Organizational Memory und betriebliche Wissenstrukturen

Wissen ist Macht. Diesem Satz kommt in unserer heutigen Wissensgesellschaft mehr denn je eine besondere Bedeutung zu. Die Umfeldgegebenheiten sind gegenwärtig so kompliziert geworden, dass das Wissen eines Einzelnen oft nicht mehr ausreichend ist für eine adäquate Problemlösung.

Organizational Memory und betriebliche Wissenstrukturen Darstellung am Beispiel von Teams in einer industriellen Fertigung Prof. Dr. rer. pol. Joachim Freimuth / Dipl.-Ing. Otmar Hauck / Dipl.-Bw. Tomke Asbahr Zeitschrift Führung + Organisation 2/2002 (71. Jg.), Seite 96-104.

1. Wer?, Wann?, Wo?

Der Artikel "Organizational Memory und betriebliche Wissensstrukturen" von Prof. Dr. rer. pol. Joachim Freimuth , Dipl.-Ing. Otmar Hauck und Dipl.-Bw. Tomke Asbahr wurde in der Ausgabe 2/2002 (71. Jg.) der Zeitschrift Führung + Organisation, Seite 96-104 veröffentlicht.

2. Woher?, Wohin?, Warum?

Die Autoren erläutern, basierend auf einem Beispiel aus der industriellen Fertigung, welche spezifischen Wissensstrukturen sich im Gegensatz zum traditionellen Expertenmodell in einem Team herausbilden (können) und wie dieses kollektive Wissen positiv auf den Arbeitsprozess wirken kann. Es werden unterschiedlichen Formen von Wissen identifiziert und aufgezeigt, wie dieses Wissen gespeichert wird und situativ zur Bewältigung von Problemen genutzt werden kann.

3. Was?, Wie?, Welche Ergebnisse?

Traditionell war die Wissensbasis in vielen Unternehmungen monopolisiert und individualisiert, d. h., es gab beispielsweise Meister, Techniker oder Fertigungsingenieure, welche die Repräsentanten des betrieblichen Wissens in der Fertigung waren. Je komplexer jedoch die Produkte und die ihnen zugrunde liegenden Fertigungstechniken werden, desto risikoreicher sind individuelle Wissensmonopole. Sie können sich schnell zu Engpässen entwickeln, da Fehler und Risiken häufig erst zu spät erkannt werden. Um dies zu vermeiden rückt heute das Konzept des betrieblichen Wissensmanagement in den Vordergrund, in dessen Zentrum die Gruppenarbeit steht. Dabei wird das Wissen nachhaltig in den exekutiven Bereichen aufgebaut und gezielt auf mehrere Köpfe verteilt. Einleitend zeigen die Autoren die Rahmenbedingungen des untersuchten Beispiels auf. Es handelt sich hierbei um Teams von ca. 20 Personen, die an einem getakteten Fließband arbeiten. Die Teams werden von sog. Teamkoordinatoren geleitet, die diesen aber nicht vorgesetzt sind. Zusätzlich gibt es hauseigene Prozessbegleiter, die als interne Berater fungieren. Nach den Erkenntnissen der Autoren lässt sich das Wissen von Teams in vier verschiedene Kategorien unterteilen. Dies sind Fachwissen, Prozesswissen, Kontextwissen und Beziehungswissen. Diese werden nachfolgend detailliert erläutert und beschrieben. Darauf aufbauend wird die Funktionsweise eines kollektiven Gedächtnisses einer Gruppe sowie deren Vorteile im Problemlösungsprozess aufgezeigt. Die einzelnen Gruppenmitglieder verfügen dabei über ein Set an Wissen, dass sich aus Erfahrungen, Können oder dem Zusammenspiel innerhalb des Teams zusammensetzt und unabhängig von dem Wissen von Führungskräften oder Experten ist. Entscheidend für den Erfolg bei der Aufgabenbewältigung ist dabei die Kommunikationsfähigkeit der Gruppe. Abschließend zeigen die Autoren auf, in welchen Formen das kollektive Wissen repräsentiert wird. Dies sind u. a. Fallbeispiele, Geschichten oder gemeinsame Erlebnisse sowie Bilder, Faustregeln oder Handlungsorientierungen. Hierdurch legitimiert sich die Gruppe als solche.

4. Für wen?, Unter welchen Bedingungen?

Wissen ist Macht. Diesem Satz kommt in unserer heutigen Wissensgesellschaft mehr denn je eine besondere Bedeutung zu. Die Umfeldgegebenheiten sind gegenwärtig so kompliziert geworden, dass das Wissen eines Einzelnen oft nicht mehr ausreichend ist für eine adäquate Problemlösung. Ist das Wissen nur in einer Person gespeichert, haben Verluste durch Ausscheiden dieser Person aus der Organisation oft große Folgen. Ist das Wissen hingegen auf mehreren Köpfen verteilt, wie im Falle eines Teams, geht in einem solchen Fall kein Wissen verloren und es kann leichter auf neue Person übertragen werden. Ist dies branchen- und funktionsbereichsspezifisch gleich. Dieser Artikel ist deshalb besonders lesenswert für Manager und Abteilungsleiter von Unternehmungen, deren Leistungen auf einem hoch entwickelten Wissensniveau beruht und die schwer mit dem Problem der Fluktuation zu kämpfen haben. Hier lassen sich Anregungen und Beispiele finden, welches Wissen Teams innehaben, wie dieses gespeichert, abgerufen und weitergegeben wird und welche positiven Wirkungen davon auf den Arbeitsprozess ausgehen.

5. Wie einzuschätzen?

Der vorliegende Beitrag von Freimuth, Hauck und Asbahr gibt eine ausführliche Beschreibung der spezifischen Wissensstrukturen, welche sich im Laufe der Zeit innerhalb von Teams herausbilden. Ebenso wird aufgezeigt wie dieses gemeinsame Wissen gespeichert und wie darauf zugegriffen wird. Die hier dargestellten Zusammenhänge zu kennen, sollte für jeden Praktiker, der sich mit dem Thema betriebliche Wissensstrukturen auseinander setzt, zum höchsten Ziel werden, um den Verlust von Wissen möglichst gering zu halten bzw. gänzlich versuchen dies zu vermeiden. Den dazu notwendigen Einstieg in dieses Thema liefert der vorliegende Beitrag. Die Langfassung umfasst den Originaltext (9 Seite) aus der ZfO.

zfo_2_2002_Freimuth_Hauck_Asbahr.pdf