Wie Sie Talente richtig managen

Rob Goffee und Gareth Jones thematisieren in ihrem Beitrag die Probleme Toptalente für das eigene Unternehmen zu finden und durch adäquate Führung zu halten, um so den größtmöglichen Nutzen aus ihrer Kreativität und Intelligenz zu ziehen. Sie geben Einblick in die Denkweise solcher Toptalente und leiten Handlungsempfehlungen für Führungskräfte ab.

1. Wer, Wann, Wo ?

"Wie Sie Talente richtig managen" von Rob Goffee und Gareth Jones, erschienen in "Harvard Business Manager", Juni 2007

In ihrem Artikel thematisieren Rob Goffee und Gareth Jones die Probleme, Toptalente für das eigene Unternehmen zu finden und durch adäquate Führung zu halten, um so den größtmöglichen Nutzen aus ihrer Kreativität und Intelligenz zu ziehen.

Basis ihrer Aussagen bildet ihr 20-jähriges Engagement im Bereich Leadership sowie mehr als 100 strukturierte Interviews mit "klugen Köpfen".

Die Autoren:Ron Goffee ist Professor für Organizational Behaviour an der London Business School.Gareth Jones ist Gastprofessor an der französischen Business School Insead in Fontainebleau und Fellow am Zentrum für Managemententwicklung der London Business School. Goffee und Jones sind Gründungspartner der Unternehmensberatung Creative Management Associates in London.

2. Woher, Wohin, Warum ?

Goffee und Jones gehen von der Annahme aus, dass die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen in zunehmendem Maße davon abhängt, ob sie es schaffen, Talente zu finden und für diese ein Umfeld zu schaffen, das sich motivierend und inspirierend auswirkt. Die große Herausforderung ist dabei, dass diese Zielgruppe der intelligenten Menschen nicht geführt werden will.

Goffee und Jones stellen spezielle Eigenheiten dieser Personengruppe vor und geben Tipps, wie man Toptalente findet und bindet.

3. Was, Wie, Welche Ergebnisse ?

Um zu verstehen, wie das Verhältnis zwischen Toptalenten und Management ausgestaltet werden sollte, stellen Goffee und Jones die wesentlichen Eigenschaften der Zielgruppe vor:

  1. Toptalente wissen, was sie wert sind, denn ohne die Person kann das Wissen nicht weitergegeben werden.
  2. Sie sind gute Taktiker und finden das unternehmerische Umfeld, in dem ihre Interessen am großzügigsten unterstützt werden.
  3. Sie ignorieren Unternehmenshierarchien, so dass Beförderungen oft ins Leere laufen, ihre akademischen Titel jedoch sind ihnen wichtig.
  4. Sie erwarten Zugang zur Topführungsetage.
  5. Sie haben gute Verbindungen, gehören hoch entwickelten Wissensnetzwerken an und ihre Kontakte sind oftmals ebenso wertvoll wie ihr Fachwissen.
  6. Sie sind schnell gelangweilt und müssen daher intellektuell gefordert und mit unternehmerisch sinnvollen Aufgaben motiviert werden.
  7. Sie sagen nicht danke.

Bereits beim Anwerben von Toptalenten gibt es einige Regeln zu beachten: So suchen und brauchen kluge Köpfe Gleichgesinnte, aus diesem Grund gilt es bei der Rekrutierung nach Stars Ausschau zu halten und diese durchaus durch Vorstand oder Firmengründer selbst ansprechen zu lassen.

Goffee und Jones leiten darüber hinaus wesentliche Handlungsanweisungen im Umgang mit Toptalenten ab:

Die meisten Toptalente entlarven Unaufrichtigkeit sehr schnell und sind dagegen allergisch. Es gilt sie zwar nicht mit Details zu langweilen, aber sie sollten über die wesentlichen unternehmerischen Entscheidungen informiert werden.

Um ihnen den Rücken freizuhalten für die wertschöpfenden Tätigkeiten gilt es, sie von bürokratischem Ballast abzuschirmen, ja sogar einenSchritt weiter zu gehen und durch das Aufstellen und Leben allgemein akzeptierter Regeln und Normen für eine Minimierung der Bürokratie zu sorgen.

Hierzu ziehen Goffee und Jones den Soziologen Alvin Goulder heran, der drei Arten von Organisationen definiert:

  1. Scheinbürokratien: Hier hält sich niemand an die Regeln.
  2. Disziplinarische Demokratie: Eine Gruppe zwängt einer anderen Gruppe Regeln auf.
  3. Repräsentative Bürokratie: In ihr werden die Regeln von allen akzeptiert.

Toptalente sprechen auf eine repräsentative Bürokratie am besten an. Daher liegt es an den Managern, ein einfaches Regelwerk aufzustellen und eine Kultur zu fördern, die auf einfachen Regeln basiert.

Um das Potenzial dieser Mitarbeiter voll zu nutzen, darf die Angst vor Fehlschlägen nicht das Experimentieren unterbinden. Der Führungsriege muss klar sein, dass auf jedes erfolgreiche Projekt/Produkt auch Fehlschläge folgen müssen. Kommt es dazu, muss die Führungskraft den Toptalenten helfen, diese Fehlschläge wegzustecken. Außerdem sollte der reine Fokus auf den eigenen Betrieb durchbrochen werden, da die besten Ideen nicht zwangsläufig aus unternehmensinternen Projekten entstehen müssen.

Trotz aller Freiheiten die Toptalente benötigen, müssen ihreVorgesetzten auch Grenzen aufzeigen. Dabei müssen sie demonstrieren, dass auch sie Experte auf ihrem Gebiet sind und somit Unterstützung bieten können.Allerdings ist es dabei wichtig, die Mitarbeiter nicht mit den eigenen Fähigkeiten zu entmutigen.

Fazit: Wer intelligente Toptalente führen will, muss sich weniger in der Rolle des traditionellen Chefs als des wohlwollenden Beschützers sehen. Es gilt, den Topleuten ein sicheres Umfeld mit den benötigten Ressourcen zu bieten und das Experimentieren und Querdenken zu unterstützen, dabei jedoch stets unaufdringlich die eigene Erfahrung und Autorität zu demonstrieren.

4. Für wen, unter welchen Bedingungen ?

Der Artikel eignet sich für all jene Unternehmensvertreter,die entweder mit der Rekrutierung oder der Führung von Toptalenten befasst sind. Auch für Projektleiter bietet er interessante Einblicke.

5. Wie einzuschätzen ?

Der Artikel reißt das Problem an und gibt einige Denkanstöße, jedoch reicht der Umfang nicht aus, um das Thema allumfassend zu beleuchten. Er eignet sich jedoch gut, sich dem Thema erstmals zu nähern und zu entscheiden, ob man sich eingehender damit befassen möchte.

Die Autoren zeigen sowohl einige positive Beispiele auf, verdeutlichen aber auch anhand negativer Beispiele, wie ein Unternehmen dasVertrauen seiner Topleute verspielen kann.

Link zum Artikel:

318www.harvardbusinessmanager.de/wie_sie_talente_richtig_managen