Was zeichnet ein attraktives Trainee-Programm aus?

Im Rahmen der IOP-Fachtagung "Trends in der Personalentwicklung" vom 4. September 2003 wurde der IOP-Award für das beste Trainee-Programm in der Schweiz vergeben. Im Vorfeld dazu befassten sich die Autoren eingehend mit der Thematik, welche Kriterien ein attraktives Trainee-Programm kennzeichnen.

Was ist ein Trainee-Programm? Grundsätzlich beschränken sich Trainee-Programme auf den Teilnehmerkreis von Universitäts- und Fachhochschulabsolventen. Ein solches Ausbildungsprogramm muss sorgfältig geplant werden. Es enthält sowohl on-the-Job- als auch off-the-Job-Komponenten. Der Ausbildungszeitraum beträgt in der Regel zwischen 6 und 24 Monaten. Nach Abschluss dieses systematischen Einführungsprogramms sollten die Teilnehmenden so gut vorbereitet sein, dass sie eine qualifizierte Stelle selbstständig übernehmen können. Trainee-Programme ermöglichen es den Unternehmen, das Potenzial eines Trainees fundiert einzuschätzen. Was macht ein attraktives Programm aus? Attraktive Programme zeichnen sich dadurch aus, dass sie zugleich den Bedarf der Arbeitgeber decken und gezielt auf die Bedürfnisse der Absolventen eingehen. Dies sollte auf verschiedenen Ebenen geschehen. Zur Verdeutlichung zeigen die Autoren nachfolgend fünf Kriteriengruppen auf, welche besonders zu beachten sind. Kriterien zur Beurteilung Unter den Rahmenbedingungen des Trainee-Programms werden z. B. die Ansprache der potenziellen Trainees, das gesamte Auswahlprozedere sowie das Gehalt verstanden. Die Ansprache sollte direkt und zielgruppenspezifisch erfolgen, vorzugsweise an Hochschulmessen oder via Internet. Für den angehenden Trainee ist von Interesse, ob zur Teilnahme am Programm Altersgrenzen bestehen oder andere Kriterien zu erfüllen sind. So vielfältig die Unternehmen, so verschieden sind auch die Auswahlverfahren der einzelnen Firmen. Interviews, diverse Tests und Assessment-Centers werden durchgeführt, wobei der Vorteil von mehrstufigen Verfahren vor allem darin liegt, dass verschiedenste Aspekte beim Bewerber beleuchtet werden können und so ein abgerundeter Eindruck entstehen kann. An der organisatorischen Einordnung des Trainee-Programms lässt sich am ehesten dessen Bedeutung erkennen. Der Koordinationsmechanismus zwischen zentralen Programmverantwortlichen und dezentralen Linien-/Fachvorgesetzten muss eingespielt sein. Im Beurteilungssystem ist festzulegen, wer wie häufig sowie zu welchen Zeitpunkten von wem beurteilt wird. Das Betreuungssystem soll mit Komponenten wie einem Paten-Mentor-Konzept, innerbetrieblichen Netzwerken und informellen Treffen eine wirkungsvolle Begleitung während der gesamten Ausbildungszeit ermöglichen. Wenn das Programm direkt in das Personalentwicklungssystem des Unternehmens integriert ist, kann eine Weiterentwicklung und Karriereplanung über diese Einstiegsphase hinaus angeboten werden. Die Fluktuation während des Programms ist zu erfassen und die Gründe dafür sind konsequent aufzuspüren. Einen weiteren Aufschluss über die Güte des Programms geben Daten von ehemaligen Trainees. Wie viele befinden sich in welcher Position im Unternehmen nach drei bis zehn Jahren? Unter Mitsprachemöglichkeiten des Trainees verstehen die Autoren den Grad der Individualisierung des Programms nach Zeit und Inhalt. Hat der Trainee bezüglich Einsatzorte und insbesondere der Einstiegsstelle angemessene Mitbestimmungsrechte? Besteht ein Angebot an integrierten Auslandsaufenthalten , steigert dies oft die Attraktivität der Firma für einen Trainee. Wichtig sind hier die Dauer und Orte der Aufenthalte sowie die effektiven Tätigkeiten, welche ein Trainee ausführen kann. Sinnvoll sind solche Aufenthalte allerdings nur bei international ausgerichteten Firmen. Ein Unternehmen, das sich auf den Binnenmarkt konzentriert, muss sich über andere Anziehungskräfte positionieren (z. B. Tochtergesellschaften oder Kooperationen mit anderen Firmen nutzen). Fazit Das Institut für Organisation und Personal (IOP) der Universität Bern verlieh den IOP-Award für Excellence im Personalmanagement dieses Jahr für das beste Trainee-Programm in der Schweiz. Die Siegerin, die Schweizerische Rückversicherungs-Gesellschaft, sowie die Anerkennungspreisträgerin, die Basler Versicherungen, verfügen beiden über excellente Programme, welche u. a. an den oben genannten Kriterien verglichen wurden. Weitere Informationen zum Bewertungsprozess der Jury finden Sie auf der IOP-Homepage17(www.iop.unibe.ch). Literaturverzeichnis Thom, Norbert/Friedli, Vera (2003) Hochschulabsolventen gewinnen, fördern und erhalten, Bern 2003 Thom, Norbert/Friedli, Vera/Zimmermann, Reto (2002) Trainee-Programme nach dem Wirtschaftsstudium in der Schweiz, Bern 2002