Die Öko-Audit-Verordnung in der Europäischen Union - eine ökonomische Analyse

Die Ausarbeitung von Dominik Hammer gewährt einen umfassenden Überblick über die wirtschaftlichen Vor - und Nachteile der europäischen Öko-Audit-Verordnung (EMAS) aus sowohl staatlicher, als auch unternehmerischer Perspektive.

Die Öko-Audit-Verordnung in der Europäischen Union

- eine Ökonomische Analyse -

von Dominik Hammer[1]

1Einführung

1.1Die Öko-Audit-Verordnung der EU – Aktuelle Entwicklungen

"Die Menschheit kann sich, so wie jede andere biologische Art, über die ökologischeTragfähigkeit eines begrenzten Lebensraums hinaus vermehren. Im Unterschied zu allen anderen Arten aber sind Menschen auch fähig, dies zu erkennen und die Konsequenzendaraus zu ziehen."[2]

Die Verordnung (EWG) Nr.1836/93 des Rates vom 29. Juni 1993 über die freiwillige Beteiligung gewerblicher Unternehmen an einem Gemeinschaftssystem für das Umweltmanagement und die Umweltbetriebsprüfung wird im deutschen Sprachgebrauch auch als"EG [EU; Anm. d. Verf.]-Öko-Audit-Verordnung" bezeichnet.[3]

Kumuliert mit der erweitertenVerordnung der EU Nr.761/2001 vom 19.03.2001 (EMAS II) und deren Inkrafttreten in Deutschland am 04.09.2002 stellt EMAS (Environmental Management and AuditScheme) für nunmehr etwas mehr als 10 Jahre ein supranationales Element deutscher Umweltpolitik dar.[4]

Europaweit haben sich bis zum Jahr 2005 gemäß der EMAS Statistik der EU ca. 3100 (gegenüber 3900 Unternehmen im Jahr 2002) Organisationen zertifizieren lassen. Der Anteil Deutschlands entspricht ungefähr 50 Prozent der EMAS Standorte in der EU mit ca. 1600 (gegenüber 2660 Unternehmen im Jahr 2002) registrierten Unternehmen im Juli 2004. Sowohl europaweit als auch in der inländischen Statistik lassen sich seit 2002 negative Trends bei der Entwicklung der zertifizierten Unternehmen extrapolieren. Der Umweltgutachterausschuss (UGA) hat bereits 2004 beim BMU erste Anregungen zu einer Revision der EMAS Verordnung vorgelegt.

Nicht zuletzt aus aktuellem politischen Anlass, man denke nur an die umweltpolitischen Debatten der letztenMonate in Bezug auf das Weltklima, will die EU-Kommission die gesamten EMAS-Vorschriften überarbeiten, die Veröffentlichung des Entwurfs dieser Überarbeitungen ist noch für diesen Herbst zu erwarten.

1.2Zielsetzung und Systematik der Bearbeitung

Dieser Beitrag wird sich im Folgenden mit der ökonomischen Analyse von EMAS befassen. Die Leitfrage für dieUntersuchung ist dabei die folgende:

Ist EMAS ein ökonomisch sinnvolles Instrument für 1. die staatliche Umweltpolitik in Deutschland und 2.für das Management der teilnehmenden Unternehmung.[5]

In der Systematik der Bearbeitung wird zur Beantwortung der o.a. Leitfrage zunächst in Kapitel zwei eine Analyse aus Sicht des Staates einerseits und der Unternehmung andererseits durchgeführt. Anschließend wird in Kapitel drei aufbauend auf die Analyse ergebnisse eine ganzheitliche Bewertung für beide Untersuchungsobjekte durchgeführt. Abschließend wird mit Kapitel vier im Fazit die Beantwortung der Leitfrage erfolgen und ein Ausblick auf die weiteren Entwicklungen gegeben.

2.Ökonomische Bewertung der Öko-Audit-Verordnung der EU

2.1Zielsetzung und Bewertungskriterien aus Staatsperspektive

Im Wesentlichen leiten sich die staatlichen Zielsetzungen aus der supranationalen Umweltpolitik der EU ab.EMAS als prozedurales umweltpolitisches Instrument sucht den Erfolg anders als die klassischen Instrumente[6]staatlicher Umweltpolitik direkt beim wirtschaftenden Objekt verbunden mit der Öffentlichkeit.[7]

Die Verordnung hat die (freiwillige) Förderung der Eigenverantwortung der wirtschaftenden Unternehmen durch Aufbau geeigneter Systeme zur Bewertung und kontinuierlichen Verbesserung von Umweltschutzmaßnahmen im Rahmen von gewerblichen Tätigkeiten zum Ziel.[8]

Klassische umweltpolitische Instrumente werden in der einschlägigen Literatur oftmals an den ökonomischen Merkmalen der statischen und dynamischen Effizienz, der ökologischen Effektivität, dem Verursacherprinzip und dem Informationsbedarf analysiert.[9]Es erscheint daher sinnvoll, den genannten Kriterienkatalog aus Gründen derVergleichbarkeit auf staatlicher Ebene auch auf die EMAS Verordnung anzuwenden.

2.1.1Ökonomische Effizienz

Statische ökonomische (Kosten-)Effizienz liegt dann vor, wenn die Einführung des durch EMAS vorgeschriebenen Umweltmanagementsystems (UMS) zu den gesamtwirtschaftlich geringsten Kosten erreicht werden kann. Durch den Charakter des Instruments treten hierbei einige Schwierigkeiten auf:

1.Durch die freiwilligeTeilnahme an der EMAS Zertifizierung werden bei weitem nicht alle Unternehmen respektive deren Standorte erfasst. Außerdem ist ein Unternehmen bei der Zertifizierung nach EMAS nicht gezwungen, alle Standorte mit einzubeziehen, es kann also selektiert werden. Damit tritt die individuelle Standortpolitik in den Vordergrund und nicht das UMS per se.

2.Je nach Branche können die individuellen Kosten für eine Zertifizierung des betrieblichen UMS sehr unterschiedlich sein. So haben größere Industriebetriebe (z.B. Chemiebetriebe),die in Folge der hohen umweltpolitischen Regelungsdichte bereits schon vor EMAS zu einem betrieblichen Umweltmanagement gezwungen wurden, tendenziell wenigerKosten für eine Zertifizierung nach EMAS zu tragen, als solche, die noch kein UMS installiert haben. Beispielweise sind dann die Kosten für die Beratung ein wesentlicher Kostentreiber im Hinblick auf die Normierung im Zuge der Maßnahmen beim Aufbau eines UMS.[10]

3. Die Normierung von Managementsystemen wirft ordnungsrechtliche Fragen auf, da der Staat als Kontrollorgan der freiwilligen EMAS Zertifizierung direkt in die Unternehmensführung eingreift.[11]Darüber hinaus wird auch noch eine tiefer gelagerte Problematik berührt. Um den unterschiedlichen betrieblichen Ansprüchen durch Generierung eines effizienten UMS maximal gerecht zu werden, müssten sämtliche individuellen Erfordernisse integriert werden, dies zeigt sich jedoch in der Praxis als wenig praktikabel.

Neben den unter 1.-3.skizzierten statischen Effizienzeigenschaften von EMAS liegt nun das Interesseauf den dynamischen Fakten.

Dynamische Effizienz ist dann gegeben, wenn zusätzliche Anreize bestehen, das individuelle UMS weiter so zu optimieren, dass die gesamtwirtschaftlichen Kosten weiter minimiert werden.

Dazu ist positiv zuvermerken, dass EMAS vom Design her auf langfristige, kontinuierlicheVerbesserungen ausgelegt ist. D.h., die Unternehmen müssen in der periodisch stattfindenden Validierung ihrer Standorte Verbesserungen ihres betrieblichen Umweltschutzes nachweisen. Allerdings wird durch die Zertifizierung des UMS dieses logischerweise für den jeweiligen Standort normiert. Anreizen, das UMS also weiter zu verbessern oder nach effizienteren UMS zu suchen, stehen die erhöhten Aufwendungen zur Untersuchung und ggf. neuen Zertifizierung von Änderungen entgegen. Eine zusätzliche Unsicherheit resultiert auch aus der in der EU Verordnung unscharfen Vorgabe bezüglich des Umfangs der kontinuierlichen Verbesserungen des betrieblichen Umweltschutzes. Hinzu kommt, dass sich ein standardisierter, kontinuierlicher Verbesserungsumfang aufgrund von branchen- und betriebsspezifischenUnterschieden allgemeingültig nicht festlegen lassen wird.[12]

2.1.2Ökologische Effektivität

"Effektivität kann [...] ganz allgemein als der Grad bezeichnet werden, mit dem eine intendierte Wirkung des damit verbundenen Handelns bzw. des Ressourceneinsatz erzielt wird."[13]Zielt man also bei der Frage nach der Effektivität eines umweltpolitischen Instrumentes auf den Grad der Zielerreichung bzw. der intendierten Wirkung ab, so lässt sich neben anderen Aspekten damit auch eine Aussage zum volkswirtschaftlichen Nutzen ableiten.[14]Genau dieser Nutzen ist für die Herleitung der Beantwortung der zu Beginn formulierten Leitfrage von Bedeutung: Erreicht das Instrument EMAS das gewünschte umweltpolitische Ziel?

Schon bei der Formulierung der Ziele, die mit der Generierung von EMAS erreicht werden sollen, treten Schwierigkeiten auf. EMAS als umweltpolitisches Instrument lässt sich schwer quantifizieren.[15]Wenn die Zielsetzung eine eigenverantwortlich kontinuierliche Verbesserung derUnternehmen im Hinblick auf deren betrieblichen Umweltschutz im Rahmen des Aufbaus eines normierten UMS ist, dann wird der eigentliche Prozess zum Ziel. Die ökologische Effektivität lässt sich dieser Kausalität folgend dann mit den absoluten und relativen Zahlen der teilnehmenden Unternehmen/ Standorte ausdrücken. Positiv zu erwähnen ist dabei die Tatsache, dass zu Beginn desJahres 2000, also fünf Jahre nach Einführung, die deutsche Industrie einenEU-weiten Spitzenplatz bei der Beteiligung an EMAS einnahm.

Gründe hierfür liegen u.a. in der vorhandenen Kooperationsbereitschaft der Industrie, die ohnehin bereits vorEMAS durch eine im europäischen Vergleich stark interventionistischen Regulierungstradition im Umweltsektor geprägt war. Der Schritt zur freiwilligen Selbstregulierung durch EMAS stellte somit lediglich eine weitere Institutionalisierung betrieblicher Umweltpolitik dar (zumindest für größere Industriebetriebe, wiez.B. Betriebe der chemischen Industrie).[16]

Auf der anderen Seite muss die vorstehende Aussage im Gesamtzusammenhang der wirtschaftenden Standorte inDeutschland betrachtet werden, will man die Effektivität repräsentativ beurteilen. So entspricht der EU-weite Spitzenplatz mit ca. 2000 zertifizierten deutschen Standorten im Jahr 2000 nur rund 0,7 Prozent der insgesamt in Frage kommenden Betriebe in Deutschland. Diese rein quantitative Betrachtung des Beitrages, den EMAS als umweltpolitisches Instrument leistet, konstatiert die höchst unzureichende Flächendeckung in Deutschland signifikant.[17]

Hinzu kommt, dass dieEntwicklung der zertifizierten Standorte in Deutschland bis zum Jahr 2005 als monoton fallend bezeichnet werden kann.[18]Eine weitere Dimension wird mit der Ausgestaltung des jeweiligen Managementsystems und dem Grad der systembedingten Verbesserung des betrieblichen Umweltschutzes beschrieben.

Nachdem Art und Umfang der kontinuierlichen Verbesserungen nicht vorgeschrieben werden, lässt sich hinsichtlich der Effektivität der EMAS Standorte auch in dieser Mikroebene keine qualifizierte Aussage ableiten.[19]Die Verbindungen zur Analyse der dynamischen Effizienzeigenschaften lassen sich exemplarisch dadurch zeigen.

2.1.3Verursacherprinzip

Neben dem Vorsorgeprinzip und dem Kooperationsprinzip ist das Verursacherprinzip bereits als Grundsatz im ersten Umweltprogramm der Bundesregierung 1971 bis heute als tragendes Prinzip verankert.[20]"Aus ökonomischer Sicht drückt das Verursacherprinzip lediglich dieSelbstverständlichkeit aus, dass derjenige, der Güter in Anspruch nimmt, auch die damit verbundenen Kosten tragen soll. Verursacher ist, wer Kosten hervorruft."[21]Exakt an der oben genannten Selbstverständlichkeit knüpft EMAS an. Der wirtschaftende Standort als Verbraucher von Umwelt wird erstens grundsätzlich zum ökologisch sinnvollen Wirtschaften angehalten und zweitens er soll darüberhinaus seinen betrieblichen Umweltschutz kontinuierlich verbessern. Vom originären Design aus betrachtet, findet man das Verursacherprinzip spätestens durch die EMAS II Verordnung sehr gut umgesetzt.[22]Allerdings wird diese grundsätzliche Aussage zur prinzipiellen Wirkungsweise von EMAS durch den Charakter der Freiwilligkeit außerordentlich relativiert.Mit derselben Argumentationslogik wie unter 2.1.2 reduziert sich mit der deutschlandweit geringen Teilnahme an EMAS das Verursacherprinzip (leider) zu einer Marginalie.

2.1.4Informationsbedarf

Als letztes Kriterium dieserAnalyse wird hier der Bedarf an Informationen durch das staatliche Überwachungssystem betrachtet. Genauer gesagt wird der Informationsbedarf des staatlichen Überwachungssystems[23]zur Implementierung von EMAS untersucht. Faktisch bestehen im speziellen hinsichtlich der Art der benötigten Informationen Kongruenzen zu bereits installierten Berichtssystemen, die aus den staatlichen Regulierungsvorschriften resultieren. Tatsächlich kann man suggerieren, dass durch die Einführung einesUMS nach EMAS auf wesentliche Informationen des staatlich induzierten Berichtswesens zurückgegriffen werden kann. Damit lassen sich Synergien direkt ableiten, und der zusätzliche Informationsbedarf für den Staat wird dadurch minimiert.[24]In Ergänzung wird hier zusätzlich auf einen neuen Gesichtspunkt verwiesen:

Die behördlichen Kontrollen werden gemäß Gesetz auf die Umweltgutachter übertragen, was als Privatisierung von Staatsaufgaben definiert werden kann.[25]Dieser Kausalität folgend wird der staatliche Informationsbedarf minimiert und das Kriterium damit sehr gut erfüllt.

2.2Zielsetzung und Bewertungskriterien ausUnternehmensperspektive

Im Folgenden wird die EMAS Verordnung in der Perspektive der teilnehmenden Unternehmen analysiert. Die Ziele, die Unternehmen mit EMAS verbinden, sind im Wesentlichen mit einer strategischen Frage zu beantworten: Sind wir ohne EMAS morgen noch am Markt (konkurrenzfähig)? Daraus leiten sich strategische Zielsysteme[26]wie z.B. das Stärken der Wettbewerbsposition durch ökologisches Wirtschaften ab.

Mit EMAS wird damit für die teilnehmenden Unternehmen die ökologische Dimension unternehmerischer Ziele angesprochen. Aufbauend auf diese Vorbemerkungen wird demnach zunächst eine Kosten- und Nutzenanalyse im herkömmlichen, monetären Sinne durchgeführt.[27]Im Anschluss daran werden die nichtmonetären (oder indirekt monetären) Ziele mittels einer Analyse auf Basis des ganzheitlichen Managementansatzes durchgeführt.

2.2.1Kosten- und Nutzenanalyse

Zu Beginn des Entscheidungsfindungsprozesses für oder gegen die Teilnahme an EMAS stellt sich zunächst die Frage nach den betriebswirtschaftlichen Kosten.

"DieKostenfrage ist eine der schwierigsten Fragen, da die Kosten abhängig sind von der Größe des Unternehmens, der Branche, den bisher vernachlässigtenUmweltmaßnahmen, die nachzuarbeiten sind, vom Stand der Technik im Unternehmen, von den zu sanierenden Altlasten und alten Kanalsystemen, vom Stand der Qualifizierung der Mitarbeiter, vom Stand des Umweltmanagementsystems, von der Aktivität bezüglich umweltrelevanter Input- und Output Daten, usw."[28]

Die in diesem Zusammenhang anfallenden Kosten lassen sich zumindest hinsichtlich der Kostenarten systematisieren.

Personalkosten entstehen durch die betriebsinterne Bestellung von Umweltbeauftragten bzw. eines betrieblichen Umweltauditteams, das mit sämtlichen planerischen und durchführenden Tätigkeiten in Vorbereitung und Durchführung der Zertifizierung beauftragt wird.[29]Ergänzend dazu können weitere Kosten durch die Einrichtung neu zu schaffender Stellen entstehen, als Beispiel sei hier die Stelle des betrieblichenUmweltbeauftragten genannt.[30]Ergänzend zu den originären Personalkosten können auch Kosten durch den Einsatz von Beratern kommen, die in der Regel im Zuge einer Erstzertifizierung erhebliche Kostentreiber darstellen können.[31]

Durch die Audits werden aber noch zusätzliche personelle Ressourcen beansprucht. So muss sich beispielweise auch die Unternehmensleitung und ggf. weiteres Führungspersonal für die Überprüfung durch den Umweltgutachter zur Verfügung stellen. Dabei entstehen Opportunitätskosten die in Art und Höhe mit dem Umfang der Prüfung korrelieren, jedoch schwer zu quantifizieren sind.[32]

Als zweite Kostenart werden hier die potenziellen Investitionen in den betrieblichen Umweltschutz identifiziert. Nach Art und Umfang höchst individuell unterschiedlich, subsummiert man in diese Kategorie sämtliche investive Tätigkeiten, z.B. zur Verringerung der Emissionstätigkeiten, der Reorganisation der betrieblichen Abfall- und Entsorgungssysteme bis hin zu den Investitionen für die internen und externe Kommunikationsmaßnahmen( Marketing).[33]

Diesen Kosten stehen folgende Nutzenkategorien gegenüber: Kosten: Senkungspotenziale im Beschaffungs-, Produktions- und Entsorgungsbereich, Vermeidung zukünftiger Kosten, Bewahrung vor Fehlinvestitionen, u.v.a.m. Erträge: Erschließung neuer Märkte, Marktanteilszunahme, Produktivitätsverbesserungen, langfristige Gewinnmaximierung durch Abwehr zukünftiger Kosten. Wettbewerb: Wettbewerbsvorteile und Imageverbesserungen, sowie sonstige Gründe wie z. B. Sensibilisierung der Öffentlichkeit, Förderung der Motivation der Mitarbeiter, etc.[34]

2.2.2Ganzheitliches Management

Mit ganzheitlichem Management werden möglichst alle Dimensionen wirtschaftlichen Handelns angesprochen.[35]

Dabei stehen besonders diei nternen und externen Bezugsgruppen eines Unternehmens im Mittelpunkt derUntersuchung. Ziel dieser Analyse ist im Speziellen die Isolierung des unter 2.2 erwähnten nichtmonetären (indirektmonetären) Bezuges, bzw. der durch EMAS implizierten Konsequenzen innerhalb der internen und externen Adressaten.[36]

Durch die Formulierung des betrieblichen Umweltzieles im Rahmen der Zertifizierung nach EMAS richtet das Unternehmen seine Wertschöpfung an dieser (Meta-) Dimension aus.

"Das Unternehmensziel Umweltschutz wird zum einen durch unternehmensinterne Ziele bestimmt, zum anderen aber auch durch externe Vorgaben [...]."[37]

Die internen und externen Effekte, Prozesse und Stimulanzen, die ein ökologisch orientiertes Management implizieren will, lassen sich anhand der in Anhang 2 aufgeführten, vielfältigen Verknüpfungen des Unternehmens erläutern.

DieMitarbeiter stellen hierbei eine Art Schlüssel zum Erfolg dar: Sie sind die internen Promoter des Umweltmanagements, nur und ausschließlich durch sie "lebt" die ökologische Orientierung des Managements.[38]Mitarbeiter sind darüber hinaus an ausreichendem und sicherem Einkommen interessiert, sowie an einem gesunden Arbeitsplatz.[39]Daneben haben externe Anspruchsgruppen folgende Interessen und Ziele: Kunden haben ein gesteigertes Interesse an zufriedenstellender Produktqualität zu einem fairen Preis, die Unternehmenseigentümer (Kapitalgeber) sind an der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit und einer tendenziellen Gewinnorientierung interessiert.

Lieferanten sind an einer langfristigen Geschäftsbeziehung interessiert während die Konkurrenz permanent versucht, Wettbewerbsvorteile zu erzielen. Als letztes sei die interessierte Öffentlichkeit, die Gesellschaft[40]genannt. Im Zeitalter der absoluten, permanent bereitgestellten und abgerufenen Echtzeitinformation ist die Gesellschaft ander Art und Weise, wie ein Unternehmenwirtschaftlich handelt, interessiert. Nachhaltiges und umweltverträgliches Handeln werden erwartet.[41]

Gerade aus dem zuletzt gesagten wird der Stellenwert einer ökologisch geprägten Unternehmensführung deutlich. Die Verbindung zu dem längst als Erfolgsfaktor verankerten Qualitätsbewusstsein wird deutlich. Es ist kein Total Quality Management ohne Umweltmanagement möglich.

3GanzheitlicheBewertung der Öko-Audits

3.1Vor- und Nachteile für den Staat

Die Untersuchung hinsichtlich der Effizienzkriterien lässt den Schluss auf ein statisch ineffizientes umweltpolitisches Instrument zu. Wesentlicher Ausschlag dafür ist das nichtdefinierbare optimale UMS und die unterschiedlichen Ausgangsvoraussetzungen derStandorte.

Hinsichtlich der dynamischen Effizienz lassen sich Anreize tendenziell erkennen. Trotzdem muss auch hier von einem dynamisch relativ ineffizienten System ausgegangen werden, da der Prozess der kontinuierlichen Verbesserung als Bewertungskriterium bei der dreijährig stattfindenden Validierung als unternehmensstrategisches Kalkül betrachtet werden kann.[42]

Das Effektivitätskriterium ist im Hinblick auf die absoluten und relativen Teilnahmezahlen in Gänze nicht erfüllt. Ebenfalls ist der Verursachergrundsatz durch die Freiwilligkeit und durch die Teilnahmezahlen als nicht umgesetzt zu werten. Einzig die Frage nach dem staatlichen Informationsbedarf kann überaus positiv gewertet werden. Der Hinweis auf die hier festzustellende Privatisierung von Staatsaufgaben bietet zusätzlich Berührungspunkte zu einem weiteren Prinzip deutscher Umweltpolitik, dem Kooperationsprinzip. Dieses ist ebenfalls positiv berücksichtigt.[43]

3.2Vor- und Nachteile für das Unternehmen

Die in der Kosten- und Nutzenanalyse wesentlichen Vorteile aus Unternehmenssicht sind dieKostensenkungspotenziale die EMAS generieren kann.[44]Sicherlich stehen diesen Kostensenkungen zunächst jedoch mehr oder weniger ausgeprägt Anfangsinvestitionen entgegen, die es zu amortisieren gilt. Gerade aber im Hinblick auf das ganzheitliche Management mit der Umweltorientierung als eine (wesentliche) Ausprägung des Total Quality Managements einer Unternehmung, ist diese Amortisationsrechnung auch und gerade vor dem Hintergrund von nicht zwingend quantifizierbaren Einflussgrößen wie beispielsweise der Reputation des Unternehmens in der Gesellschaft zu betrachten.

Wenn ein Unternehmen also EMAS als Umweltmanagement in seinen gesamten Wertschöpfungsprozess integriert, dann werden zwangsläufig auch vor- und nachgelagerte Wertschöpfungsstufen mit einbezogen und ein Ketteneffekt (mindestens in der Branche) kann (wird) die Folge sein. Dies stellt dann die maximale Ausprägung der integrativen Wirkung von EMAS dar. Der Gedanke der Umweltverantwortung wird entlang der kompletten Wertschöpfung umgesetzt, und dies freiwillig!

4Fazit und Ausblick

Aus ökonomischer Sicht ist EMAS für den Staat kein sinnvolles umweltpolitisches Instrument. Trotz der dargestellten Ineffizienzen und der wegen der Freiwilligkeit immanenten marginalen Effektivität ist EMAS jedoch der richtige Schritt hin zu einem ökologisch verantwortungsbewussten Wirtschaften. Nur wenn die Verantwortung für die Umwelt in den Köpfen derer verankert wird, die Umwelt ge- und auch zwangsläufig verbrauchen, ist die Umsetzung des Nachhaltigkeitsgedanken Erfolg versprechend.

Wird also aus Staatssicht die Leitfrage negativ beantwortet, so verhält sich der Nutzen von EMAS für die Unternehmen positiv reziprok. Ein Unternehmen kann in der heutigen Konkurrenzsituation ohne Umweltmanagement nicht mehr seine strategische Erfolgsposition halten. Die Frage bleibt dann nur noch zu klären, welches Umweltmanagementsystem eingeführt werden soll. EMAS oder ISO 14001?[45]

KlarerVorteil der ISO 14001 Norm ist die weltweite Gültigkeit und die Übertragbarkeit auf die Produkte einer Unternehmung. Demgegenüber steht die qualifiziertere EMAS Verordnung bei Fragen der Veröffentlichungspflichten von Umwelterklärungen und der Einhaltung von betrieblichen Umweltschutzzielen.[46]Somit ist deutlich, dass EMAS im ökologischen Sinn die qualifiziertere Zertifizierung abbildet. Jedoch nur des Standortesund nicht der Produktein der Europäischen Union.

Es bleibt also abzuwarten, wie sich die in der Einleitung skizzierten Entwicklungen der teilnehmenden Unternehmensstandorte weiter entwickeln. Entscheidend dürften hierbei auch die angekündigten Revisionen und Weiterentwicklungen der EMAS Verordnung sein. Für das Fortbestehen der EMAS Verordnung sollte dabei eine intelligenteVerknüpfung zu der ISO 14001 Norm gefunden werden, um damitUnternehmensstandorte und die Produkteweltweit mit europäischer Umweltqualität als strategischer Wettbewerbsfaktor vermarkten zu können.

"Deutschland und Europa brauchen [deshalb] einen neuen Aufbruch, der die Ziele erfolgreicher wirtschaftlicher Entwicklung und wirksamen Klima- und Umweltschutz mit den sozialen Anliegen der Menschen im Sinne eines nachhaltigen Wirtschaftens im 21. Jahrhundert zusammenführt."[47]

Quellen

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[1]Dominik Hammer ist wissenschaftlicherMitarbeiter an der Professur für Controlling, Universität der BundeswehrMünchen. Der Beitrag basiert auf einem internen Studienpapier, das durch den Autor an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg angefertigt wurde.

[2]Meadows, Dennis und Donella: Dieneuen Grenzen des Wachstums; die Lage der Menschheit: Bedrohung und Zukunftschancen, 4. Auflage, Stuttgart, 1992, S.136.

[3]Vgl. Umweltbundesamt:Umweltaudit-Verordnung-Öko Audit, Letzte Aktualisierung 07.12.2005, www.umweltbundesamt.de/uba-info-daten/daten/umwelt-audit-verord-nung.htm,Stand: 05.02.2006. Ergänzend wird hierbei erwähnt, dass die Bezeichnung Öko-Audit zu einigen Verwechslungen führen kann, bezeichnet doch das Wort Audit die eigentliche Prüfung der Umwelt. Mit der o.a. Verordnung wird jedoch weitmehr als nur die Prüfung der Umwelt angesprochen wie im Folgenden noch erkenntlich werden wird. Die englische Übersetzung, in Kurzform EMAS (Environmental Managementand Audit Scheme), trifft die Überlegungen und Wirkungsweisungen dieses supranationalen Instruments der Umweltpolitik treffender. Ausführlicher zu diesem Sachverhalt: Vgl. Ebinger, Frank: Die EMAS-Verordnung – Einführung in die Diskussion, in:Ebinger, Frank (Hg.): Geprüftes Umweltmanagement, Erfahrungsberichte und Praxisbeispiele,Eschborn, Rationalisierungs-Kuratorium der deutschen Wirtschaft (RKW) e.V.,1997, S.13. Der Logik Ebingers folgend, wird in diesem Beitrag ebenfalls ausschließlich der Begriff EMAS verwendet.

[4]Vgl. Bundesgesetzblatt:Bekanntmachung der Neufassung des Umweltauditgesetzes, Bundesgesetzblatt Jahrgang 2002 Teil I Nr.64, Bonn, 2002.

[5]Nachdem EMAS wie bereits dargelegt ein supranationales Element dt. Umweltpolitik mit der Wesenseigenschaft der Freiwilligkeit auf Seiten des Betroffenen (der Unternehmungrespektive des Standortes) ist, erscheint eine Analyse aus sowohl staatlicher und auch unternehmerischer Seite als sinnvoll. Eine Beantwortung der Leitfrage ist im ökonomischen Gesamtkontext nur dann umfassend möglich, wenn beide Analyseebenen hinsichtlich geeigneter Kriterien beleuchtet werden. Die Frage nach der ökonomischen Bewertung stellt sich also zwingend dem teilnehmenden Unternehmen: Soll ich (gemeint ist das Management eines beliebigenUnternehmens) an dieser Zertifizierung nach EMAS partizipieren? Was kostet mich das? In welcher Relation stehen diese Kosten zu welchem individuellen Nutzen für mein Unternehmen? Diese unternehmerischen (strategischen) Leitfragen stellen sich bei den klassischen ordnungsrechtlichen Instrumenten wegen der gesetzlichen Verpflichtung nicht. Gerade deshalb ist aber eine Analyse differenziert nach der Betrachtungsweise des Instrumentes von entscheidenderBedeutung für die ganzheitliche ökonomische Bewertung, deren Ziel dieser Beitrag gemäß der formulierten Leitfrage hat.

[6]Unter klassischen umweltpolitischen Instrumenten werden die im deutschen Rechtsraum etablierten fiskalischen und nichtfiskalischen Instrumente, wie z.B. Umweltauflagen,-abgaben, Verbote, Gebote, etc. verstanden. Zur Übersicht über die bestehendenI nstrumente vgl. u.a. Fritzler, Marc: Ökologie und Umweltpolitik, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn, 1997, S.83.

[7]Vgl. Heinelt, Hubert u.a.:Prozedurale Umweltpolitik der EU, Opladen, Leske+Budrich, 2000, S.57.

[8]Vgl. Verordnung (EWG) Nr. 1836/93des Rates vom 29.Juni 1993 über die freiwillige Beteiligung gewerblicherUnternehmen an einem Gemeinschaftssystem für das Umweltmanagement und die Umweltbetriebsprüfung, in: Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaft, Nr.168/1-18 vom 10.07.1993, S.1., europa.eu.int/eur-lex/lex/LexUriServ/LexUriServ. do? uri =CELEX :31993R1836:DE:HTML, Stand 06.02.2006.

[9]Vgl. Schwarz, Sabine: DieEuropäisierung der Umweltpolitik: politisches Handeln im Mehrebenensystem, Berlin, Edition Sigma, 2001, S.172ff, und vgl. Cansier, Dieter: Umweltökonomie,2.Aufl., Stuttgart, Lucius&Lucius, 1996, S.214ff., sowie vgl. Hillenbrand,Olaf: Europa öko-logisch?: Wirkungs- und Störfaktoren der europäischenUmweltpolitik, in: Weidenfeld, Werner (Hg.): Mainzer Beiträge zur Europäischen Einigung; Bd. 17, Bonn, Europa Union Verlag, 1994, S.101ff.

[10]In diesem Zusammenhang muss auf diet eilweise enge Verflechtung von Prüfung und Beratung hingewiesen werden. EinThemenkomplex, der im Bereich der Wirtschaftsprüfungen zu erheblichen Konsequenzen geführt hat (Stichwort: Unvereinbarkeit von Prüfung und Beratung) liegt leider auch bei dem Design von UMS auf der Hand: Große Prüfungsgesellschaften bieten neben ihren klassischen Prüfleistungen auch eine umfassende Beratungsleistung an. Nicht selten wird die Validierung eines Standortes schlussendlich von der gleichen Gesellschaft durchgeführt was erhebliche Neutralitätsbedenken mit sich zieht. Vgl. Ebinger, Frank: a.a.O., S.18.

[11]Gemäß Art.6, Abs.1, 2 und Art.18,Abs.1 EMAS Verordnung haben die Mitgliedstaaten den Auftrag, durch Einrichtung eines Zulassungs- und Aufsichtssystems und Benennung der für die Registrierung zuständigen Stellen die Durchführung des Gemeinschaftssystems sicherzustellen.Vgl. dazu Heinelt, Hubert u.a.: a.a.O., S. 161ff.

[12]Vgl. Fischer, Wolfgang und Pärsch,Joachim: Erfahrungsbericht aus Pilotzertifizierungen von Umweltmanagementsystemen aus der Sicht der Zertifizierungsstelle, in: Petrick,Klaus und Eggert, Renate: Umwelt- und Qualitätsmanagementsysteme – Eine gemeinsame Herausforderung – , München, Wien, Carl Hanser Verlag, 1995,S.262ff.

[13]Ricken, Christian: Determinanten der Effektivität der Umweltpolitik: der nationale Politikstil im Spannungsfeldvon Ökonomie, Politik und Kultur, Frankfurt am Main; Berlin; Bern; New York;Paris; Wien, Lang – Europäischer Verlag der Wissenschaften – Schriften zur Wirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik; Bd. 7, 1997, S.24.

[14]Vgl.Ricken, Christian: a.a.O., S.25.

[15]Vgl. dazu die Ziele von EMAS unter2.1.

[16]Vgl. Knill, Christoph: EuropäischeUmweltpolitik: Steuerungsprobleme und Regulierungsmuster im Mehrebenenvergleich, Opladen, Leske+Budrich, 2003, S.210.

[17]Vgl. Heinelt, Hubert u.a.: a.a.O.,S.422.

[18]Vgl. Homburger Birgit, Brunkhorst,Angelika und Kauch, Michael: a.a.O.

[19]Vgl. Cansier, Dieter: a.a.O.,S.298.

[20]Vgl. Freimann, Jürgen: BetrieblicheU mweltpolitik: Praxis – Theorie – Instrumente, Bern; Stuttgart; Wien, Haupt,1996, S.106.

[21]Cansier, Dieter: a.a.O., S.128.

[22]Erst mit EMAS II werden auch Dienstleistungsunternehmen zur Zertifizierung berechtigt. Was also zunächst ausschließlich für das produzierende Gewerbe vorgesehen war findet damit seine(sinnvolle) Erweiterung in den tertiären Faktor der Volkswirtschaft. Vgl.hierzu o.V.: Wir kennen EMAS bereits was hat sich durch die Novelle (EMAS II) geändert? www.emas-logo.de/Wissenswertes/Was_hat_sich_durch_die_Novelle.html,Stand: 06.02.2006. Siehe dazu auch die Übersicht der teilnehmenden Branchen in Anlage 1.

[23]Zu Genese und Design der staatlichen Überwachung durch die Deutsche Akkreditierungs- undZulassungsgesellschaft (DAU), die Umweltgutachter und den Umweltgutachterausschuss (UGA), vgl. Heinelt, Hubert u.a.: a.a.O., S.161f.

[24]Vgl. Goetzke, Ina u.a.: Erfüllung ordnungsrechtlicher Umweltschutzregelungen durch Unternehmen im Rahmen der Umsetzungdes EG-Öko-Audit-Systems, in: Umweltforschungsplan des Bundesministeriums fürUmwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: Forschungsbericht 296 15 177 UBA-FB99-023, Berlin, 1999, S.7f. Analog zu der Argumentation unter 2.1.1 kann allerdings aufgrund der unterschiedlichen betrieblichen Voraussetzungen vorEinführung der UMS keine abschließende Aussage hinsichtlich des tatsächlichen Informationsbedarf der Umweltprüfer getroffen werden. Es ist weiterführend zu vermuten, dass Prüfer von Standorten, die aufgrund Eigenart und Durchführung des Gewerbes bisher wenigen umweltpolitischen Instrumenten unterlagen, einen erheblichen Informationsaufwand im Zuge der Zertifizierung erwarten lassen.

[25]Vgl. Heinelt, Hubert u.a.: a.a.O.,S.181.

[26]Letztlich lassen sich unternehmerische Ziele mit einem Zielsystem beschreiben, allem voran natürlich die originäre Outputorientierung, die jedem Management zunächst unterstellt werden kann. Das Ziel der Gewinnmaximierung, wie beispielweise in einschlägigen Standardwerken der Betriebswirtschaftslehre oftmals als Primärziel formuliert,z.B. vgl. Wöhe, Günter: Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre,19., neubearbeitete Aufl., München , Vahlen, 1996, S.124ff., ist allerdings nachweislich nicht mehr isoliert zu betrachten. Vielmehr sieht sich das Unternehmen neben dem klassischen unternehmerischen Leidensdruck zusehends auchsogenannten "weichen" Faktoren wie ethischen Sachzwängen gegenübergestellt. Das ökologische Wirtschaften ist eine der Dimensionen der ethischen Verantwortung der Unternehmensführung. Vgl. zur ethischen Dimension des Wirtschaftens z. B.Philipp, Andreas: Die Selbstverantwortung der Betriebswirtschaft – Versuche iner gesellschaftsorientierten Haltung, Diss., München, Universität der Bundeswehr München, 2000.

[27]Vgl. Schaltegger, Stefan:Öko-Effizienz durch Öko-Controlling: zur praktischen Umsetzung von EMAS und ISO14'001, Stuttgart, Schaeffer-Poeschel, 1995, S.13f.

[28]Willig, Mathias: Vom entsorgenden Umweltschutz zum zukunftsorientierten Umweltmanagement – nicht ohneUmweltqualifikation, in: Ebinger, Frank (Hg.): a.a.O., S.199.

[29]Vgl. Schreiner, Manfred: Umweltmanagement in 22 Lektionen: ein ökonomischer Weg in eine ökologischeWirtschaft, 2., überarb. Aufl., Wiesbaden, Gabler, 1991, S.84ff. Gerade bei der Form der Übertragung bestimmter Aufgabengebiete zusätzlich zu den weiterhin auszuführenden Primärtätigkeiten fallen auch Kosten für die qualifizierte Aus-und Weiterbildung des Personals an, die ihrerseits wieder Opportunitätskosten durch das Fehlen der originären Stelleninhaber im betrieblichenWertschöpfungsprozess implizieren.

[30]Freimann spricht hierbei von einerProfessionalisierung des Umweltschutzes durch Stellenbildung. Vgl. Freimann,Jürgen: a.a.O., S. 477ff.

[31]Addiert man also die betrieblichenPersonalkosten inklusive der Kosten für Aus- und Weiterbildung mit den externen Beratungskosten, so erhält man die Gesamtkosten der Kostenart Personalkosten für die Implementierung von EMAS.

[32]Vgl. Willig, Mathias: a.a.O.,S.199f.

[33]Es wird hier aus Gründen derKomplexität auf die detailliertere Darstellung weiterer Kosten verzichtet, wohlwissend dessen, dass somit nur ein kleiner Ausschnitt der relevanten Kostenarten dargestellt wird. Nichtsdestotrotz konnten o.a. Kostenarten in der angegebenen Literatur als die Hauptkostenarten bei Einführung eines UMS lokalisiert werden.

[34]Vgl. Bleis, Christian:Öko-Controlling: betriebswirtschaftliche Analyse zur systematischen Berücksichtigung von ökologischen Aspekten durch Unternehmenscontrolling, Frankfurt am Main; Berlin;Bern; New York; Paris; Wien, Lang, 1995, S.49.

[35]Speziell geht es bei ganzheitlichemManagement darum, die oftmals suggerierte Gewinnausrichtung der Unternehmen nicht in den Mittelpunkt zu stellen. Siehe auch Anmerkung 26.

[36]Vgl. Anlage 2.

[37]Butterbrodt, Detlef u.a.: Umweltmanagement, Moderne Methoden und Techniken zur Umsetzung, in: Kaminske,G. F. (Hg.), Umweltmanagement, München; Wien, Carl Hanser, 1995, S.42.

[38]Dieser Aussage liegt die allgemeine Auffassung zu Grunde, dass das Unternehmen als sozio- technisches Systembegriffen wird.

[39]Vgl. Petrick, Klaus: Das Konzept der Zusammenführung von Qualitätsmanagement und Umweltmanagement, in: Petrick, Klaus und Eggert, Renate: Umwelt- und Qualitätsmanagementsysteme – Eine gemeinsame Herausforderung – , München, Wien, Carl Hanser Verlag, 1995, S. 4.

[40]Es ist lohnend, sich kurz über die Gesellschaft ein paar tiefer gehende Gedanken zu machen. Gibt es die eine Gesellschaft überhaupt noch? Wie definiert beispielweise ein ‚Global Player'seine Anspruchsgruppe Gesellschaft? Als Weltgesellschaft?? WeiterführendeGedanken würden (leider) den Rahmen dieses Beitrages signifikant übersteigen.

[41]Vgl. Petrick, Klaus: a.a.O., S.4ff.

[42]Vgl. Cansier, Dieter: a.a.O, S.298.

[43]Vgl. Freimann, Jürgen: a.a.O.,S.104. Die Frage nach dem Kooperationsprinzip als Bewertungskriterium stellt sich zwangsläufig aus dem Design von EMAS. Nachdem eines der wesentlichen Zieledie freiwillige Übernahme von (ökologischer) Verantwortung ist, erklären sichalso die Unternehmen bereit, durch die Validierung ihrer Standorte eine zusätzliche ökologische Kooperation mit den entsprechenden Gebietskörperschaften einzugehen. Die Kooperationsformen beschränken sich dabei nicht nur auf die Zusammenarbeit mit dem durch den Staat eingesetzten Umweltgutachter, sondern erstrecken sich über die Interessensvertretungen der Industrie und der umweltaktiven Verbände und Organisationen in einen nachhaltigen Dialog. Dieser ist u.a. auch bei der Genese der Institutionalisierung der EMAS Verordnung bei der Generierung der DAU und des UGA zu Tage getreten. Vgl. dazu vertiefend Heinelt, Hubert u.a.: a.a.O., S.162ff.

[44]Vgl. Friebel, Matthias: Die neueNorm ISO 14000ff versus EMAS Verordnung, in Ebinger, Frank (Hg.): a.a.O., S.286.

[45]Diese Frage ist speziell vor dem Hintergrund der in der Einleitung unter 1.1 aufgeführten, negativen Entwicklungstendenz der nach EMAS zertifizierten Unternehmen in Deutschland zu betrachten. Auf die genauen Unterschiede wird im Rahmen dieser Arbeit jedoch nicht eingegangen. Entscheidend ist jedoch die Tatsache, dass die weltweit gültige ISO 14001 Norm oftmals als scharfe Konkurrenz zu der (nur) europäischen EMAS Norm in der Literatur aufgeführt wird. Vgl. Heinelt, Hubert u.a.: a.a.O., S. 77f. Diese Konkurrenz ist aber seit der EMAS II Verordnung nicht mehr existent. Vielmehr handelt es sich jetzt um ein Stufensystem, d.h. ISO 14001 ist bei der EMAS II Zertifizierungdes UMS als sozusagen ‚Vorstufe' enthalten. Vgl. o.V.: Hintergrundpapier des Umweltgutachterausschusses zur Frage der 63. UMK zu einem "zukunftsfähigen EMAS" in Deutschland, 29.09.2005, Berlin, S.3. www.umweltgutachterausschuss.de downloads/ Zukunft EMAS_Hintergrundpapier.pdf. Stand: 14.02.2006.

[46]Vgl. Friebel, Matthias: a.a.O., S.285f, sowie vgl. o.V.: Stellungnahme des Umweltgutachterausschuss zur Frage der 63. UMK zu einem "zukunftsfähigen EMAS" in Deutschland, 29.09.2005, Berlin,S.2. http:// www.umweltgutachterausschuss.de/ downloads/ ZukunftEMAS_Stellungnahme.pdf. Stand: 14.02.2006.

[47]Bundesregierung: Gemeinsam fürDeutschland – mit Mut und Menschlichkeit, Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSUund SPD vom 11.11.2005, Nr. 2671-2674,http://www.bundesregierung.de/Anlage921232/Der+gesamte+Koalitionsvertrag+im+Worlaut+.pdf,Stand: 10.02.2006.