Ideenmanagement: Nuetzen viele Verbesserungsvorschlaege?

Das BVW kann nur dann erfolgreich arbeiten, wenn tatsächlich die Beteiligung der Mitarbeiter das Ziel ist. Der Missbrauch des Betrieblichen Vorschlagswesens führt schnell zum Absterben dieser Einrichtung.

1. Wer? Wann? Wo?

Das Betriebliche Vorschlagswesen (kurz BVW) beteiligt die Mitarbeiter an der Organisation, der Struktur und den Verfahrensweisen im Unternehmen. Zunächst einmal ist das BVW an ökonomischen Zielen ausgerichtet. In dieser Dimension lassen sich die Kosten und der Nutzen eines Betrieblichen Vorschlagswesens leicht in Kennzahlen angeben. In zweiter Linie dient das Betriebliche Vorschlagswesen den Humanzielen eines Betriebes. Grundidee ist, dass Mitarbeiter, die sich in das betriebliche Geschehen eingebunden fühlen und den Eindruck haben, dass sie Einfluss nehmen können, mit einer höheren Motivation bei der Arbeit sind. Zum dritten ist das BVW - zu mindestens in Deutschland - in seinen Grundzügen mitbestimmungspflichtig. Somit kann auch die betriebliche Interessenvertretung mit dem BVW ihre spezifischen Ziele verfolgen. In diesem Beitrag liegt der Schwerpunkt auf den wirtschaftlichen Zielen des BVW.

2. Woher? Wohin? Warum?

Betriebliche Vorschlagswesen wurden in den Großbetrieben des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts eingeführt. In der über 100-jährigen Geschichte des BVW gab es einige Höhen und Tiefen. Derzeit ist ein Anwachsen des Interesses am BVW zu bemerken. Dieses Interesse gilt sowohl dem BVW in seiner Reinform als auch der Integration des BVW in andere Managementkonzepte wie dem Kaizen, dem Kontinuierlichen Verbesserungsprozess oder dem Bemühen um Totale Qualität. 3. Was? Wohin? Warum? Nach dieser grundsätzlichen Vorbemerkung möchte ich nun drei Strategien für ein erfolgreiches BVW vorstellen. Die erste Strategie wird als "Vorgesetztenmodell des BVW" (Bismarck 2000) diskutiert. Grundidee ist, dass der Mitarbeiter seinen Verbesserungsvorschlag beim direkten Vorgesetzten einreicht, der ihn dann prämiert und gegebenenfalls auch für die Umsetzung des VV verantwortlich ist. Eine zweite Strategie besteht darin, das BVW mit anderen Konzepten kleinschrittiger Verbesserung zu kombinieren und so ein Ideenmanagement zu schaffen (vgl. Fremmer 1999). In Qualitätszirkeln, Workshops des Kontinuierlichen Verbesserungsprozesses oder ähnlichen Veranstaltungen entwickeln Mitarbeiter sowohl Verbesserungen für ihr ureigenstes Aufgabengebiet als auch darüber hinausgehende Vorschläge. Letztere können dann auf dem traditionellen Weg ins BVW eingereicht werden. Wichtig ist hier zum einen, dass die Prämienregelung das Ineinandergreifen von kontinuierlicher Verbesserung und BVW nicht behindert. Eine weitere Strategie kann darin liegen, möglichst viele Verbesserungsvorschläge generieren zu lassen. Ziel ist dann nicht, möglichst gute, möglichst ausgefeilte oder in welcher Dimension auch immer qualitativ hoch zu bewertende Vorschläge zu erhalten. Hier wird einfach der Devise gefolgt "die Masse macht's". Karola Läge hat in ihrer Dissertation, einer sehr gründlichen Arbeit, sowohl die Datenbestände des Deutschen Instituts für Betriebswirtschaft (dib) als auch die Ergebnisse namhafter Unternehmen ausgewertet. Sie kommt zum Schluss, dass mit der Anzahl der eingereichten VV auch die Anzahl der zur Realisierung vorgesehenen VV steigt. Dieser Zusammenhang ist stabil, auch wenn er für einzelne Betriebe betrachtet wird.

4. Für wen? Unter welchen Bedingungen?

Das BVW kann nur dann erfolgreich arbeiten, wenn tatsächlich die Beteiligung der Mitarbeiter das Ziel ist. Der Missbrauch des Betrieblichen Vorschlagswesens führt schnell zum Absterben dieser Einrichtung. "Das BVW darf nicht in eine Art ‚Nachrichtendienst' des Führungskorps für die Situation ‚vor Ort' pervertiert werden." (Thom 1996, S. 84) Auch die hauptsächliche Verwendung des Betrieblichen Vorschlagswesens zur Verteilung persönlicher Anerkennungsbeträge ("Nasenprämie") oder als Selektionsinstrument für den betrieblichen Aufstieg erweist sich schnell als dysfunktional im Sinne der oben definierten ökonomischen Ziele des BVW.

5. Wie einzuschätzen?

Das BVW hat sich als eine stabile und effektive Methode der betrieblichen Optimierung erwiesen. Dies gilt insbesondere für ein Vorschlagswesen, das viele VV generiert. Generell ist derzeit ein verstärkter Trend zu beobachten, dass Betriebe, die kein BVW betreiben, ein solches einrichten und Betriebe, deren BVW "eingeschlafen" ist, dieses mit neuen Strategien zu kräftigem Leben wiedererwecken. Diese Entwicklung ist aus organisatorischer Sicht zu begrüßen und zu begleiten. Die Langfassung dieses Beitrages umfasst 7 DIN A4 Seiten.

Nutzen viele Verbesserungsvorschläge.doc