Der CRO im deutschen Markt für Restrukturierung

Unternehmenskrisen gehören zum wirtschaftlichen Alltag. Dabei wird zur Krisenbewältigung oftmals auf Spezialisten mit entsprechendem Know-how zurückgegriffen. Seit einigen Jahren kommt verstärkt der sog. "Chief Restructuring Officer" (CRO) zum Einsatz, der die notwendigen Maßnahmen nach innen und außen bündeln und einen Turnaround herbeiführen soll. Die folgende Studie fasst die Ergebnisse eines Kooperationsprojektes der KPMG Advisory und der Justus-Liebig-Universität Gießen zur Rolle und Bedeutung des CRO im deutschen Restrukturierungsmarkt zusammen.

Registrierte Nutzer erhalten eine ausführliche Erläuterung zu diesem Beitrag in der Langfassung über den oben angegebenen Link!1. Wer, Wann, Wo ?Die vorgestellte Studie entstand im Rahmen eines

Kooperationsprojekts zwischen dem Lehrstuhl für Unternehmensführung und Organisation der Justus-Liebig-Universität Gießen und der KPMG Advisory, Bereich Restrukturierung. Beide institutionellen

Partner haben seit Jahren Expertise im Bereich Restrukturierung und Sanierung. Neben der KPMG kooperiert der Lehrstuhlinhaber Prof. Krüger aktiv mit dem Fachverband Sanierungs- und

Insolvenzmanagement des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater (BDU).Die operative Arbeit der Erhebung wurde von den Diplomarbeitern Michael Völpel und Andreas Pauli erstellt, die inzwischen

beide selbst als Restrukturierungsberater tätig sind. Diese wurden betreut von PD. Dr. Norbert Bach (Uni Gießen) und Dr. Pantaleon Fassbender (KPMG).2. Woher, Wohin, Warum ?Seit einigen Jahren wird

vor allem von US-amerikanischen Beratungsgesellschaften der Einsatz eines Chief Restructuring Officers (CRO) als Maßnahme der Krisenbewältigung stark propagiert. Die Befürworter dieses Konzeptes

erheben mit dem CRO Anspruch auf ein neues Berufsbild, das es ermöglicht, die nötigen Restrukturierungsmaßnahmen nach innen und außen zu bündeln und eine positive Trendwende des Krisenunternehmens

herbeizuführen, noch bevor Insolvenz angemeldet werden muss. Kritiker hingegen verweisen auf ungeklärte Rollen in der Restrukturierungsberatung und geben zu bedenken, dass es sich bei dem CRO auch um

"alten Wein in neuen Schläuchen" handeln könne. In der vorgestellten Studie geht es daher um die Klärung folgender Fragen:Was versteht der deutsche Markt unter einem CRO?Welches sind die Aufgaben

eines CRO?Wie unterscheidet sich die CRO-Tätigkeit vom Handeln eines Restrukturierungsberaters?Besitzen erfolgreiche CROs als Krisenexperten andere Persönlichkeitseigenschaften als die vermeintlichen

"Schönwetterkapitäne" der Linienmanager?Die Ergebnisse der Studie sollen zur Klärung der Arbeitsteilung zwischen den an einer Restrukturierung beteiligten Personen(gruppen) beitragen. Darüber hinaus

könnten identifizierte Unterschiede in der Persönlichkeitsstruktur Hinweise zum Nutzen von Persönlichkeitstests zur Besetzung von Interim Management Mandaten geben.3. Was, Wie, Welche Ergebnisse ?In

einem ersten Untersuchungsschritt wurden 30 halbstandardisierte Interviews mit Vertretern der verschiedenen Anspruchsgruppen eines Unternehmens geführt. Hierzu zählen Eigentümer, Banken, Private

Equity Gesellschaften, Management, Mitarbeiter, Restrukturierungsberater und Interim Manager mit Schwerpunkt Restrukturierung/Sanierung.Eine inhaltsanalytische Auswertung der Interviews zeigt auf,

dass der CRO kein neues Konzept ist, sondern unter anderen Bezeichnungen (z.B. Turnaroundmanager) bereits seit den 80er Jahren am deutschen Restrukturierungsmarkt zu finden ist. Neu ist allerdings

die Aufmerksamkeit, die der CRO durch die aktive Vermarktung der meist anglo-amerikanischen Anbieter dieser Dienstleistung erfährt.In einer Detailanalyse kristallisieren sich zwei unterschiedliche

Typen des CRO heraus. Während der CRO-CEO typischerweise das bisherige Topmanagement ersetzt und insbesondere wegen seiner Umsetzungs- und Durchsetzungskompetenz ins Unternehmen geholt wird, steht

der CRO-CFO der bisherigen Führungsmannschaft mit seiner finanzwirtschaftlichen Expertise zur Seite und hilft, das Unternehmen gemeinsam aus der Krise zu führen. Beiden Typen als klares

Abgrenzungskriterium gegenüber Restrukturierungsberatern gemeinsam ist die Fokussierung auf die Umsetzung und Implementierung eines Konzepts, wohingegen der Berater seinen Einsatzschwerpunkt in der

Konzeptentwicklung hat. Dies erklärt auch, weshalb die befragten Experten der Krisenerfahrung und Durchsetzungsstärke des CRO eine höhere Bedeutung beimessen als der für Berater typischerweise

geforderten Branchenkenntnis.Die Untersuchung der Persönlichkeitseigenschaften erfolgte anhand der "Big Five" Persönlichkeitstheorie. Diese besagt, dass sich menschliches Verhalten neben situativen

Einflüssen insbesondere aus fünf klar unterscheidbaren Dimensionen von Persönlichkeitseigenschaften erklärt. Die Erhebung wurde mit Hilfe einer Online-Version des NEO-PI-R Erhebungsinstrumentariums

durchgeführt. Der Vergleich der Eigenschaften von CROs und Linienmanagern zeigt auf, dass sich CROs im Gegensatz zu Linienmanagern hinsichtlich Durchsetzungsstärke, Offenheit für Erfahrungen und

Verträglichkeit wesentlich stärker von ihren Alters- und Geschlechtsgenossen unterscheiden als Linienmanager. Dies legt nahe, dass insbesondere diese Persönlichkeitseigenschaften eine erfolgreiche

Krisenbewältigung begünstigen.4. Für Wen, unter Welchen Bedingungen ?Der Beitrag eignet sich insbesondere für Leser, die sich direkt oder indirekt mit dem Thema Restrukturierung/Sanierung

beschäftigen, egal, ob von wissenschaftlicher oder praktischer Seite. 5. Wie einzuschätzen ?Die vorgelegte Studie klärt erstmals das Rollenverständnis und die Arbeitsteilung der im

Restrukturierungsprozess beteiligten Personen. Darüber hinaus zeigt die Untersuchung der Persönlichkeitseigenschaften auf, welchen Beitrag Persönlichkeitstests bei der Besetzung von Interim

Management Mandaten leisten können.Den Kooperationspartnern Justus-Liebig-Universität Gießen und KPMG Advisory ist mit der Studie ein gutes Beispiel gelungen, wie sich Klärungsbedarf der Praxis und

wissenschaftliches Interesse zum beiderseitigen Nutzen miteinander verbinden lassen.Externer Link:314Arbeitspapier Nr. 2006-5: Der Chief Restructuring Officer (CRO) im deutschen

Restrukturierungsmarkt

Studie - CRO Quo Vadis.pdf