Wie ehrlich sind Ihre Mitarbeiter? Lügen im Büro

In seinem anschaulichen Beitrag beschreibt Günther Beyer die Ursachen und die Folgen die vorsätzliche Lügen im Arbeitsalltag haben können. Weiterhin zeigt er auf, warum und auf welchem Weg, vor allem Führungskräfte, Ihre Mitarbeiter bei Täuschungsmanövern enttarnen können und auch sollten.

1. Wer, Wann, Wo ?

erschienen in managerSeminare. Das Weiterbildungsmagazin, Heft 117, Dezember 2007, S. 28-34

Der Autor: Günther Beyer trainiert seit über 30 Jahren Führungskräfte. Er ist Spezialist für Verhandlungs- und Überzeugungstechnik und Konzentrations- und Gedächtnisübungen. Beyer ist Gründer und Leiter des Instituts für Creatives Lernen ICL Günther Beyer GmbH sowie der Beyer Seminare GmbH.Kontakt: info@beyer-seminare.de

2. Woher, Wohin, Warum ?

In den letzten Jahren ist, nach einer aktuellen britischen Studie, eine Zunahme von Lügen im Arbeitsumfeld zu beobachten. Diese Erkenntnisse werden auch von einer deutschen Beratungsunternehmung gestützt. Allerdings sollten Lügen im Büro und deren Folgen nicht unterbewert werden. Laut dem Autor, Günther Beyer, sind sie " der Sand im Getriebe, der den Bürobetrieb zum Stottern bringt". Mit dieser Erkenntnis als Motivation zeigt Herr Beyer in seinem Beitrag auf, welcheUrsachen das Phänomen "Lügen" hat, welche Folgen sie im Arbeitsalltag haben können sowie Ansätze für Führungskräfte, Lügner unter Ihren Mitarbeitern zu enttarnen. Dies sollte Ziel eines jeden Managers sein, da Herr Beyer die These vertritt, dass derjenige an Ansehen verliert der belogen wird.

3. Was, Wie, Welche Ergebnisse ?

Der Autor nimmt zunächst eine Unterteilung in "weiße", harmlose Höflichkeitslügen sowie "schwarze" Lügen, die in erster Linie allein dem Vorteil des Lügners oder dem Nachteil eines anderen dienen. Im Laufe des Artikels betrachtet er ausschließlich die "schwarzen" Lügen, obgleich diese nur einen Bruchteil – ca. 5% - der täglichen Schwindeleien ausmachen. Das dieser Anteil stetig zunimmt ist laut einer Studie, die Günther Beyer bemüht, u. a. dem Anstieg an modernen Kommunikationsmitteln zuzuschreiben.

Die große Problematik der schwarzen Lügen sieht der Autor in der Kettenreaktion die diese auslösen: Lügen ziehen weitere Lügen nach sich. Außerdem können sie, gerade für Führungskräfte, Ansehen- und Autoritätsverlust mit sich bringen, da derjenige der sich täuschen schnell als Verlierer gilt.

Grundsätzlich weist der Autor auf drei starke Primärsignale hin, die darauf deuten, dass jemand von der Wahrheit abweicht.

  1. Eine abrupte Veränderung der Körpersprache
  2. Veränderungen in der Stimme, vor allem das Ansteigen der Stimmlage
  3. Stammeln

Neben diesen drei ersten Hinweissignalen gibt es noch rund 50 weitere Hinweise auf Lügen in den Bereichen Sprache, Stimme und Körpersprache.

Herr Beyer weist weiterhin darauf hin, dass es nicht hilfreich ist, dem Gegenüber zu signalisieren, dass man ihm nicht glaubt, da hierdurch Druck erzeugt wird welcher Stressreaktionen auslösen kann, die wiederum als Lügensignale missdeutet werden könnten.

Gibt es allerdings einen berechtigen Verdacht gibt der Autor drei Taktiken vor, welche benutzt werden können, um Lügner zu enttarnen:

Taktik 1: In die Persönlichkeitssphäre eindringen:Durch das Eindringen in den Persönlichkeitsbereichs (ca. eineinhalb Meter um die Person herum) durch Personen die nicht Freunde oder Verwandte sind, werden automatisch Abwehrmechanismen ausgelöst welche einiges an Konzentration erfordern. Dieses Maß an Konzentration bewirkt, dass der Täuscher sich nicht mehr auf sein Manöver konzentrieren kann. Damit ist die Entlarvungsposition der Führungskraft gestärkt.

Taktik 2: Warten, bis der Schwindler sich sicher fühlt:Diese Taktik entlarvt Lügner in einem Überraschungsmoment. Nach dem, für den Mitarbeiter, vermeintlich beendeten Gespräch fragt die Führungskraft explizit dort nach, wo eine Täuschung vermutet wird. Durch die bereits eingetretene Entspannung des Gegenübers ist dessen Konzentration geschwächt und die Position der Führungskraft gestärkt.

Taktik 3: Mit einer Fragenstraße den Täuscher in die Ecke treiben:Die Fragenstraße, die Herr Beyer in seinem Artikel als dritte Taktik anbringt, besteht aus drei Fragetypen: Offene Fragen, geschlossene Fragen (Ja – Nein – Antworten möglich) sowie Alternativfragen (Antwortmöglichkeiten werden vorgegeben). Die unterschiedlichen Herausforderungen der Fragetypen verwirren und überfordern viele Lügner und sie verheddern sich.

Wer bei Täuschungsversuchen der Wahrheit derart konsequent auf der Fährte bleibt, der wird bekannt dafür sein, nicht leicht zu täuschen zu sein. Dies schützt bereits ein Stück weit gegen Lügen. Weiterhin lassen sich Täuschungen oftmals auch bereits durch eine gute persönliche Beziehung, v. a. auch Augenkontakt und Händedruck, vermeiden. Der beste Weg allerdings ist, so der Autor, selbst bei der Wahrheit zu bleiben.

4. Für wen, unter welchen Bedingungen ?

Dieser Beitrag kann für jeden der seinen Alltag in einem Büro bestreitet wertvoll sein. Nicht nur für Führungskräfte auch für Mitarbeiter gleicher Hierarchieebenen gelten die Taktiken.

Lügen gehören leider zum menschlichen Dasein, durch die zunehmend mediale Welt offensichtlich immer mehr– daher ist die Aktualität sicherlich nicht abzustreiten. Vernünftiges, auch taktisches, Vorgehen in der Situation getäuscht zu werden ist sicher etwas was man heutzutage zu dem Bereich der Soft-Skills zählen sollte.

5. Wie einzuschätzen ?

Herr Beyer beschreibt beispielhaft und anschaulich anhand von alltäglichen Bürosituationen Maßnahmen die ergriffen werden können, um Täuschungen zu entlarven und diesen aus dem Weg zu gehen. Die Ansätze sind sicherlich nichts absolut Neues und den meisten schon einmal durch den Kopf gegangen, allerdings ist eine so plakative Auffrischung dieses Wissens sowie der Fingerzeig auf das steigende Ausmaß von Lügen im Arbeitsalltag nicht zu verachten.

Weiterführende Links:

309www.beyer-seminare.de310www.study-train.de