung eingegangen.

Im Folgenden werden verschiedene Präventionsstrategien genannt, welche der Mitarbeiterkriminalität entgegenwirken:

  • Klare Spielregeln:Das Topmanagement muss klar machen, dass kriminelles Verhalten nicht toleriert wird. Dabei sollten Grauzonen, wie z. B. Geschenke von Lieferanten, klar geregelt sein.
  • Zielvereinbarungssysteme:Unrealistische Ziele sind in hohem Masse kontraproduktiv. Sie verleiten förmlich zu Manipulationen. Insbesondere stark ist der Effekt von unrealistischen Zielen, wenn der Leistungslohnanteil hoch ist.
  • IT-Sicherheit:Mit verschiedenen Berechtigungsstufen kann verhindert werden, dass Mitarbeiter Zugang zu sensiblen Daten haben. Nur ein oder zwei Systemadministratoren haben auf das ganze System Zugriff.

Wichtig ist der Grundsatz, kritische Aufgaben auf mehrere Schultern zu verteilen. Im IT-Bereich gibt es Software-Tools, welche kritische Berechtigungsprofile aufspüren. Ein Beispiel für ein solches Profil wäre ein Mitarbeiter, der Kundenaufträge und Preislisten gleichzeitig verwalten kann. Solche Profile müssen durch spezielle Kontrolle abgesichert werden.

4. Für wen, unter welchen Bedingungen ?

Der Artikel ist insbesondere für Praktiker interessant, welche sich mit der Prävention von wirtschaftskriminellen Handlungen in ihrem Unternehmen befassen. Diese Personen erhalten vielseitige und fundierte Informationen von einer Fachperson mit langjähriger Erfahrung im Bereich Revision und Controlling.

5. Wie einzuschätzen ?

Der Artikel ist klar gegliedert und behandelt verschiedenste Aspekte der Fraud-Thematik. Sehr aufschlussreich sind die Präventionsmöglichkeiten.