Freiheit ist nur als begrenzte schön ... Freiheit durch Strukturierung im Qualitätsmanagement

Qualitätsmanagement und vor allem die DIN EN ISO 9001 haben im Bereich Dienstleistungen / soziale Einrichtungen nicht den besten Ruf. Der Beitrag zeigt Wege und Möglichkeiten auf, Qualitätsmanagementsysteme zur Wertschöpfung zu nutzen und durch systematische Strukturierung mehr Freiräume ins Unternehmen zu bringen.

1. Wer, Wann, Wo ?

Der Artikel erschien in der Zeitschrift "Qualität und Zuverlässigkeit" 2003.

Händel-Matthes G. / Eckert H .Grenzenlose Freiheit? Gestaltungsfreiheit durch Strukturierung im Qualitätsmanagement.Qualität und Zuverlässigkeit 2003 (48);2:88-89.

H. Eckert ist Leiter des Bereichs ManagementQualität am Deutschen Institut für Gesundheitsforschung in Bad Elster und als Lead-Auditor für den TÜV Nord und den TÜV Rheinland tätig. Er bildet QM-Beauftragte, Q-Manager Auditoren und Qualif. Assessoren in akkreditierten Lehrgängen aus und ist erfolgreich als Unternehmensberater in zahlreichen Kliniken an der Einführung und Weiterentwicklung von verschiedensten QM-Systemen beteiligt. Darüber hinaus ist er Akkreditierungsbeauftragter der Bundesagentur für Arbeit für das Managementsystem nach AZWV.

Dr. Händel ist akkreditierte TQM-Auditorin und Leiterin des DGQ-Regionalkreises Oberfranken. Sie leitet zahlreiche QM-Projekte in der Automobilindustrie.

2. Woher, Wohin, Warum ?

Viele Anwender der DIN EN ISO 9001 erleben die Norm als rigides Instrument, welches Unternehmen wenig Spielraum lässt. Viele Berater und Qualitätsbeauftragte versuchen noch immer, ihr Unternehmen der Norm anzupassen anstatt die Freiheiten und Interpretationsspielräume der DIN EN ISO 9001:2000 zu nutzen und ihr eigenes, individuelles Qualitätsmanagementsystem "zu bauen" - also die Norm ihrem Unternehmen anzupassen. Dies kann allerdings nicht ohne Strukturen geschehen, die wiederum von der DIN EN ISO 9001 sehr wohl gefordert werden.

3. Was, Wie, Welche Ergebnisse ?

Qualitätsmanagement und vor allem die DIN EN ISO 9001 haben im Bereich Dienstleistungen / soziale Einrichtungen nicht den besten Ruf. Sie gelten als Formalismen, als Restriktionen für die Mitarbeiter. ISO – Idioten Sammeln Ordner – ein Akronym, das wohl nicht mehr kommentiert werden muss. Für manche Führungskräfte ist Qualitätsmanagement gleichbedeutend mit Mitarbeiterkontrolle, und Transparenz bedeutet dann selbstverständlich nur Transparenz in eine Richtung: transparent sein muss einzig und allein die Leistung der jeweils untergeordneten Belegschaft.

Doch es geht auch anders: Qualitätsmanagement bedeutet die kontinuierliche Verbesserung der Organisation unter Einbeziehung aller Mitarbeiter, wobei "Empowerment" gefordert ist und nicht Despotismus. Qualitätsmanagementmodelle und damit auch die DIN EN ISO 9001:2000 geben vor, dass man in der Organisation bestimmte Dinge regeln muss – wie sie geregelt werden, bleibt der Organisation vorbehalten und wird in den Modellen nicht nachdrücklich betont. Das heißt aber auch ganz klar, Sie werden genau das bekommen, was Sie wollen: Wenn es nur um ein Zertifikat geht, dann wird das Qualitätsmanagement-System auch nur das leisten, was für das Zertifikat notwendig ist. Nur wenn Sie sich voll und ganz für QM entscheiden, wird es Ihnen gelingen, die bekannten Potenziale und wirtschaftlichen Vorteile zu nutzen. Der Beitrag zeigt Wege und Möglichkeiten, Qualitätsmanagementsysteme zur Wertschöpfung zu nutzen und durch systematische Strukturierung mehr Freiräume ins Unternehmen zu bringen.

Die beiden Autoren zeigen auf, dass die Qualitätsmanagement-Norm strukturelle Regelgungen einfordert, die als Voraussetzung für Freiräume gesehen werden müssen. Denn Freiheit ohne Struktur bedeutet Chaos. Die Norm auf diese Art und Weise interpretiert hilft Unternehmen, sich weiterzuentwickeln und einen hohen Flexibilitätsgrad mit enormen Sicherheiten zu realisieren.

4. Für Wen, unter Welchen Bedingungen ?

Der Artikel richtet sich an QM-Beauftragte und Geschäftsführer von Unternehmen, die "mehr" aus ihrem QM-System machen wollen - mehr Erfolg, mehr Effizienz, mehr Wertschöpfung, aber auch an Auditoren, die gefordert sind, Unternehmen Interpretationsspielräume aufzuzeigen und nicht nur Normerfüllung sondern auch Effizienz der Normanwendung zu auditieren.

5. Wie einzuschätzen ?

Während zu kurz gefasstes QM-Verständnis unter Strukturqualität eher statische Dinge, wie Ausstattung und Materialien, versteht, weiten die Autoren den Blick und fordern unter dem Begriff der Strukturqualität auch strukturierte Abläufe, strukturierte Kommunikation und strukturierte Informationsflüsse. Auf dieser Basis lassen sich flexible Prozesse entwickeln und plötzlich schafft Qualitätsmanagement Freiheit!