Wenn der Kunde mit anpackt – Wertschöpfung durch Co-Produktion

Grün/Brunner zeigen anhand eines selbstentwickelten Konzeptes, was Wertschöpfung durch Co-Produktion bedeutet.

1. Wer?, Wann?, Wo?

Der Artikel "Wenn der Kunde mit anpackt – Wertschöpfung durch Co-Produktion" von Prof. Dr. Oscar Grün und Mag. Jean-Claude Brunner wurde in der Ausgabe 2/2003 (72. Jg.) der Zeitschrift Führung + Organisation, Seite 87-93 veröffentlicht.

2. Woher?, Wohin?, Warum?

Die Autoren Grün und Brunner stellen das Konzept der Wertschöpfung durch Co-Produktion vor, d. h. die Einbeziehung des Kunden in den Leistungserstellungsprozess. Unter Co-Produktion wird hier eine Art von Kooperation zwischen Produzenten und Konsumenten verstanden, welche mit einer teilweisen Verlagerung von Wertschöpfungsaktivitäten auf den Kunden verbunden ist. Beispielhaft seien hier die Selbstbaumöbel genannt, bei denen die Endverbraucher die Transportkosten sowie einen Teil der Produktionskosten, nämlich die des Zusammenbaus, übernehmen. Der Konsument wird folglich zu einem "Prosumer", der die Produzenten- und Konsumentenrolle in sich vereinigt.

Zum Aufbau und Betrieb von Co-Produktions-Systemen sind fünf Elemente sowie deren Fit von besonderer Bedeutung. Dies sind: das Produkt, der Prozess, der Produzent, der "Prosumer" und das Portal. Von den Autoren auch als 5-P-Modell bezeichnet.

3. Was?, Wie?, Welche Ergebnisse?

Nach einer kurzen Beschreibung der Merkmale der Co-Produktion gehen die Autoren auf die strategische Relevanz dieses Unternehmungskonzeptes ein. Sie leiten vier Strategietypen ab, denen unterschiedliche Treiber zugrunde liegen. Als Treiber werden dabei die Komponenten Technologie, Transaktionskosten, Kunde und Wettbewerb identifiziert. Daraus ergeben sich die Strategietypen "Erzwungene Co-Produktion", "Rationalisierungs-Co-Produktion", "Gekürte Co-Produktion" und "Enrichment Co-Produktion".

Zur Umsetzung bzw. Spezifizierung der gewählten Strategie werden in diesem Zusammenhang zwei Geschäftsmodelle vorgestellt, welche als "Reine Co-Produktion" bzw. als "Gemischte Co-Produktion" (Multichannel Management) bezeichnet werden. Darauf aufbauend werden die Komponenten des 5-P-Modells detailliert dargestellt und erläutert. Zusammenfassend kommen die Autoren Grün und Brunner zu dem Schluss, dass diese neue Form der Arbeitsteilung nicht nur Kosten- und Rationalisierungsvorteile mit sich bringt, sondern auch das explizite Wissen der Prosumer in den Wertschöpfungsprozess mit einbezogen wird.

Zugleich werden jedoch auch Grenzen des Konzeptes aufgezeigt. So eignet sich nicht jedes Produkt für die reine Co-Produktion und nicht alle Konsumenten wollen als aktive Wertschöpfungspartner an der Leistungserstellung beteiligt werden, so dass in vielen Fällen ein Multichannel Management unverzichtbar ist.

Dabei verweisen die Autoren abschließend auf einige Ergebnisse einer Veröffentlichung ihrerseits, die weitere, vertiefende Überlegungen und Fallstudien zum Thema Co-Produktion beinhaltet. Grün, O./Brunner, J.-C.: Der Kunde als Dienstleister: Von der Selbstbedienung zur Co-Produktion, Wiesbaden 2002.

4. Für wen?, Unter welchen Bedingungen?

Der Beitrag ist für Praktiker wie Theoretiker gleichermaßen lesenswert. Speziell für Praktiker, die bereits erste Erfahrungen mit dem Konzept der Co-Produktion gemacht haben oder dieses als neues, zukunftsweisendes Unternehmungskonzept in ihren Wertschöpfungsprozess einbauen möchten, ist dieser Artikel besonders zu empfehlen. Die theoretisch aufgezeigten Aspekte werden anhand von eingängigen Beispielen verdeutlicht und lassen sich so leicht auch auf andere Funktionsbereiche und Branchen übertragen. Aber auch für Theoretiker sollte diese abgewandelte Form des Outsourcings für weitere Forschungsansätze von Interesse sein.

5. Wie einzuschätzen?

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Thematik der Co-Produktion in dem Artikel von Grün und Brunner verständlich aufbereitet und dargestellt wird. Somit kann dieser Beitrag als eine Art grundlegendes Werk angesehen werden. Die ausführlich erläuterte Theorie ermöglicht einen leichten Einstieg in das präsentierte Konzept, welches anhand von lebensnahen Beispielen weiter untermauert wird.

Die Langform umfasst den 7-seitigen Originalartikel von Grün/Brunner.