Entscheiden in chaotischen Zeiten

David Snowden und Mary Boone untersuchten die Wirksamkeit von Management- und Führungskonzepten und stellten fest, dass eine starke Abhängigkeit zur Komplexitätsstruktur der Rahmenbedingungen besteht, in denen das jeweilige Problem zu lösen ist. Durch das Verständnis der Wirkungszusammenhänge, seien sie einfach, kompliziert, komplex oder chaotisch, gelingt es Führungskräften Fehler bei ihrer Problemlösung zu vermeiden und Ressourcen zu schonen.

1. Wer?, Wann?, Wo?>>Entscheiden in chaotischen Zeiten<<, erschienen in Harvard Business Manager, Dezember 2007, S. 28-42 Autoren: David J. Snowden, Gründer und Chief Scientific Officer

des internationalen Forschungsnetzwerks Cognitive Edge. Kontakt: sowded@mac.comMary E. Boone, President von Boone Associates, einer Unternehmensberatung mit Sitz in Essex, Connecticut. Kontakt:

mary@maryboone.com 2. Woher?, Wohin?, Warum?Führungskräfte und Manager griffen und greifen in den vielfältigsten Situationen auf allgemeine Führungskonzepte zurück und die viele Jahre gültige und

herrschende Annahme in der Organisationstheorie und –praxis gab ihnen Recht. So geht diese doch auf das newtonsche Weltbild zurück, das zwischen den alles bestimmenden Zusammenhängen kausal-lineare

Zusammenhänge unterstellt. Vereinfachungen erscheinen unter dieser Prämisse sinnvoll. Sobald sich jedoch die Umstände ändern und ihre Komplexität zunimmt können diese scheitern und Führungsprinzipien

verlieren ihre Universalität, so Snowden und Boone. Vor diesem Ausgangspunkt plädieren die Autoren für eine Erweiterung der traditionellen Entscheidungs- und Führungsprozesse. 3. Was?, Wie?, Welche

Ergebnisse?Snowden und Boone haben vor diesem Hintergrund mit der Unterstützung weiterer Kollegen das sogenannte Cynefin-Modell entwickelt mit dessen Hilfe es Führungskräften gelingen soll,

Sachverhalte aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, komplexe Konzepte zu verstehen und sich mit realen Problemen und Chancen auseinander zu setzen. Das Modell teilt Probleme je nach der

grundlegenden Ursache-Wirkungs-Beziehung in fünf Kategorien ein: Einfach, kompliziert, komplex und chaotisch. Die fünfte Kategorie subsumiert alle Problem bei denen nicht ersichtlich ist, welche der

Beziehungen dominiert. Im Fokus der Autoren steht mit der Begründung der festgestellten höchsten Quantität von Vorkommnissen die Untersuchung komplexer Kontexte. Auf der Grundlage einer Einordnung

der Probleme in die jeweilige Rahmenbedingung soll es Führungskräften gelingen, die adäquaten Maßnahmen und Reaktionen zu veranlassen. Folgende Charakteristika sind dabei für die einzelnen Kontexte

bezeichnend: Einfache Zusammenhänge: Kennzeichnend für einfache Zusammenhänge sind kausal-lineare Beziehungen zwischen Ursache und Wirkung. Die richtige Antwort liegt i.d.R. unmittelbar auf der Hand

und die Aufgabe einer Führungskraft gliedert sich in die Schritte erkennen, einstufen und reagieren. Die zur Anwendung kommenden Verfahren sind stark automatisiert und standardisiert. Snowden und

Boone empfehlen in diesem Kontext einen Führungsstil, der in erster Linie auf Befehl und Kontrolle basiert. Komplizierte Zusammenhänge: Obwohl auch hier der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung

klar ist, ist er nicht für jede Person ersichtlich. Es müssen mehrere Optionen geprüft werden und oft erscheint nicht nur eine als geeignet. Komplizierte Zusammenhänge sind das Gebiet von Experten

und es sind die Schritte erkennen, analysieren und reagieren notwendig. Innovative Ideen sind hier häufig zur Lösung von Problemen erforderlich und gerade deshalb ist im beschriebenen Kontext

festgefahrenes Denken besonders gefährlich.Komplexe Zusammenhänge: Wenn es im Rahmen von komplizierten Relationen noch mindestens eine richtige Antwort gab, so ist es in einem komplexen Zusammenhang

unmöglich, richtige Antworten zu finden. Hier entstehen lediglich aufschlussreiche Muster, wenn eine Führungskraft dies durch Experimente fördert. In einem komplexen Umfeld führt jede größere

Veränderung zu Unberechenbarkeit und Wandel und aufgrund des rein retrospektiven Verständnisses von Geschehnissen in komplexen Kontexten stehen Führungskräfte vor der Herausforderung zunächst

auszuprobieren, anschließend zu erkennen und erst dann zu reagieren.Chaotische Zusammenhänge: In chaotischen Zusammenhängen lassen sich keine Relationen zwischen Ursache und Wirkung ausmachen weil

sie sich permanent ändern und keine überschaubaren Muster existieren. Snowden und Boone sehen die Aufgabe einer Führungskraft unter diesen Bedingungen darin zunächst zu handeln um die Ordnung

wiederherzustellen. Anschließend ist zu prüfen, wo noch Stabilität vorhanden ist um dann bei Instabilität zu reagieren. Ziel muss es sein, eine chaotische Situation in eine komplexe umzuwandeln um

wiederkehrende Muster zu erkennen. Nur so können sowohl Krisen verhindert als auch Chancen wahrgenommen werden. Die Einordnung der auftretenden Probleme in ihre jeweilige Rahmenbedingung hilft

Führungskräften besser zu entscheiden und darüber hinaus Folgeprobleme zu vermeiden. Je nach Kontext liegt der Fokus der Reaktion auf Best-Practice-Lösungen, dem zu Rate ziehen von Experten oder dem

Erkennen von sich wiederholenden Mustern. In chaotischen Situationen ist schnell zu handeln um diese zu transformieren. 4. Für wen?, Unter welchen Bedingungen?Manager und Führungskräfte müssen sich

bewusst sein, dass die meisten ihrer Herausforderungen und Probleme in einem Kontext von Unsicherheit und Instabilität zu bewältigen sind. Eine Reduktion auf kausal-lineare Zusammenhänge erscheint

nur noch in den seltensten Fällen als sinnvoll und die daraus resultierenden Konsequenzen für das weitere Vorgehen sind erfolgsentscheidend. Snowden und Boone sprechen mit ihrem Artikel jeden an, der

seine Problembehandlung auf einem durchdachten und umfassenden Fundament aufbauen möchte denn erst durch das richtige Einschätzen der Rahmenbedingungen lassen sich letztendlich weitere Reaktionen

plausibilisieren. 5. Wie einzuschätzen?Snowden und Boone liefern mit ihrer Forschungsarbeit einen wertvollen Beitrag für das grundlegende Verständnis von Problemzusammenhängen und darüber hinaus

einen Anhalt für den Umgang mit diesen. Dem Leser wird bewusst, dass seine gewählten und zugrundegelegten Annahmen über die vorherrschenden Ordnungszusammenhänge alles entscheidende Faktoren sein

können und weitreichende Implikationen haben. Wenn auch sicherlich die Abgrenzung und Einordnung der einzelnen Zustände endlosen Diskussionsstoff bieten mag, so leistet die Arbeit doch genau an

dieser Stelle ihren Beitrag indem sie dem Leser nicht zuletzt eine Stütze bietet, um verantwortungsbewusst persönliche Annahmen zu reflektieren. Weiterführende Literatur:Boone, M.E.: Managing

interactively; McGraw-Hill 2001 Internet:Der Blog von David J. Snowden: www.cognitive-edge.com/blogs/dave