Koordinationsmechanismen in Unternehmungsnetzwerken

Koordinationsmechanismen sind unabdingbar für ein gut funktionierendes Unternehmungsnetzwerk. Sie können über den Erfolg oder Misserfolg einer Netzwerkstrategie entscheiden.

1. Wer?, Wann?, Wo?

Autor: Univ.-Prof. Dr. habil. Hans Corsten ist Inhaber Inhaber des Lehrstuhls für Produktionswirtschaft an der Universität Kaiserslautern.

Corsten hat folgenden Beitrag veröffentlicht: Corsten, Hans (2001): Grundlagen der Koordination in Unternehmungsnetzwerke, in: Corsten, Hans (Hrsg.) (2001): Unternehmungsnetzwerke: Formen unternehmungsübergreifender Zusammenarbeit, München/Wien/Oldenburg 2001, S. 1-57.

2. Woher?, Wohin?, Warum?

Corsten behandelt die Koordinationsmöglichkeiten, die in Unternehmungsnetzwerken wichtig sind, diese sind zum Teil deckungsgleich mit denen der Unternehmung, teilweise gibt es aber wegen der Komplexität der Netzwerke Unterschiede.

3. Was?, Wie?, Welche Ergebnisse?

In Unternehmungsnetzwerken sind, auf Grund der vielfältigen Ziele, Möglichkeiten und Interessanlagen, die Koordinationsmechanismen von großer Bedeutung. Corsten unterteilt die Koordination in direkt und indirekt. Die direkten Koordinationsmechanismen lassen sich nach der Koordinationsrichtung in hierarchisch und heterarchisch einteilen. Zudem gibt es neben diesen beiden Reinformen auch Mischformen, die sich beider Koordinationsinstrumente bedienen.

Die heterarchische Koordination erfolgt dezentral, unabhängige und hierarchisch gleichgestellte Partner stimmen sich dabei ab. Die Abstimmung kann durch Bildung von Ausschüssen oder Arbeitsgruppen erleichtert werden. Zudem besteht die Möglichkeit einer marktlichen Koordination. Sie stützt sich auf den Preismechanismus und verfolgt das Ziel, marktliche Prinzipien in das Unternehmungsnetzwerk zu implementieren, um selbstständige marktorientierte Akteure zu schaffen.

Liegt ein hierarchisches Unternehmungsnetzwerk vor, so gelangen andere Koordinationsmechanismen zum Einsatz. Grundlegend muss festgehalten werden, dass Programme und persönliche Weisungen, wegen der rechtlichen Autonomie der Netzwerkpartner, nicht ausreichen. Ein besonderes Merkmal dieser Koordinationsform stellen die Weisungs- und Entscheidungsrechte dar, mit denen einige der Netzwerkmitglieder ausgestattet werden. Kennzeichnend sind klare Über- und Unterordnungsbeziehungen.

Im Rahmen der indirekten Koordinationsmechanismen führt Corsten Vertrauen und Netzwerkkultur auf.

Vertrauen reduziert die Unsicherheit zwischen Netzwerkpartnern und macht das Verhalten der Partner berechenbarer, somit werden Entscheidungskoordination erleichtert und die Transaktionskosten gesenkt. Es darf allerdings nicht übersehen werden, dass vertrauensbildende Maßnahmen ebenfalls Kosten verursachen. Positiv wird der Vertrauensaufbau durch bereits bewährte Beziehungen und die Existenz einer relativ stabilen Netzwerkplattform beeinflusst. Wird eine solche Stabilität, z. B. durch häufiges Wechseln der Netzwerkmitglieder, verhindert, so wird der Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung gestört. Neben dem bereits angesprochenen persönlichen Vertrauen spielt auch das Systemvertrauen, dass auf der Funktionsfähigkeit des Netzwerkes beruht, eine Rolle. Dieses kann bspw. durch Zertifizierungen und Reputation einer Institution entstehen. Die einzelnen Unternehmungen können des Weiteren über Selbstverpflichtungen, transaktionsspezifische Investitionen oder Prozess- und Ergebniskontrollen die bestehenden Verhaltensunsicherheiten verringern.

Neben dem Vertrauen wird außerdem die Netzwerkkultur zur indirekten Koordination in Unternehmungsnetzwerken gezählt. Sie schwächt Misstrauen durch gemeinsame Normen- und Wertesysteme (z. B. Einstellung gegenüber den Kunden, Konsens bezüglich der Ziele und Strategien) und kann opportunistisches Verhalten teilweise oder sogar ganz ausschalten. Diese von allen akzeptierten Spielregeln stellen einen Ersatz der hierarchischen Anordnung dar. Die Bildung und Aufrechterhaltung einer Netzwerkkultur ist jedoch ein schwieriges Unterfangen, da im Vergleich zur Unternehmungskultur eine höhere Komplexität herrscht und es den einzelnen Mitgliedern möglich ist, sogar in mehreren Netzwerken mitzuwirken. Zusammenfassend zeigt sich, dass die Koordinationsprobleme in Unternehmungsnetzwerken sich nicht sehr von denen in Unternehmungen unterscheiden. Dennoch gibt es graduelle Unterschiede und sei es nur in der stärkeren oder schwächeren Ausprägung eines Mechanismus.

4. Für wen?, Unter welchen Bedingungen?

Koordinationsmechanismen sind für den Umgang mit Netzwerken sehr wichtig. Ebenso sollte jeder, der in einem Netzwerk organisiert ist, diese Einflussmöglichkeiten kennen.

5. Wie einzuschätzen?

Diese theoretisch abgeleiteten Mechanismen sind sowohl für Praktiker als auch für Theoretiker wichtig.