Toyota – Geheimnisse eines Giganten

Helmut Becker blickt mit seinem Artikel in NZZ FOLIO nicht nur auf die bekannten Fakten des Weltmarktführers in der Autobranche, sondern auch auf die Kultur dahinter.

1. Wer? Wann? Wo?:

Autor:

Helmut Becker

leitet das Institut für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation in München und ist Autor des Buches"Phänomen Toyota. Erfolgsfaktor Ethik", Berlin 2006, ISBN-13: 978-3540298472

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Artikel:

"Geheimnisse eines Giganten" , in NZZ FOLIO 10/2007, S. 36 – 42 (301http://www.nzzfolio.ch)

2. Woher?, Wohin?, Warum?

Helmut Becker, ausgewiesener Wirtschafts- und Automobilindustrie-Experte, hat im vorliegenden Artikel kurz und beeindruckend zusammengefasst, warum gerade Toyota der erfolgreichste Automobilproduzent der Welt ist.

Toyota hat im Geschäftsjahr 2007 mit knapp 300.000 Mitarbeitern in 52 Werken auf 26 Länder verteilt, 8,5 Millionen Fahrzeuge der Marken Toyota, Lexus, Daihatsu, and Hino produziert und ca. 14 Mrd. US $ Gewinn erwirtschaftet – so viel wie alle deutschen Automobilhersteller zusammen.

(vgl. Geschäftsbericht 2007:300Annual Report)

3. Was?, Wie?, Welche Ergebnisse?

Wie konnte sich das erst 1937 gegründete Unternehmen – also fast 30 Jahre nach dem über 76 Jahren dominierenden Unternehmen der Branche, General Motors – so hervorragend im Markt positionieren?

Einerseits sicherlich durch eine strategisch kluge Modellpolitik, hier bilden die Hybridfahrzeuge mit geschätzten 430.000 verkauften Autos im Jahr 2007 die Speerspitze. Jedoch mehr noch, als für seine Innovationskraft im Produktbereich, steht Toyota für die Prozessoptimierung. Das Unternehmen kann sich Erfindungen wie "Kaizen" (die kontinuierliche Verbesserung) oder "Just in Time" auf die Fahnen schreiben. Verfahren, die weit über die Branche hinaus zu den Standards in produzierenden Unternehmen wurden. Auch das Verbesserungswesen, in das die Mitarbeitenden im Durchschnitt 62 Verbesserungsvorschläge pro Jahr einbringen, von denen wiederum 99 Prozent umgesetzt werden, sind ein weiterer Erfolgsbeleg. Doch wenn man den Artikel liest, erkennt man hinter all diesen Fakten eine Kultur, die den eigentliche Wettbewerbsvorteil ausmacht.

Aus der dem Mitarbeitenden entgegengebrachten Wertschätzung ergibt sich im Umkehrschluss eine hohe Verbundenheit gegenüber dem Konzern. "Die Identifikation der Mitarbeiter mit ihren Aufgaben und dem Unternehmen ist ein Schlüsselelement der Toyota-Unternehmensphilosopie", so Becker. Nachhaltigkeit und nicht der kurzfristige Erfolg sind als ethischer Wert im Unternehmen verankert und nicht bloßes Lippenbekenntnis. Diese Philosophie gilt selbst für den CEO, Katsuaki Watanabe, der den Konzern seit 2005 führt und ihn an die Spitze der Branche brachte: Mit 290.000 Euro Jahresgehalt verdient er geradezu lächerlich wenig im Vergleich zu den Lenkern anderer Automobilkonzerne.

Toyotas Kultur ist nicht einfach kopierbar und so ist es auch nicht verwunderlich, dass es bisher keinem anderen Automobilkonzern gelungen ist, eine ähnliche Produktivität zu realisieren.

Helmut Becker bringt es wie folgt auf den Punkt: "Der Hauptgrund liegt in einer verhängnisvollen Fehlinterpretation: Die Arbeitsabläufe und Produktionsmethoden, die beim Besuch einer Fabrik sichtbar werden, sind nur ein Aspekt des großen Ganzen. Ebenso wichtig ist die Philosophie, die dahinter steckt, die ethische Grundlage, die das Unternehmen bei allen Entscheidungen leitet und die es dazu bringt, kontinuierlich neue Methoden der Geschäftsführung zu kreieren.

Es genügt also nicht Toyota zu kopieren, man muss Toyota kapieren!"

4. Für Wen?, Unter welchen Bedingungen?

Dieser Artikel zeigt sehr gut, dass es auch in großen Konzernen gelingen kann, "musterbrechend" zu agieren. Wer sich inspirieren lassen will und über den Tellerrand eingefahrener Routinen blicken möchte, der sollte sich mit Toyota befassen. Helmut Becker bietet einen guten Einstieg dazu an.

5. Wie einzuschätzen?

Ein Beitrag, der Lust darauf macht, Toyota zu kapieren!