Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn

Das Buch "Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn" lenkt den Blick auf eine andere Perspektive bzgl. der Ursachen für Denk- und Verhaltensmuster. Es zeigt anschaulich auf, dass wir nicht hilflos unseren genetischen Anlagen ausgeliefert sind sondern vielmehr selbst Verantwortung tragen für die Entwicklung unseres Gehirns und damit für unser Denken und Handeln.

1. Wer, Wann, Wo ?

Buch: Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn , 6. Auflage, Göttingen 2006

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Der Autor Gerald Hüther, Neurobiologe und Hirnforscher, ist Professor an der Universität Göttingen.Außerdem Leiter des InformationsnetzwerkWIN-Futureund des jährlich stattfindenden Göttinger Kongresses zu Erziehungs- und Bildungsfragen. Sein Schwerpunktthema ist die experimentelle Hirnforschung.

2. Woher, Wohin, Warum ?

"Die Unveränderlichkeit der einmal im Gehirn entstandenen Verschaltungen ist ein Dogma!". Diese Aussage legt Gerald Hüther seinem Buch zugrunde und zeigt auf, dass wir selbstverantwortlich sind für unser Gehirn und seine Struktur – sozusagen für sein Verhalten, und damit unser Verhalten. Das Erscheinen dieses Buches in der bereits sechsten Auflage zeigt u. a., dass dieses Thema hochinteressant und zudem für viele relevant ist.

Wir sind stark geprägt von der Annahme, dass das menschliche Hirn von unseren genetischen Anlagen beeinflusst ist und kaum von außen, geschweige denn von einem selbst, bewusst verändert, geformt werden kann. Doch genau dies ist die Nachricht die Hüther in seinem Buch vermitteln will.

3. Was, Wie, Welche Ergebnisse ?

Gerald Hüther beschreibt in seinem Buch Erkenntnisse aus der Hirnforschung bzgl. der lebenslänglichen Veränderbarkeit des menschlichen Gehirns. Die grundlegende Aussage lautet: Ein zeitlebens lernfähiges Gehirn ist auch lebenslänglich veränderbar.Jeder Mensch besitzt zwar ein besonderes, nur ihm eigenes Gehirn, das von Anfang an mit ganz bestimmten Schwächen und mit ganz bestimmten Begabungen ausgestattet ist. Was aber im Lauf des Lebens aus diesen Anlagen wird, ob bestimmte Schwächen ausgeglichen oder noch weiter verstärkt und ob bestimmte Begabungen entfaltet oder aber unterdrückt werden, hängt davon ab, wie und wofür man sein Gehirn benutzt.

Heute weiß man, dass das Gehirn zeitlebens zur adaptiven Modifikation und Reorganisation seiner einmal angelegten Verschaltungen befähigt ist und dass die Herausbildung und Festigung dieser Verschaltungen ganz entscheidend davon abhängt, wie und wofür wir unser Gehirn benutzen.

Es hat sich herausgestellt, dass das Gehirn auch im Erwachsenenalter noch in hohem Maß strukturell formbar ist. Es sind nicht unser Geist oder unser Bewusstsein, auch nicht unser auswendig gelerntes oder von fragwürdigen Quellen übernommenes Wissen, sondern die Erfahrungen die wir während unserer bisherigen Entwicklung gesammelt haben, welche uns bei unseren Entscheidungen leiten.

Neben adaptiertem Wissen und unserem Geist bezieht sich Hüther auch auf bestimmte genetische Anlagen, die gerne dafür verantwortlich gemacht werden, was im Gehirn geschieht. Laut Hüther gibt es lediglich unterschiedliche Anlagen, charakteristische Prädispositionen und spezifische Anfälligkeiten. Was aber letztlich daraus wird hängt von den jeweils vorgefundenen Entwicklungsbedingungen ab. Das Gehirn ist demnach weniger ein Denk – als vielmehr ein Sozialorgan.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass, laut dem Autor, die Persönlichkeit eines Menschen Ergebnis und Ausdruck der Installationen, der neuronalen Verschaltungsmuster sind, die bisher im Gehirn entstanden sind.Gerald Hüther bringt an, dass selbst genetisch bedingte Installationsdefizite auszugleichen möglich ist. Die meisten Installationsdefizite sind, durch ständige Wiederholung einmal eingeschlagener und entweder für richtig erachteter oder nie ernsthaft hinterfragter Strategien der Wahrnehmung, des Fühlens, Denkens und Handelns, fest im Gehirn verankert. Durch die Art der Benutzung unseres Hirns liegt es in unserer eigenen Hand dies umzuprogrammieren.

Denn dies ist das was ein menschliches Gehirn ausmacht: Die Fähigkeit, einmal eingefahrene Wege wieder verlassen, einmal entstandene Programmierungen wieder auflösen zu können. Deshalb ist Unterdrückung und Abwehr von Betroffenheit der einzige wirkliche Bedienungsfehler, den man bei der Benutzung seines Gehirns machen kann.

4. Für wen, unter welchen Bedingungen ?

Eine Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn wünscht sich sicher der eine oder andere einmal. Das Buch regt an eine andere Perspektive auf unsere Denkweise, unserVerhalten und deren Muster einzunehmen und mehr Verantwortung dafür zu übernehmen.

5. Wie einzuschätzen ?

Denk- und Verhaltensmuster beeinflussen unser Tun maßgeblich. Gerald Hüther ermuntert mit seinem Buch den Leser Abstand zu nehmen von bisherigen Dogmen und die Entwicklung und deren Richtung seines eigenen Gehirns in die Hand zu nehmen. Ein Gehirn will nicht nur benutzt, es will richtig bedient werden. Der Autor gibt in seinem Text anschauliche Beispiele und Analogien, die das Verständnis erleichtern.