Gesucht: Ein neuer Typ Manager

Harvard-Professorin Linda A. Hill spricht vor dem Hintergrund des Stereotypen der amerikanischen und westeuropäischen Führungskraft über die Möglichkeit und Notwendigkeit alternativer Führungsmuster. Ihr Augenmerk liegt dabei auf aufstrebenden Märkten, den dort entstandenen Reibungsverlusten durch unangemessen agierende internationale Unternehmen als auch auf der Möglichkeit, mehrwertschaffende Führungsstrukturen zu entdecken.

1. Wer?, Wann?, Wo?>>Gesucht: Ein neuer Typ Manager<<, erschienen in: Harvard Business manager, Mai 2008, S. 80-89 Autor: Professorin Linda A. Hill, Verantwortliche für das High

Potentials Leadership Program an der Harvard Business School. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen u.a. in der Untersuchung von Führungsqualität, Führungskräfteentwicklung und Change Management wobei

dabei ihr Interesse vor allem aufstrebenden Märkten wie Argentinien, Indien, Südafrika und den Vereinigten Arabischen Emiraten gilt. 2. Woher?, Wohin?, Warum?Vor dem Hintergrund, dass heutzutage der

Führungskräftenachwuchs aus den immer gleichen Organisationen oder Institutionen rekrutiert wird stellt sich Harvard-Professorin Linda A. Hill der Frage, welche Konsequenzen damit verbunden sind und

welche Alternativen möglich wären. Alleine der mit hohen Opportunitätskosten verbundene Transfer von amerikanischen oder westeuropäischen Führungskräften, einschließlich ihrer Führungsmuster, in

aufstrebende Märkte nach Asien oder Afrika sei Anlass genug, über andere Möglichkeiten nachzudenken. 3. Was?, Wie?, Welche Ergebnisse?Talentierte Führungskräfte lassen sich nicht beliebig exportieren

geschweige denn umsiedeln. So stehen besonders in aufstrebenden Märkten wie China, Osteuropa oder auch Südafrika agierende Unternehmen vor der Herausforderung, im Ausland ihren Führungskräftebedarf

zu decken. Hill ist zusätzlich der Meinung, dass die angebrachtere Führungskraft diejenige sei, die in dem jeweiligen Land aufgewachsen ist. Eine Uneinsichtigkeit, die sich noch viele Unternehmen

leisten denn oft sind exportierte amerikanische oder westeuropäische Führungsmuster vor Ort nicht im Stande, eine emotionale Bindung zwischen Mitarbeitern, Führungskräften oder der Organisation als

solche herzustellen. Weiterführend fordert Professorin Hill im Interview auf, den Stereotyp des klassischen Leaders zu hinterfragen. Untersuchungen hätten gezeigt, dass es längst nicht mehr beste

Wahl sein muss, als Führungskraft das Ruder fest in der Hand zu haben und Top-Down zu delegieren. Am Beispiel von Führungskräften in Südafrika stellt sie die kontraintuitive Alternative des Leading

from behind vor und zeigt auf, wie Führung in diesem Fall als kollektive Spitzenleistung funktioniert und verstanden wird. 4. Für wen?, Unter welchen Bedingungen?Zielgruppe dieses Interviews sind

Personen die sich mit der Thematik Führung, sei es wissenschaftlich oder in der Praxis, auseinandersetzen. Insbesondere für international oder global agierende Unternehmen ist es schon aus eigenem

Interesse heraus unerlässlich, das Auftreten und Handeln hauseigener Führungskräfte im Ausland ständig zu beobachten und weiterzuentwickeln. 5. Wie einzuschätzen?Das Interview mit Professorin Linda

A. Hill zeigt allzu deutlich auf wie sensibel die Thematik der Führung im interkulturellen Kontext ist. Neben der Tatsache, dass durch verbindliche Reflexion des eigenen Führungsstils

Reibungsverluste vermieden werden können wird auch klar, dass sich mannigfaltige Führungskonzepte eigendynamisch in aufstrebenden Märkten entwickelt haben. Fahrlässig wäre es diese in unserer sich

immer schneller drehenden und vernetzten Welt zu ignorieren und nicht zu versuchen, mit deren Hilfe Mehrwerte für die eigene Organisation zu generieren.